Im Garten der Villa Langmatt fand auch dieses Jahr wieder die 1. Augustfeier der etwas anderen Art statt. „Poeten zur Lage der Nation“ nennt sich die Alternative zu den offiziellen Feierlichkeiten auf dem Theaterplatz, die der Badener Autor und Spoken-Word-Künstler Simon Libsig bereits zum elften Mal auf die Beine stellte und an der jeweils verschiedene Storyteller, Dichter, Slam-Grössen und Wortmenschen ihre Sicht zur Lage der Nation präsentieren.

Jenseits gravitätischer Politiker-Reden, Rütlischwur-Heraufbeschwörer und Nationalhymnen-Gesang steht hier die Freude am Spiel mit der Sprache und dem Geschichten-Erzählen im Zentrum. „Für die Redner und Darsteller gibt es keine Vorgaben. Die Texte müssen nicht politisch sein, im Vordergrund steht das Erzählen von Geschichten, die mit uns und unserem Leben hier zu tun haben“, erklärt Simon Libsig.

Was 2001 auf dem „Sonnendeck“ – dem heutigen Triebguet – seinen Anfang nahm, hat sich mittlerweile zu einem Anlass gemausert, an dem an diesem regnerisch-durchzogenen Tag genau 500 Menschen, darunter zahlreiche Familien, zusammenfanden. Die Darbietungen der hiesigen vier Wortkünstler zeichneten sich durch viel Sprachwitz und Freude am Schweizer Dialekt und seinen Idiomen aus.

Schweizerdeutsche Lieblingswörter

Simon Libsig machte trotz einsetzendem Gewitter, Regen und sich langsam auflösendem Manuskript den Anfang mit seinen schweizerdeutschen Lieblingswörtern. Auf Berndeutsch ging es mit dem Kabarettist Hans Jürg Zingg weiter, der aktuelle Weltpolitik mit karikiertem Bünzlitum kontrastierte.

Selbst Musiker Nico Schulthess liess es sich nicht nehmen und sang auf Mundart – eine ganz neue Erfahrung für den sonst auf Englisch schreibenden und singenden Sänger von Al Pride – von seiner persönlichen Beziehung zum 1. August. Zum Biegen komisch waren die Darbietungen des letztjährigen Poetry-Slam-Schweizermeisters Remo Zumstein: Er machte sich auf köstliche Weise über die (eigene) schweizerische Überheblichkeit zur Mehrsprachigkeit lustig, indem er sich als holländischkundig ausgab und jeden Satz von der Sprache des ‚Käsenlanden‘ ins plötzlich allzu verständliche „Niederländische“ übersetzte.

Vor und nach den humorvollen, musikalischen und poetischen Wir-Erzählungen, war für die Besucher bei Bar und Grill und DJ noch weiter Zeit zum Verweilen und Austausch eigener Geschichten, die das „Leben bei uns“ so schreibt.