Baden
Poetry Slam: «Jeder soll seine Meinung sagen dürfen»

Beim Poetry Slam ist alles erlaubt. Zu gewinnen gibt es für den besten Slammer eine Flasche Whisky. Studentin Muriel Peterhans erzählt vom Werdegang des Poetry Slams im Nordportal.

Samuel Weissmann
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Wenn Poeten mit Worten um die Wette duellieren, wird kein Blatt vor den Mund genommen. Am 15. Januar findet im Badener Nordportal ein Poetry Slam statt. Bisher waren die Slams im Fjord; dieses Mal ist er in der Konzerthalle. Muriel Peterhans organisiert das Event zum dritten Mal. Die 22-Jährige aus Schinznach-Dorf studiert im ersten Semester Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Uni Zürich und arbeitet als Presseverantwortliche für das Nordportal in Baden.

Frau Peterhans, bisher fand der Poetry Slam im Fjord statt, dem kleineren Lokal des Nordportals. Zieht der Anlass so viele Leute an, dass er in die grosse Halle verlegt wird?

Muriel Peterhans: Ja, die ersten beiden Slams waren ein voller Erfolg. Wir hatten beim ersten Mal über
180 Besucher. Die Letzten, die kamen, mussten keinen Eintritt mehr zahlen, weil das Lokal so voll war. Sie konnten gerade noch durch den Türrahmen spähen. Nach dem zweiten Slam am 14. Oktober 2010 war klar, dass der nächste in der Halle stattfinden würde.

Wie kam es dazu, dass Sie Poetry Slams im Nordportal organisieren?

Meine erste Begegnung mit dem Poetry Slam hatte ich an einem Schulausflug. Wir gingen mit der Kanti-Klasse in den Schiffbau nach Zürich und seither bin ich begeistert davon. Als ich nach Abschluss der Kantonsschule ein Praktikum im Nordportal machte, kam mir die Idee, einen Poetry Slam zu organisieren. Ich erzählte Patrick Wernli, dem Leiter des Nordportals, davon und er räumte mir
einen Termin am 1. April 2010 ein.

Wie haben Sie den Anlass auf die Beine gestellt?

Ich wollte vor allem junge Slam-Poeten unter 25 Jahren fördern. Dafür wandte ich mich an Simon Libsig, der bereits viel Erfahrung und Kontakte hat. Er vermittelte mir Simon Chen. Chen, langjähriger Slam-Poet aus Zürich, war begeistert von der Idee. Mit seiner Hilfe hatte ich schnell acht Künstler gefunden. Chen ist seither immer dabei und moderiert das Programm. Er ist der rote Faden an unseren Slams.

Wie läuft so ein Slam bei Ihnen ab?

Der Abend beginnt mit der Einleitung des Moderators, Simon Chen. Er gibt sieben Personen im Publikum Schilder mit Zahlen von eins bis zehn. Diese sieben Personen bilden die Jury und bewerten damit die einzelnen Vorträge. Die «10» ist die Höchstnote. Chen erklärt die Regeln und präsentiert einen Opfertext, bevor die Künstler auftreten.

Einen Opfertext?

Ja, als Moderator nimmt er selbst nicht teil. Aber er opfert sozusagen einen seiner eigenen Texte, damit das Publikum weiss, was es erwartet. Das ist wie eine Aufwärmübung.

Und wie gehts weiter?

Zuerst präsentieren alle Slam-Poeten einen ihrer Texte. Dafür haben sie jeweils sechs Minuten Zeit. Die vier Besten kommen eine Runde weiter. In jeder Runde wird wieder ein eigener Text vorgetragen. Die beiden Besten kommen ins Final. Der Sieger wird per Applaus bestimmt.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Slam-Poeten aus?

Ein guter Slam-Poet ist abwechslungsreich in seinen Texten. Mal sind sie ernst, mal witzig oder traurig. Andererseits soll er auch einen ausgeprägten Stil haben. Wie wenn man ein Radio einschaltet und den Sänger an seiner Stimme erkennt. Ein Slam-Poet muss überzeugen und hinter dem stehen, was er sagt.

Ist denn ein Sieger an so einem Slam auch automatisch der beste Poet?

Das hängt von der Bewertung des Publikums ab. Es sind immer subjektive Meinungen, deshalb ist es nicht zwingend, dass der Beste gewinnt. Das ist auch nicht so wichtig.

Was ist dann wichtig?

Die Stimmung im Raum. Die Begeisterung für die Poeten. Die Zuschauer sollen erkennen, dass Poesie auch in modernen Zeiten funktioniert. Es ist schön, wenn die Sprachkunst weitergeführt wird.

Hat ein Poet auch mal eine richtig schlechte Note erhalten?

Ja, einmal erhielt ein Slamer eine «Drei» für seinen Text. Viele Zuschauer reagierten entrüstet. Es ist zwar hart für den Poeten, aber das muss auch erlaubt sein. Jeder soll seine Meinung ungeniert sagen dürfen.

In der Halle wird für 250 Gäste bestuhlt sein. Glauben Sie, die Stimmung wird anders als im kleineren Lokal, dem Fjord?

Das kann sein. Einige Leute äusserten sich kritisch, denn die Stimmung im Fjord war wirklich gut. Es ist ein sehr familiärer und gemütlicher Ort, auch für die Slamer. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum ist da klein. Vielleicht geht diese Stimmung in der Halle etwas verloren.

Sind Sie trotzdem zuversichtlich, dass die Halle gefüllt wird?

Das ist eine schwierige Frage. Ich kann es zumindest hoffen. Sagen wir es schneit und ist kalt, dann kommen vielleicht nicht so viele. So läuft das in dem Business. Es ist ein Experiment. Ich möchte einfach mehr Leute anlocken. Ob es klappt, werden wir dann sehen.

Und wie locken Sie die Leute an?

Nun, ich habe die Aufstellung der Künstler geändert und auch Grössen aus Deutschland engagiert. Darunter sind zum Beispiel Nico Semsrott und Bleu Broode. Aber auch bekannte Slamer aus der Schweiz wie Kilian Ziegler aus Trimbach (SO) und Patti Basler aus Baden werden wieder dabei sein. Es werden also bekannte und auch neue Gesichter zu sehen sein. Damit bleibe ich meiner Grundlinie treu. Sie wird bloss erweitert für das grössere Event am 15. Januar.

Der Poetry Slam findet am 15. Januar im Nordportal in Baden statt. Türöffnung ist um 19.30 Uhr. Der Slam beginnt um 20.30 Uhr.