Baden
«Post hat eine Chance verpasst»: Ammänner aus dem Bezirk zeigen sich enttäuscht

Zehn Filialen droht im Bezirk die Schliessung – Ammänner sind enttäuscht über Kommunikation der Post.

Stefanie Garcia Lainez und Carla Stampfli
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Die 84-jährige Würenloserin Sonja Vionnet sammelte Ende März innert kürzester Zeit 1605 Unterschriften gegen die Schliessung der Poststelle. az archiv/gal

Die 84-jährige Würenloserin Sonja Vionnet sammelte Ende März innert kürzester Zeit 1605 Unterschriften gegen die Schliessung der Poststelle. az archiv/gal

Sabina Galbiati

32 Post-Filialen droht im Aargau die Schliessung, 10 davon im Bezirk Baden. Nur in Würenlos und in Gebenstorf ist schon länger bekannt, dass die Poststellen auf der Kippe stehen. Am härtesten trifft es Wettingen, mit 20 600 Einwohnern die grösste Gemeinde im Bezirk und die zweitgrösste im Kanton. Hier will der gelbe Riese zwei von drei Filialen schliessen: Die Poststellen an der Seminarstrasse 114 und an der Bahnhofstrasse 92.

Der Gemeinderat nehme den Beschluss erst einmal zur Kenntnis, sagt Ammann Roland Kuster. «Wir werden abwarten, welche Alternativen die Post vorschlägt», sagt er. Danach werde die Exekutive das weitere Vorgehen festlegen. Aus unternehmerischer Sicht verstehe er, dass die Post ihr Angebot überprüfen wolle. Der Gemeindeammann verbirgt aber nicht, dass er von der Kommunikation seitens des gelben Riesen enttäuscht ist: So seien an einer Sitzung des Regionalplanungsverbands Baden Regio – am Tag bevor die Liste mit den betroffenen Filialen publiziert wurde – auch Vertreter der Post anwesend gewesen.

Diese hätten die 26 Gemeindeammänner direkt über konkrete Pläne aufklären können, was jedoch nicht der Fall gewesen sei. «Die Post hat eine gute Chance verpasst, zeit- und stufengerecht zu informieren», sagt Kuster. Dem stimmen Marlène Koller, Gemeindeammann in Untersiggenthal, und ihr Amtskollege in Oberrohrdorf, Kurt Scherer, zu. Beide Gemeinden könnten ihre Filialen verlieren. «Für mich ist diese Art der Kommunikation unprofessionell», sagt Scherrer. Die allfällige Schliessung der Poststelle entspreche alles andere als dem Kundenwunsch, ist er überzeugt.

Dass die Sitzung von Baden Regio und die Pressemitteilung zeitlich so nah aufeinanderfolgten, sei eine unglückliche Terminkollision, sagt Post-Sprecher Markus Werner. Die anwesenden Vertreter hätten zwar erwähnt, dass am Freitag über das Postnetz im Kanton informiert werde, aber nichts Näheres zum Inhalt dieser Mitteilung gesagt. «Wir wollten zuerst die direkt betroffenen Gemeinden und Mitarbeiter darüber orientieren», sagt Werner.

«Agenturen bringen Vorteile mit sich»

In Baden nimmt man den Entscheid der Post gelassener auf. Hier stehen die Filialen in Dättwil und am Cordulaplatz auf der Kippe. «Die Post spricht von einer Überprüfung», sagt Stadtammann Geri Müller, «noch nicht von definitiven Schliessungen». Zudem brächten Alternativen wie Postagenturen auch Vorteile wie längere Öffnungszeiten oder zusätzliche Kunden in den Dorfläden mit sich.

Enttäuscht zeigt man sich in Ehrendingen. Gemeindeschreiber Simon Knecht: «Damit haben wir nicht gerechnet.» Vor allem, da die Filiale an Kundenzulauf und vermutlich auch an Umsatz zulegen konnte, seit jene in Lengnau und Schneisingen geschlossen wurden.» Jetzt komme es darauf an, was die Post in Ehrendingen plane, sagt Knecht. Er persönlich würde den Hausservice bevorzugen, bei dem die Kunden ihre Geschäfte wie Ein- und Auszahlungen oder Briefe und Pakete aufgeben direkt beim Pöstler vor der Türe erledigen können. Er könne aber auch mit einer Postagentur leben, sagt Knecht und ergänzt: «Alles ist besser als nichts.»

In Niederrohrdorf rechnete man damit, was seit Freitag nun Tatsache ist: Die Filiale steht auf der Kippe. Schon ein paar Tage vorher lancierten die Ortsparteien eine Petition. «Jetzt geben wir erst recht Gas mit der der Unterschriftensammlung», sagt SP-Gemeinderat Heinz Jossi. Auch in Würenlos formierte sich Widerstand. Die Petition der 84-jährigen Rentnerin Sonja Vionnet unterschrieben vor knapp zwei Monaten innert kürzester Zeit 1605 Personen.