Baden
Pilzkontrolleure prüfen halb so viele Pilze wie letztes Jahr

Neben den Pilzsammlern profitieren auch Ärzte und Personen mit Pilzvergiftungen vom Fachwissen der Kontrolleure.

Merken
Drucken
Teilen
Harald Schmid trägt die gesammelten Pilze im Kontrollschein ein. Im Bild: Safranschirmlinge.ren

Harald Schmid trägt die gesammelten Pilze im Kontrollschein ein. Im Bild: Safranschirmlinge.ren

Karin Renold

Die Pilzkontrolle von Baden und 14 angeschlossenen Gemeinden liegt beim Schadenmühleplatz in einem kleinen Holzhaus. Vier Fachmänner und Fachfrauen sind abwechselnd bis Ende Oktober täglich von 17 bis 18 Uhr vor Ort. Der Service ist gratis. Die Pilzexperten untersuchen jeden Pilz und geben die essbaren Exemplare frei. Auf dem Pilzkontrollschein notiert der Kontrolleur die Art und das Gewicht der gesammelten Pilze und macht auf Zubereitungshinweise aufmerksam. In einem normalen Jahr werden auf der Kontrollstelle Baden rund eine Tonne Pilze durchgesehen – 2016 nicht einmal die Hälfte davon. «Es wachsen dieses Jahr wegen des trockenen Sommers schlicht weniger Pilze», sagt Harald Schmid, der seit 17 Jahren Pilzkontrolleur in Baden ist.

Der Kanton Aargau verpflichtet die Gemeinden, eine Pilzkontrolle zu betreiben. 2015 wollte der Kanton dieses Obligatorium aufheben und auch auf die Weiterbildung der kommunalen Pilzkontrollorgane verzichten. So sollten pro Jahr 15 000 Franken gespart werden. Das Volk lehnte dieses Sparpaket ab.

Harald Schmid schüttelt über diese Idee den Kopf: «Eine Person, die eine Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz überlebt, verursacht mit Dialyse und Organtransplantation Gesundheitskosten von über einer Million Franken zulasten der Gesellschaft.» Bei einer Abschaffung des bisherigen Systems würde auch das komplexe Wissen der Kontrolleure über die unterschiedlichen Pilz-Giftstoffe und das Mikroskopieren von Erbrochenem verloren gehen, sagt Schmid.

Bei einem Verdacht auf Pilzvergiftungen sind die Pilzkontrolleure die erste Anlaufstelle für Private und Ärzte. Als Experten können sie deshalb früh Entwarnung geben und dadurch Panikausbrüche und kostspielige Hospitalisierungen vermeiden. «Ausserdem wird ohne dieses Fachwissen jeder Versuch einer medizinischen Intervention, etwa wenn ein kleines Kind im Garten ein Pilzchen verschluckt hat, eine Art hilfloses russisches Roulette.» (REN)