Gebenstorf
Platz für 1000 Zuschauer: Die Guggenmusik steht vor einem Quantensprung

Die Häxeschränzer feiern ihr 35-jähriges Bestehen mit einem erstmaligen Auftritt in der grossen Mehrzweckhalle Brühl. Der Schritt ist nur ein Beispiel für die steigende Professionalität der Guggenmusiker.

Jérôme Jacky
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Beat Widmer (l.) und David Hug im Probekeller der Häxeschränzer. JJA

Beat Widmer (l.) und David Hug im Probekeller der Häxeschränzer. JJA

Wenn am kommenden Samstag die Häxebocknacht über die Bühne geht, wird das für die Guggenmusik in vielerlei Hinsicht speziell sein: Nebst dem 35-Jahr-Jubiläum, das die Formation in diesem Jahr feiert, findet die Festnacht zum ersten Mal in der Mehrzweckhalle Brühl statt.

«Der Wechsel in die neue Location bedeutet für uns einen Quantensprung», sagt David Hug, Vorstandsmitglied der Häxeschränzer. Während bisher mit 500 Besucher gerechnet wurde, bietet die neue Halle Platz für bis zu 1000 Personen.

«Das ist ein Sprung ins Ungewisse für uns. Wir versuchen aber, die Halle so heimelig zu gestalten wie bis anhin», sagt Hug. Für Stimmung sorgen nächsten Samstag über acht Guggenformationen, eine siebenköpfige Unterhaltungsband und ein DJ für die jüngeren Besucher.

Das sei ein Markenzeichen der Häxebocknacht: «Wir organisieren ein Fest für Jung und Alt», meint Hug.

Steigende Professionalität

Vor 35 Jahren wären solch grosse Anlässe kaum vorstellbar gewesen. Einem Protokoll aus dem Jahr 1986 ist zu entnehmen, dass die Formationen während der Fasnachtszeit durch die Restaurants in Gebenstorf zogen und am Umzug im Dorf teilnahmen.

«Man wusste nicht, was jeweils passieren würde. Früher gab es noch keinen Tourmanager», sagt Beat Widmer, der seit 32 Jahren aktiv bei den Häxeschränzer mitspielt und in diesem Jahr seine letzte Fasnacht als Aktivmitglied in Angriff nimmt.

In den 35 Jahren habe sich viel verändert, stellt Widmer fest: «Heute ist alles viel professioneller.» So proben die Musiker zuerst nach Noten, die für die Auftritte aber auswendig gelernt werden müssen.

Früher sei das nicht der Fall gewesen, was sich auch in der Klangqualität abgezeichnet habe. Auch die Songauswahl habe sich stark verändert: «Früher spielten wir hauptsächlich Schunkellieder und Gassenhauer.

Heute werden hauptsächlich aktuelle Hits gespielt.» Ein wenig bedauert Widmer diese Entwicklung: «Es gäbe Gassenhauer, die auch noch heute beim Publikum gut ankommen würden.»

Mit der Zeit kam auch der Erfolg: Mitte der 80er-Jahre durfte die Guggenmusik ein erstes Mal an den Umzügen in Baden und Brugg teilnehmen. «Mein persönliches Highlight ist aber die erste Teilnahme am Wildsauball in Birmenstorf, der damals zu den angesehensten Bällen der Region gehörte», erzählt Widmer.

Später kamen überregionale Auftritte und Engagements im Ausland dazu. Seit die Formation einmal in Trier an der Mosel auftrat, wird sie nun jedes zweite Jahr eingeladen. Heute zählt die Formation über 40 aktive Musiker, die Hälfte davon Frauen.

Nach 32 Jahren, davon 16 Jahren im Vorstand (4 Jahre als Präsident), verlässt Beat Widmer nach dieser Saison die Häxeschränzer als Aktivmitglied. «Man muss dann aufhören, wenn es Spass macht.» Trotzdem wird ihm das Spielen in der Formation fehlen: «Ein solches Hobby kannst du durch nichts ersetzen.»

Häxebocknacht 25. Januar, ab 20 Uhr in der Merzweckhalle Brühl, Gebenstorf.