Limmattalbahn
Politiker in Killwangen und Spreitenbach lassen sich von Dietiker Nein nicht beirren

Das Zürcher Stimmvolk sagte zwar Ja zur Limmattalbahn, ausgerechnet Dietikon aber war dagegen. Killwangen und Spreitenbach plädieren für mehr Aufklärungsarbeit und Transparenz.

Sabina Galbiati
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Für Killwangen wird die Limmattalbahn erst richtig spannend, wenn die Erweiterung Richtung Baden und Wettingen ansteht. Architron

Für Killwangen wird die Limmattalbahn erst richtig spannend, wenn die Erweiterung Richtung Baden und Wettingen ansteht. Architron

Die Limmattalbahn kommt. Der Kanton Zürich hat mit 64,5 Prozent klar Ja gesagt. Doch ausgerechnet der Bezirk Dietikon hat den 755-Millionen-Franken-Bau mit 54,1 Prozent bachabgeschickt. Insbesondere die beiden Standortgemeinden Dietikon und Schlieren scheren beim Nein-Stimmen-Anteil obenaus: 57,3 Prozent der Schlieremer und satte 64 Prozent der Dietiker Stimmbürger lehnten das Projekt ab. Die Gegner werfen den Behörden vor, an der Bevölkerung vorbeipolitisiert zu haben.

Valentin Schmid, Gemeindepräsident von Spreitenbach: «Wenn die Bahn erst mal fünf Jahre fährt, werden sie selbst die heutigen Gegner nicht mehr abschaffen wollen.»

Valentin Schmid, Gemeindepräsident von Spreitenbach: «Wenn die Bahn erst mal fünf Jahre fährt, werden sie selbst die heutigen Gegner nicht mehr abschaffen wollen.»

DM

Die Befürworter des Projekts hatten mit Ablehnung im Dietiker Bezirk gerechnet. Doch ein so deutliches Nein hatten sie nicht erwartet. Der Spreitenbacher Gemeindepräsident und Befürworter der Limmattalbahn Valentin Schmid (FDP) hat die Abstimmung im Zürcher Medienzentrum Walcheturm zusammen mit seinen Amtskollegen aus Dietikon und Schlieren verfolgt. «Es war früh klar, dass die Zürcher den Kredit annehmen würden», sagt er.

Doch er habe vermutet, dass es in Dietikon eng werden könnte. Vom letztlich deutlichen Nein lässt sich der Spreitenbacher Gemeindepräsident nicht verunsichern. Man müsse sehen, dass Spreitenbach eine ganz andere Ausgangslage habe als die Zürcher Gemeinden. «Die Limmattalbahn ist in unseren anstehenden Grossbauprojekten wie der Überbauung Sandäcker mit 200 Wohnungen und dem Multiplexkino sowie der Überbauung HGO mit 400 Wohnungen voll integriert.» Auch habe Spreitenbach im Vergleich zu anderen Gemeinden komfortablere Platzverhältnisse auf den Strassen.

«Sehr präsent, laut und polemisch»

In Spreitenbach sei denn auch weniger die Frage nach dem «Ob», als viel mehr jene nach dem «Wo» zentral. Für Diskussionen sorgte in der Vergangenheit nämlich die Linienführung durch Spreitenbach. «Letztlich konnten wir zeigen, dass die Stadtbahn die neuen Wohngebiete erschliessen muss, denn bis auf die südöstlichen Gebiete Seefeld und Halde sind die übrigen Quartiere mit Bussen gut erschlossen.»

Zwar wird es im Aargau keine Abstimmung zur Bahn mehr geben, weil der Grosse Rat am 5. Mai das Projekt fast einstimmig angenommen hat und das Referendum nicht ergriffen wurde. Dennoch kann Schmid nach der klar negativen Botschaft aus dem Zürcher Limmattal nicht mehr schlüssig sagen, ob die Spreitenbacher mit einer Mehrheit hinter der Stadtbahn stehen würden. «Sicher gibt es auch in Spreitenbach Einwohner, die das Projekt ablehnen.» Schmid hat den Abstimmungskampf aufmerksam verfolgt.

Walter Hubmann (parteilos), Vizeammann Killwangen und Leiter des Ressorts öV: «Der Anschluss an Baden und Wettingen ist für uns viel wichtiger.»

Walter Hubmann (parteilos), Vizeammann Killwangen und Leiter des Ressorts öV: «Der Anschluss an Baden und Wettingen ist für uns viel wichtiger.»

Walter Schwager

«Das gegnerische Komitee war sehr früh sehr präsent, laut und polemisch», fasst Schmid die Kampagne des Komitees «Masslose Limmattalbahn Nein» zusammen. Er hätte sich vom Pro-Komitee ein früheres Engagement gewünscht und mehr Aufklärungsarbeit. «Diese wird es nun umso dringender brauchen.» Für Spreitenbach mit seinen Grossbauprojekten werde es primär darum gehen, die Neuzuzüger vom MIV auf den öV zu bringen. Schmid ist überzeugt: «Wenn die Bahn erst mal fünf Jahre fährt, werden sie selbst die heutigen Gegner nicht mehr abschaffen wollen.»

Der Killwanger Vizeammann Walter Hubmann (parteilos) leitet das Ressort öV und ist seitens Gemeinde zuständig für das Projekt Limmattalbahn. Er glaubt nicht, dass die Behörden angesichts des Abstimmungsresultates an der Bevölkerung vorbeipolitisiert haben, wie die Bahngegner sagen. Sondern: «Es ist viel schwieriger, die Bevölkerung von visionären Projekten zu überzeugen, und dagegen sehr einfach, Gegenargumente zu streuen, die bei genauer Betrachtung nicht standhalten».

Hubmann hat mit vielen Killwangern gesprochen. «Momentan interessiert sich die Bevölkerung noch nicht sonderlich für das Bahnprojekt, weil es die Verkehrssituation im Dorf kaum verändern wird.» Deshalb habe er aus den Gesprächen kaum eine ablehnende Haltung wahrgenommen, sagt Hubmann. Das Interesse dürfte wachsen, wenn es dereinst darum geht, die Limmattalbahn nach Baden beziehungsweise Wettingen weiterzuziehen. «Dieser Anschluss ist für unsere Gemeinde viel wichtiger». Dann müsse die Bevölkerung transparent und proaktiv informiert werden.

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