Limmattal
Planer und Architekten erfinden die Region neu

Im Limmattal wird viel geplant. Unter der Leitung der ETH Zürich entwerfen vier Teams neue Lösungen für die Transformation des ganzen Tals

Bettina Hamilton-Irvine
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Im Limmattal wird viel geplant – aber bisher fehlt eine langfristige, gesamthafte Vorstellung dazu, wie die Region zwischen Zürich und Brugg genutzt und gestaltet werden soll. Dies soll nun geändert werden – mit einem «aussergewöhnlichen Projekt», wie die ETH Zürich gestern mitteilte. Eine Ideenkonkurrenz soll die besten Ansätze für die künftige Entwicklung des Limmattals liefern.

«So etwas gab es noch nie»

Aussergewöhnlich sei das Projekt einerseits aufgrund der diversen involvierten Ebenen, sagt Bernd Scholl, Professor für Raumentwicklung und wissenschaftlicher Leiter des Projekts. Zusammengeschlossen haben sich unter der Projektleitung der Professur für Raumentwicklung der ETH Zürich die Städte und Gemeinden des Limmattals, die Kantone Aargau und Zürich, Baden Regio, die Zürcher Planungsgruppe Limmattal und das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

«So etwas gab es unseres Wissens in der Schweiz, und wahrscheinlich auch darüber hinaus, noch nie», sagt Scholl. Zudem sei auch die lange zeitliche Perspektive des Experiments neuartig: Geplant wird bis zu einem Horizont von 2040 oder gar 2050.

Dass ausgerechnet das Limmattal für dieses neue Planungsverfahren ausgewählt wurde, hat einen einfachen Grund: «Die Region steht vor besonders grossen und komplexen Herausforderungen», sagt Scholl. Das Limmattal sei einerseits stark von Hochleistungsinfrastrukturen geprägt, andererseits auch Lebens- und Arbeitsraum für besonders viele Menschen. «Das macht den Raum einzigartig, bringt aber auch einzigartige Herausforderungen mit sich.»

Umnutzung soll gesteuert werden

Im Rahmen des Projekts, das sich «Perl» nennt – und für Perspektive Raumentwicklung Limmattal steht –, erarbeiten vier Entwurfsteams eine räumliche Gesamtvorstellung, wie sich die Region entwickeln sollte und welche Schritte dazu nötig sind. Die Planungsbüros sind Albert Speer & Partner aus Frankfurt, Astoc Architects and Planners aus Köln, KCAP Architects & Planners aus Zürich und Metron aus Brugg.

Dass das Limmattal schon weitgehend bebaut ist, hindert das Projekt nicht. Es werde vor allem darauf ankommen, den Bestand weiterzuentwickeln, sagt Scholl. Es gehe um eine Umnutzung oder Transformation eines Agglomerationsgebietes zu einem urbanen Raum und auch um die Frage, wo eine weitere Verdichtung sinnvoll sei. Dazu zähle unter anderem die Umnutzung von Industrieanlagen, aber auch die Frage, welche bestehenden Infrastrukturanlagen noch gebraucht würden. Denn vielleicht werde genau diese Fläche nötig für neue Nutzungen. «Es geht wirklich um die Steuerung dieses Umbaus», so Scholl.

Die vier Teams werden stark gefordert: Sie müssen von den räumlichen Gegebenheiten des Limmattals ausgehen und gleichzeitig versuchen, auf die Entwicklungen der nächsten 40 Jahre vorauszublicken. Besonders berücksichtigen sollen sie dabei fünf Schlüsselthemen: die massive Siedlungsentwicklung, der zunehmende regionale Verkehr, der nationale Hochleistungsverkehr, die Landschaftsräume und die Lebensqualität der Menschen, die im Limmattal leben und arbeiten.

Nicht für die Schublade gedacht

Aus den von den vier Teams erarbeiteten Lösungen soll im Rahmen der Ideenkonkurrenz aber nicht wie bei einem klassischen Wettbewerb ein einzelner Sieger erkoren werden. Vielmehr werden die besten Vorschläge zusammengeführt. Die Empfehlungen werden zunächst der Politik präsentiert und dann, Ende 2013, der Öffentlichkeit.

Wichtig ist den Initianten des Projekts, dass die erarbeiteten Ideen nicht in der Schublade landen. Damit sie umgesetzt werden können, habe man grossen Wert darauf gelegt, dass «eine ganze Reihe von wesentlichen Akteuren» beteiligt sei, sagt Scholl. Gemeinden, Kantone und Bund hätten zudem ein Interesse an der Realisation des Konzepts, da sie das Projekt auch finanzierten.

Lösungen über alle Grenzen hinweg

Bereits heute gibt es diverse Konzepte, die sich mit der Entwicklung des Limmattals beschäftigen: Dazu gehören nebst Verkehrskonzepten kantonale Richtpläne, zwei Agglomerationsprogramme oder das regionale Raumordnungskonzept. Trotzdem sei das neue Projekt aus Sicht aller Beteiligten nötig, betont Scholl: Es brauche eine Langfristperspektive, die einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren umfasst. «Alle bestehenden Konzepte sind entweder zeitlich oder räumlich limitiert. Das Limmattal macht aber nicht an irgendwelchen Grenzen Halt.» Es gehe darum, über alle Grenzen und Disziplinen hinweg für den gesamten Raum Limmattal langfristige Lösungen zu finden.

Eine isolierte Planung mache keinen Sinn, betont Scholl. Schliesslich stünden die verschiedenen Bereiche des Limmattals in einer Wechselwirkung zueinander: «Jede neue Siedlung, jede Umzonung, egal ob in Wettingen oder Baden, hat Folgen auch für Dietikon und Schlieren.»

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