Baden
Polizist war krank und Blitzkasten spinnt – weniger Bussen in Baden

Die Jahresstatistik der Stadtpolizei Baden liegt vor. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Kriminalität sei zurückgegangen und die Autofahrer seien vernünftiger geworden – wohl ein Irrtum.

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
«Ob die Autofahrer tatsächlich vermehrt langsamer gefahren sind, ist ungewiss», sagt der Polizeikommandant. (Symbolbild)

«Ob die Autofahrer tatsächlich vermehrt langsamer gefahren sind, ist ungewiss», sagt der Polizeikommandant. (Symbolbild)

Zur Verfügung gestellt

Im Jahresbericht der Stadtpolizei Baden überraschen einige Zahlen – zum Beispiel die Zahl der Verhaftungen und Festnahmen. Sie hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert. 2012 zählte die Stadtpolizei Baden 105 Festnahmen, 2013 nur noch 60.

Das wirft Fragen auf: Ist die Kriminalität in Baden tatsächlich zurückgegangen? Oder haben die Polizisten der Stadt etwa weniger gut gearbeitet und weniger Kriminelle festnehmen können?

«Weder noch», sagt Martin Brönnimann, Kommandant der Stadtpolizei Baden. «Grund für den Rückgang ist die neue Zählweise der Verhaftungen.» Als Verhaftung gelte nur noch, wenn jemand festgenommen wird, der zuvor zur Fahndung ausgeschrieben war. Werde aber beispielsweise eine Person für fürsorgerische Massnahmen dem Amtsarzt vorgeführt, dann werde diese Festnahme neu nicht mehr in dieser Statistik aufgeführt, sagt Brönnimann.

Eine überraschende Erklärung gibt es auch für den Rückgang der Geschwindigkeitsbussen. 2012 hat die Stadtpolizei 12 690 Schnellfahrer gebüsst, 2013 nur noch 11 477:

«Daraus zu schliessen, die Autofahrer seien auf den Strassen Badens letztes Jahr langsamer gefahren, wäre aber falsch», sagt Brönnimann. «Grund für den Rückgang ist die Tatsache, dass unser Experte für Geschwindigkeitsmessungen längere Zeit krank war.»

Darum habe die Stadtpolizei Baden im letzten Jahr weniger Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt – und auch weniger Bussen verteilt, erklärt Brönnimann. «Ob die Autofahrer tatsächlich vermehrt langsamer gefahren sind, ist ungewiss», sagt der Polizeikommandant.

Auffällig ist auch der starke Rückgang der Bussen, die bei der Schiefen Brücke verteilt wurden – dort gilt ein Fahrverbot, und ein Blitzkasten ist fest installiert. Während 2010 an dieser Stelle noch 4662 Bussen verteilt wurden, sind im vergangenen Jahr nur noch 2374 Verkehrsteilnehmer gebüsst worden.

Auch hier stellt sich die Frage: Warum dieser Rückgang? Ist immer mehr Autofahrern bekannt, dass sie nicht die Schiefe Brücke hinauffahren dürfen? «Vermutlich ist dies der Hauptgrund», sagt Brönnimann. «Aber einen Einfluss auf die Schwankungen der Bussenzahlen könnte auch die Störungen des Blitzkastens haben, der manchmal nicht funktioniert.»

Alles in allem sei das Jahr 2013 in allen Bereichen im rechtlichen und örtlichen Zuständigkeitsgebiet der Stadtpolizei Baden ein äusserst normales, durchschnittliches Jahr gewesen, sagt Brönnimann.

Weniger Straftaten als in Aarau

Neue Zahlen zur Kriminalität in Baden und den anderen Gemeinden des Bezirks hat diese Woche ausserdem das Bundesamt für Statistik (BfS) veröffentlicht. Pro 1000 Einwohner wurden in Baden letztes Jahr 81,8 Straftaten begangen. Zum Vergleich: In Wettingen beträgt der Wert 48,7, den höchsten Wert im Bezirk verzeichnet Spreitenbach (120), den tiefsten Künten (5,5). In der Kantonshauptstadt Aarau sind im vergangenen Jahr gemäss BfS pro 1000 Einwohner 105,8 Straftaten begangen worden.

Aktuelle Nachrichten