Baden

Pilotprojekt für 34'000 Grenzgänger: Deutsche ABB-Mitarbeiter sollen klimafreundlicher pendeln

Von links: Remo Lütolf (ABB), Jonas Messmer (Hochschule Offenburg), Heike Stoll (Hochrheinkommission) mit dem Projektteilnehmer Hans-Peter Kimmig an der Elektrotankstelle in Baden.

Von links: Remo Lütolf (ABB), Jonas Messmer (Hochschule Offenburg), Heike Stoll (Hochrheinkommission) mit dem Projektteilnehmer Hans-Peter Kimmig an der Elektrotankstelle in Baden.

Weil die ABB das grösste Unternehmen in der Schweiz, das zudem am meisten Mitarbeitende aus Deutschland beschäftigt, will sie im Rahmen eines Pilotprojekts Fahrgemeinschaften und den Einsatz von Elektroautos fördern.

Fast täglich pendeln über 34 000 Personen über die Grenze von Deutschland in die Schweiz und zurück. Es sind Arbeitskräfte, die von ihrem Wohnort in den Landkreisen Lörrach und Waldshut zu ihrem Arbeitsort in die Schweiz fahren.

Die ABB ist zweifellos das grösste Unternehmen in der Schweiz, das zudem am meisten Mitarbeitende aus Deutschland beschäftigt. Früher, das heisst vor gut 30 Jahren, als es noch keine gleitenden Arbeitszeiten gab, waren Fahrgemeinschaften eine Selbstverständlichkeit.

Heute sind die meisten Pendlerinnen und Pendler allein in ihrem Auto unterwegs. Der gewachsene Grenzverkehr belastet darum Strassen, Anwohner und die Umwelt.

CO2-Emissionen reduzieren

Partner aus Industrie, Wissenschaft und Politik wollen nun die Möglichkeiten erforschen, wie die CO2-Emissionen im Grenzverkehr reduziert werden können.

Im Rahmen eines Pilotprojektes soll im Grenzverkehr den Pendlern eine klimafreundlichere Alternative zum Auto mit Verbrennungsmotor angeboten werden. Konkret werden Elektromobilität und Fahrgemeinschaften gefördert. So fahren seit Anfang Juli Mitarbeitende der ABB Schweiz, die in Deutschland wohnen, mit Elektroautos zur Arbeit.

Es handelt sich dabei um fünf zu 100 Prozent elektrisch betriebene BMWi3, die über den Mobilitätsdienstleister Alphabet für eine Dauer von 12 Monaten geleast werden. Eines dieser Elektroautos wird als Pendelfahrzeug und gleichzeitig als Pool-Fahrzeug für Dienstfahrten von anderen ABB-Mitarbeitenden eingesetzt.

Die Pendler können ihre Elektrofahrzeuge an den beteiligten ABB-Standorten gratis aufladen. Während dem einjährigen Fahrbetrieb wird der Energieverbrauch der Elektroautos in allen vier Jahreszeiten aufgezeichnet und bilanziert.

Wissenschaftlich begleitet

Ziel des Projektes ist, die für Elektroautos und Fahrgemeinschaften wichtigen Aspekte zu untersuchen und Lösungen zu finden. Darum wird der Fahrbetrieb von Hochschulen wissenschaftlich begleitet.

In diesem Pilotprojekt engagieren sich die ABB Schweiz, die Fachhochschule Nordwestschweiz, die Hochschulen Offenburg und Reutlingen sowie die Hochrheinkommission, die sich unter anderem aus den Kantonen Aargau und Schaffhausen, den Landkreisen Lörrach und Waldshut und dem Regierungspräsidium Freiburg zusammensetzt.

Die Ergebnisse dieses Pilotprojekts werden nach Abschluss in einem Leitfaden zusammengefasst und sollen auch anderen Organisationen als Handlungsempfehlungen dienen und in deren Mobilitätsmanagement einfliessen.

Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein, ein Regionalprogramm der Europäischen Union zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, unterstützt das Pilotprojekt durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zusammen mit dem Schweizer Bund und den beteiligten Kantonen.

Projekt als Anstoss

Die am Projekt Beteiligten möchten damit zu nachhaltigem Verkehrsverhalten motivieren. «Wir erhoffen uns, dass dieses Projekt einen Anstoss zu mehr klimafreundlichem Pendeln geben kann und andere Organisationen dem Beispiel folgen werden», sagt Bärbel Schäfer, Präsidentin des Regierungspräsidiums Freiburg, die das Projekt über die Hochrheinkommission initiiert hat.

«Elektromobilität ist eine nachhaltige Antwort auf Herausforderungen des Individualverkehrs», so Remo Lütolf, Vorsitzender der Geschäftsleitung von ABB Schweiz. Als Herstellerin von leistungsstarker Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge wolle ABB als Technologielieferantin dazu beitragen, «dass Elektromobilität Fahrt aufnimmt».

Eine Vorstudie zum Mobilitätsverhalten der Mitarbeitenden hat ergeben, dass über 80 Prozent auf ihrem Arbeitsweg ein Auto mit Verbrennungsmotor benutzen und alleine fahren. Grund für die geringe Nutzung des öffentlichen Verkehrs sei vor allem dessen unzureichende Verfügbarkeit, wurde dabei festgestellt.

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