Künstlerinnen
Poesie im Kunstraum Baden: «Das japanische Zimmer» und Lotte Reiniger

Die städtische Galerie zeigt die Werke zweier Künstlerinnen, die viel Feingefühl und ein Faible für den Fernen Osten verbindet.

Andreas Fahrländer
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Milena Seilers Werke sind ab Ende August in Baden zu sehen.

Milena Seilers Werke sind ab Ende August in Baden zu sehen.

Alex Spichale

Sie ist eine stille Malerin, deren Bilder immer wieder in der «Auswahl» in der Weihnachtszeit im Aargauer Kunsthaus zu sehen sind: Milena Seiler, die 1971 in Berlin geboren wurde und seit vielen Jahren in Ennetbaden lebt. «Mit ihrer ersten Einzelausstellung bei uns erhält sie nun endlich die verdiente Aufmerksamkeit», sagt Claudia Spinelli, Leiterin des Badener Kunstraums.

Seilers Malerei sei durchdrungen von der Welt, in der sie lebt: die Stadt, die Züge im Bahnhof, die Menschen im Bus, der Pianist am Flügel, Bilder in den Medien. Und immer wieder Japan, das sie von vielen Besuchen kennt. Im Zentrum der Ausstellung steht der titelgebende Zyklus «Das japanische Zimmer».

Grossformatige Bilder, beeindruckende Motive

Milena Seiler malt im Atelier in der Spinnerei auf der Wettinger Klosterhalbinsel. Sie hat in Frankfurt, Rom und in Genf Kunstgeschichte, Italienisch und Philosophie studiert und ein Diplom der Hochschule der Künste in Bern. «Farbe trifft bei ihr auf nasse Leinwände, Formen und Konturen zerfliessen, schwarze Tusche und collagierte Elemente setzen Akzente», erklärt Claudia Spinelli. «Seilers meist grossformatigen Arbeiten ist anzusehen, dass sie auf dem Boden bei vollem Körpereinsatz entstanden sind. Aus der Hand einer Künstlerin, die nicht die Übersicht sucht, sondern sich ihren Motiven aussetzt.»

Die vergessene Pionierin des Trickfilms

Zusätzlich zu Seilers Bildern zeigt der Kunstraum eine kleine, aber buchstäblich feine Ausstellung zur Silhouettenkünstlerin Lotte Reiniger (1899-1981). Die Berlinerin war eine Pionierin des Trickfilms. Mit «Prinz Achmed» schuf sie 1926 den ersten längeren Animationsfilm überhaupt und kam damit Walt Disney zuvor. Sie gestaltete zahlreiche «Silhouettenfilme» und Scherenschnitte, vor allem nach Märchen- und Opernmotiven, oft vom fernöstlichen Schattenspiel inspiriert. Während Disney weltberühmt wurde, geriet Lotte Reiniger in Vergessenheit. Der Kunstraum zeigt jetzt – pünktlich zum Start des Animationsfilmfestivals Fantoche – Reinigers Film «Papageno» von 1935 sowie Originale aus ihrer Werkstatt. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Tübingen. Während des Fantoche hat der Kunstraum bis spätabends geöffnet. Die Vernissage für beide Ausstellungen findet am nächsten Freitag statt, coronakonform an der frischen Luft im Innenhof an der Haselstrasse 15. Für den gefahrlosen Besuch der Ausstellungen hat der Kunstraum ein Sicherheitskonzept erarbeitet.

Kunstraum Baden

«Das japanische Zimmer» und Lotte Reiniger, vom 29.8. bis zum 25.10.2020, Eintritt frei.