Baden
Präsidentin Bluesfestival Baden: «Wir haben immer an den Blues geglaubt»

Susanne Slavicek, die Präsidentin des Bluesfestivals Baden, blickt auf 10 Jahre Bluesfestival Baden zurück. Sie sagt im Interview mit der Aargauer Zeitung, wie sich das Bluesfestival weiterentwickeln sollte.

Corinne Rufli
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Susanna Slavicek liebt den Blues

Susanna Slavicek liebt den Blues

Spielen Sie eigentlich ein Instrument, Frau Slavicek?

Susanne Slavicek: Ich hatte mich zuerst mit der Flöte herumgeschlagen ... Und nachdem mein Gitarrenlehrer nach einem halben Jahr fand, ich solle aufhören, habe ich mich auf meine Stärken besonnen. Ich dachte, andere machen irrsinnig gute Musik und ich kann gut organisieren und ein Team motivieren.

Seit zehn Jahren präsidieren Sie das Bluesfestival Baden – sind Sie nicht müde geworden?

Ich bin nicht jemand, der jahrelang dasselbe macht. Das Bluesfestival ist mir aber nie langweilig geworden. Ich spüre eine treibende Kraft nach Verbesserung, nach Qualität, nach neuen Ideen. Unser Team ist gewachsen und kritisch. Das Festival bleibt eine Herausforderung.

Wie hat sich das Festival entwickelt?

Es hat sich viel getan, in den letzten zwei Jahren. Unsere Strategiegruppe hatte für das Festival folgende Phasen ausgearbeitet: Die ersten fünf Jahre sind Euphorie und Begeisterung. Die nächsten fünf Jahre sind für eine Qualitätssteigerung da. Früher als erwartet mussten wir die Diskussion um Quantität führen. Wir merkten, dass es vom zeitlichen Aufwand her, nicht mehr geht. Alle arbeiten unentgeltlich neben ihrem Job. Wir sind an unsere Grenzen gestossen. Im Herbst haben wir uns entschieden, eine Geschäftsleitung einzusetzen.

Sie haben die Geschäftsleitung übernommen. War das von Anfang an klar?

Nein, wir haben darüber diskutiert. Ich will die Geschäftsstelle auch nicht mein Leben lang machen. Ich könnte mir vorstellen, dass nach zwei bis drei Jahren jemand von aussen kommt und die Stelle übernimmt.

Wie soll sich das Festival weiterentwickeln – was sind die Pläne?

Schon vor drei Jahren haben wir uns überlegt, was wir am Jubiläum machen wollen. Wir hatten grosse Ideen, über ein Open-Air dachten wir nach. Wir merkten aber, dass wir keine riesigen Schritte machen wollen, es muss für uns stimmen. Ein Festival bläst sich schnell auf, fällt aber auch schnell wieder in sich zusammen. Das Wichtigste war uns, dass wir bei unserem Blues-Gen bleiben. Das ist unser Herzstück.

Programm 10 Jahre Bluesfestival Baden

Sa, 18. Mai, Warm-up in den Badener Gassen.
Sa, 18. Mai, 20 Uhr, Kurtheater: Philipp Fankhauser mit einer Spezialshow, die so nur in Baden zu sehen sein wird.
Mi, 22. Mai, 12 Uhr, Villa Boveri. Penta-Tonic-Strings feat. Robbie Fleming & Friends.
Do, 23. Mai, 18 Uhr, Du Parc. Showcase mit Yvonne Moore.
Fr, 24. Mai, 20 Uhr, Nordportal: Mojo Blues Band (AUT), die europäische Bluesband schlechthin.
Fr, 24. Mai, 22 Uhr, Nordportal: Jaimoe's Jasssz Band (USA). Jai Johanny Johanson und Junior Mack mit Band.
Sa, 25. Mai, 20 Uhr, Nordportal: The Eddie Martin Big Blues Band (GB) feiert den Big Band Blues.
Sa, 25. Mai, 22 Uhr, Nordportal: Heritage Blues Orchestra (USA) gehört zu den grossen Blues-Überraschungen des vergangenen Jahres.
So, 26. Mai, 19 Uhr, Kino Orient, Blues-Movie: «Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen»
Bluesfestival Baden
18. bis 25. Mai. Weitere Konzerte: www.bluesfestival-baden.ch.
www.starticket.ch oder
Info Baden: 056 200 84 84

Purer Blues steht also im Zentrum?

