Einbrecher

Polizeikommandant nimmt Stellung zu Anschuldigungen von Luzi Stamm

Stephan Reinhardt, Kommandant der Kantonspolizei Aargau.

Stephan Reinhardt, Kommandant der Kantonspolizei Aargau.

SVP-Nationalrat Luzi Stamm kritisierte in der Aargauer Zeitung die Polizei. Er erklärte, die polizeiliche Arbeit sei falsch priorisiert; daher kämen viele Einbrecher davon. Stephan Reinhardt, Kommandant der Kantonspolizei Aargau, nimmt Stellung.

Herr Reinhardt, was sagen Sie zum Vorwurf von Luzi Stamm, die Polizei verteile auf Geheiss des Regierungsrates lieber Bussen, als Einbrecher zu überführen?
Stephan Reinhardt:
Das stimmt nicht. Die Einbruch-Problematik wurde sogar zur Priorität erklärt. Im Bereich der Verkehrssicherheit bezahlt sich unser konsequentes, aber gezieltes Vorgehen aus. Schwere Verkehrssünder werden konsequent angegangen. Wir haben es jedoch nicht auf gestresste Familienmütter oder Handwerker im Feierabendverkehr abgesehen, die etwas zu schnell fahren. Daher gibt es ja auch keine fix installierten Radarmessgeräte im Kanton Aargau. Die Täter des Einbruchdiebstahls bei Herrn Stamm haben wir übrigens überführt.

Dennoch: Die Einbrüche haben zugenommen, die Aufklärungsquote ist enorm tief. Ist die Polizei überfordert?
Die Aufklärungsquote bei den Einbruchdiebstählen ist tatsächlich tief. Das ist unbefriedigend. Ein kleiner Trost ist, dass dies auch in anderen Kantonen der Fall ist. Im Bereich der Einbruchdiebstähle sind wir einerseits mit zunehmend professionellen und vielfach international tätigen Banden konfrontiert, welche gut organisiert sind. Andererseits stellt uns die neue Strafprozessordnung vor zusätzliche Herausforderungen.

Was heisst das konkret?
Die Täter sind heute schwieriger zu überführen, weil sie kaum mehr verwertbare Spuren am Tatort hinterlassen und sehr mobil sind. Oftmals sind an den Verfahren verschiedene Kantone beteiligt. Ferner müssen dem Tatverdächtigen die Beweise innert kürzester Zeit angelastet werden können, damit Aussicht auf die Verfügung einer Untersuchungshaft besteht.

Zwingen Sie diese Umstände nicht zu Massnahmen?
Doch. Zusammen mit unserem Departementsvorsteher im Regierungsrat haben wir bereits vor einem Jahr beschlossen, uns in den nächsten Jahren unter anderem gezielt auf die Aufklärung von Einbruchdiebstählen zu konzentrieren. Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Mittelfristig werden jedoch mehr Polizistinnen und Polizisten eingesetzt und die Zusammenarbeit mit den anderen Kantonen wird intensiviert. Im Polizeikonkordat Nordwestschweiz (AG, BE, BS, BL, SO) werden die Kantone ihre kriminaltechnischen Dienstleistungen gemeinsam akkreditieren lassen.

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