Baden/Neuenhof
Polizei rückte nach Spitalhinweis aus

Familienvater Marcel Beck aus Neuenhof brachte seine Tochter in den Spital, weil sie Bauchschmerzen hatte. Weil er laut einer Ärztin nach Alkohol roch, tauchte zu Hause die Polizei auf. Das stösst ihm sauer auf.

Tabea Baumgartner
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Ein Alkoholtest kann auch zu Hause erfolgen (Symbolbild)

Ein Alkoholtest kann auch zu Hause erfolgen (Symbolbild)

Seinen Feierabend hat sich Marcel Beck aus Neuenhof anders vorgestellt: Weil seine Tochter starke Bauchschmerzen hatte, fuhr er letzte Woche notfallmässig ins Kantonsspital Baden (KSB). In der Kinderabteilung wurde Becks Tochter befragt. Als sie rund zwei Stunden später wieder zu Hause waren, tauchte die Polizei auf und machte mit Beck einen Alkoholtest. «Ich hätte nach Angaben einer Ärztin des KSB stark nach Alkohol gerochen», erzählt Beck, der nach der Arbeit zwei Stangen getrunken hat. «Das Resultat war 0,00 Promille.»

«Mit einer solchen Kontrolle habe ich überhaupt nicht gerechnet», sagt Beck; im Spital wurde er nicht auf den Alkoholgeruch angesprochen. Die Art und Weise, dass das Spital erst im Nachhinein die Polizei verständigte, stösst ihm sauer auf: «Ich habe das als reine Schikane erlebt.»

Alkoholgeruch zu spät bemerkt

Der Chefarzt der Kinderklinik, Markus Wopmann, bestätigt, dass mehreren Beteiligten aufgefallen sei, dass Beck merkwürdig gerochen habe. Verhaltensmässig sei er aber nicht aufgefallen. «Erst bei der Räumung des Zimmers wurde ein Alkoholgeruch festgestellt», sagt Wopmann. «Man kann den Mann doch nicht so nach Hause fahren lassen», dies die Reaktion einer Pflegerin.

Der leitende Arzt wollte Beck nochmals sprechen, er war aber bereits weg. Via Telefonanruf an die Notfallpforte konnte er nicht mehr erreicht werden. «In diesem Moment war per Zufall jemand an der Pforte mit der Polizei am Telefon und hat dort nachgefragt, was man tun kann, wenn eine vermutlich alkoholisierte Person mit der Tochter im Auto unterwegs ist», erklärt Marco Bellafiore, Mediensprecher des KSB. «Es war eine allgemeine Nachfrage», sagt Bellafiore.

Darauf kam die Kantonspolizei an die Notfallpforte und verlangte Becks Adresse. «Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die nicht hätte sein müssen», betont Bellafiore, «Herr Beck hat sich am selben Abend gemeldet und der leitende Arzt hat sich bei ihm entschuldigt.»

Die Beschwerde von Beck werde bearbeitet, die internen Abläufe überprüft, verspricht Bellafiore. Chefarzt Wopmann betont, dass sich ein Arzt nur im Falle einer akuten Gefährdung des Kindes über das Berufsgeheimnis hinwegsetzen dürfe – in diesem Fall sei die Situation jedoch nicht als gefährdend eingeschätzt worden. «Sie waren ja bereits weg: Meines Erachtens hätte man es dabei belassen sollen», sagt Wopmann.

Wenn eine Gefährdung vorliege, müsse ein Kaderarzt zuerst mit der Begleitperson sprechen; in diesem Fall hätte man Beck darauf ansprechen müssen. Wopmann: «Dass wir diesbezüglich einschreiten müssen, kommt aber äusserst selten vor.»

Die Kantonspolizei nimmt zum konkreten Fall nicht Stellung. «Telefonische Hinweise können für uns jedoch sehr wichtig sein», sagt Mediensprecher Bernhard Graser, beispielsweise wenn jemand im Verkehr unsicher fährt oder vom Wirtshaus direkt ins Auto steigt. Die Polizei fängt die Leute wenn möglich bereits auf der Strasse ab, eine Kontrolle zu Hause sei ebenfalls legitim. Graser betont: «Wir reagieren nach Möglichkeit und im Rahmen der Verhältnismässigkeit auf Hinweise, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.»