Jein. Wir machen dieses Jahr einen speziellen Anlass mit Philipp Fankhauser. Wenn sich das bewährt, dann wollen wir Mut zeigen, raus zu gehen und auch Crossover zu machen: Literatur und Blues oder Tanz und Blues zusammenbringen. In gewissen Bereichen wollen wir experimenteller werden.

Das Festival wird immer grösser – hat es noch Wachstumspotenzial?

Es ist nicht so, dass wir sagen, wir wollen das Festival nicht vergrössern. Es ist ein organisches Wachstum. Die Blueskidz haben inzwischen neunzehn Abende, an denen sie ihre Songs entwickeln können. Wir fördern sie, damit sie ein kompetentes Auftreten haben. Das öffentliche Warm-up in Baden fand zuerst auf dem Bahnhofplatz statt und jetzt auf dem ganzen Schlossbergplatz. Gegen dieses Wachstum wehren wir uns nicht, wir wägen ab, ob es überhaupt drin liegt. Aber wir wollen das Festival nicht aufblasen. Es hat eine gute Grösse.

Was ist die grosse Herausforderung bei der Organisation des Festivals?

Wir haben uns den Ruf erarbeitet, dass wir Musik-Perlen nach Baden bringen. Es ist eine Herausforderung und eine Gratwanderung, dem gerecht zu werden. Die Suche nach Sponsoren ist auch eine Herausforderung.

Hauptsponsor Coop war ausgestiegen, die NAB hatte übernommen. Steht das Festival finanziell gut da?

Das Bluesfestival steht finanziell akzeptabel da. Wir haben ein kleines Polster, budgetieren konservativ und folgen der Devise: Es wird nichts umgesetzt, was nicht finanziert ist. Es ist zwar jedes Jahr ein Krampf, genug Sponsoren zu finden, doch unsere qualitative Ausrichtung bringt uns Anerkennung und dadurch neue Sponsoren wie die ABB. Auch Stadt und Kanton unterstützen uns sehr. Sie sehen die Bedeutung des Festivals.

Sie haben schon viele Bluesgrössen nach Baden geholt, wie machen Sie das?

Mein Mann und mein Bruder sind für die Musik verantwortlich. Wir arbeiten mit Agenten zusammen, das sind mittlerweile gute Freunde geworden. Sie haben den Spirit des Festivals verstanden. Teilweise haben wir direkte Kontakte zu den Bands. Ich leite ja den Bluus Club Baden, den es seit 1990 gibt, dadurch haben wir ein breites Netz an nationalen und europäischen Musikern schaffen können. Philipp Fankhauser ist schon für den Bluus Club im Inox aufgetreten. Oft empfehlen die Musiker das Festival einander weiter. Wir machen alles, damit sie sich in Baden wohlfühlen.

Streben Sie auch Kooperationen mit anderen Bluesfestivals an, mit Basel oder Luzern?

Man ist in Kontakt, aber das Gärtchendenken gibts in diesem Metier schon. Und jeder machts nach seinem Gusto. Wir sind zusammen im Gremium des Swiss Blues Award. Es gibt einige Unterschiede zwischen diesen Festivals. Luzern hat ein Budget, das wir nie haben werden. Die können ihre Künstler in den USA direkt buchen und mit deren Familien in die Schweiz einladen. Das ist ein Traum, das können wir nicht. Dafür konnten wir einige Blueser zuerst nach Baden bringen. Marquise Knox war in Baden, dann in Luzern. Das Credo anderer Festivals war lange: Nur schwarzer Blues ist guter Blues. Wir sagten schon zu Beginn, dass es guten Blues überall gibt – egal, ob er weiss oder schwarz ist.

