Baden/Zofingen

Pokémon werden politisch – wie die Juso «bürgerliche Abbaumonster» jagt

Die Juso plant eine Pokémon-Aktion

Die Juso plant eine Pokémon-Aktion

Das Pokémon-Fieber steckt auch die Politiker an. Die Juso sieht in dem Hype um das Spiel eine Chance und geht mithilfe von Pokémon Go auf Wählerjagd. Im Visier: Bürgerliche Politiker auf Sparkurs.

Wie kommt die Juso auf die Idee Pokémon und Politik miteinander zu verbinden? Mia Gujer und Sascha Antenen sind beide leidenschaftliche Pokémon-Jäger. Bei der Suche nach den Tierchen hatten sie den Einfall, dass das Spiel eine gute Möglichkeit darstellt, um mit potentiellen Wählern in Kontakt zu treten. «Der Hype um Pokémon Go ist ideal, um möglichst viele Leute persönlich zu erreichen. Genau das machen wir uns zunutze», sagt Mia Gujer, Präsidentin der Juso Aargau.

JUSO nutzt Kult-Game für Wahlkampf

JUSO nutzt Kult-Game für Wahlkampf

Pokémon Go zieht viele Leute richtig in den Bann. Die Jungsozialisten wollen den Hype um das Trend-Game nutzen um neue Wähler zu gewinnen.

Durch das Spiel komme man an den verschiedensten Orten mit Menschen in Kontakt. «Pokémon Go ermöglicht uns jungen Leute zu treffen, die politisch vielleicht nicht so interessiert sind. Das ist eine super Chance für die Juso», so Gujer.

Das bürgerliche Pokémon muss weg

Die Aktion habe zum Ziel ein ganz spezielles Pokémon, auch bekannt als «bürgerliches Abbaumonster», einzufangen und wegzuschicken. Genau das mache man nämlich mit Pokémon, die man nicht mehr brauche. Das bürgerliche Pokémon ziert provokativ die Köpfe von CVP-Grossrätin Marianne Binder, FDP-Nationalrat Matthias Jauslin und SVP-Nationalrat Andreas Glarner. «Wir haben Vertreter jener Parteien ausgewählt, die wir für den Leistungsabbau im Kanton Aargau verantwortlich machen», begründet Gujer die Auswahl.

Das «bürgerliche Abbaumonster» bestehend aus Straussenkörper und den Gesichtern von Marianne Binder, Matthias Jauslin und Andreas Glarner

Das «bürgerliche Abbaumonster» bestehend aus Straussenkörper und den Gesichtern von Marianne Binder, Matthias Jauslin und Andreas Glarner

Das «bürgerliche Abbaumonster» soll bei den Grossratswahlen am 23. Oktober weggeschickt werden, denn durch seine gefährliche Überzahl sei es eine Bedrohung für die Zukunft, heisst es auf dem Flyer. Mithilfe der Stimmen aus der Pokémon-Community hoffen die Pokémon-Jäger Mia Gujer aus dem Bezirk Baden und Sascha Antenen aus dem Bezirk Zofingen das Abbaumonster zu beseitigen. «Die bürgerliche Mehrheit soll geschwächt werden», verkündet Gujer.

Pokémon und Jäger anlocken

Die Wahlaktion findet heute Freitag und am Samstag in Baden und Zofingen statt. An Orten mit zwei bis drei Pokéstops –Orte, an denen sich die Spieler ausrüsten – in Reichweite wird die Juso sogenannte Lockmodule platzieren. Ein Lockmodul ist ein kostenpflichtiges Tool und lockt 30 Minuten lang Pokémon und somit auch deren Jäger zu einem Pokéstop. 

Juso-Aktion

Juso-Aktion

Mia Gujer erklärt: «Wir hoffen, dass sich wegen dem Lockmodul besonders viele Spieler zum Stand begeben.» Mit einem Schild wolle die Juso darauf hinweisen, dass die Lockmodule von ihnen gesponsert wurden. Ausserdem werden die Gamer in der Pokémon-Arena mit Flyern dazu aufgefordert, auch in der politischen Arena mitzumischen.

Nicht das erste Mal

Die Juso überrascht immer wieder mit kreativen und meist provokativen Wahlaktionen. Letztes prominentes Bespiel ist die geplante Rosenhecke um Oberwil-Lieli vom letzten Mai. Entlang der 12 Kilometer langen Dorfgrenze sollten Rosenstöcke gepflanzt werden, um SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner und die Oberwiler aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.

Die Juso reagierte damit auf den Entscheid des Oberwiler Stimmvolks, keine Flüchtlinge im Dorf aufzunehmen und die Aussage Glarners, die Schweiz mit einem Stacheldrahtzaun zu umzäumen. Allerdings scheiterte die Crowdfunding-Aktion aufgrund mangelnder Spenden.

Rosenhecke für Oberwil-Lieli: Das Video zur Juso-Kampagne.

Rosenhecke für Oberwil-Lieli: Das Video zur Juso-Kampagne.

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