Viele Bluesfans suchen ja das Ursprüngliche – den schwarzen Blues. Hindert das neue Strömungen?

Diese Diskussion hatten wir schon oft. Viele glauben, der Blues müsse traditionell sein, aber das ist er auch im Ursprungsland USA nicht. Blues wird mit Funk, Soul oder Rock gemischt. Hans Thessink kam mit Sängern aus Afrika. Unser Publikum kommt, lässt das Neue zu und ist begeistert.

Wo sehen Sie das Bluesfestival Baden im nationalen Musikfestival-Markt?

Ein starkes Zeichen war, dass wir letztes Jahr den Swiss Blues Award bekommen haben. Dieser ist eine Auszeichnung für grosse Verdienste um das Bluesleben der Schweiz. Wir sind kritisch beäugt worden und auf Herz und Nieren geprüft. Nun gehören wir zur gleichen Liga wie Basel und Luzern.

Zur Person

Susanne Slavicek (50) ist seit der ersten Ausgabe des Bluesfestivals Baden 2004 dessen Präsidentin und seit 2012 Geschäftsleiterin in einem 40-Prozent-Pensum. Die ursprüngliche Heilpädagogin hat einen Master in Kulturmanagement und arbeitet Teilzeit in einer Kulturvermittlungsfirma. Sie ist ebenfalls Präsidentin des Bluus Club Baden. Wenn sie einmal nicht den Blues hat, beschäftigt Slavicek sich am liebsten mit ihrem Hund Nelson, mit Kultur, Lesen und Wandern. Ihr Ehemann Robert Amsler ist mit ihrem Bruder Thomas Slavicek für das musikalische Programm verantwortlich. (CRU)

Ist Baden ein guter Boden für Blues?

Ja, Baden ist eine Bluesstadt. Ich kann mir das Festival nirgends sonst vorstellen. Eine Zeit lang hiess es, Blues sterbe aus. Wenn man aber schaut, wie viele Bluesveranstaltungen während des Jahres in der Region stattfinden, kann man wohl sagen, dass das ein Nebenverdienst von uns ist. Denn wir haben immer an den Blues geglaubt. Wir haben uns damit unsere Konkurrenz selber geschaffen.

Blues wurde immer wieder totgesagt. Und doch stirbt er nie. Was ist sein Reiz?

Die heutige populäre Musik hat eine kürzere Lebensdauer, als der Blues. Blues bleibt nicht stehen, er verbindet sich mit anderer Musik. Viele sehr charismatische Menschen machen den Blues lebendig. Blues vereinigt alle Facetten. Er beinhaltet das Positive, das Traurige, das Problematische, er greift Themen aus dem Leben auf. Man findet schnell einen Zugang. Aber man muss den Blues hören, damit man ihm verfällt. Junge Leute sagen dann: Wow, das ist lässig, diese Musiker können spielen. Es gibt immer wieder faszinierende Momente, auch am Bluesfestival Baden: Musiker, die noch nie miteinander gespielt haben, gehen zusammen auf die Bühne und es macht «wusch» und funktioniert. Blues spricht das Herz an und geht rein.

Was ist Ihr persönliches Highlight am kommenden Bluesfestival?

Ich freue mich enorm auf das Fankhauser-Konzert. Er bietet im Kurtheater eine Show, die er sonst nirgends bietet. Er spielt zum Teil unplugged. Ich freue mich auch auf das Heritage Blues Orchestra und auf Eddie Martin. Er war auch schon bei uns. Dazu muss ich eine Anekdote erzählen: Eddie Martin hatte ein Hemd dabei, das total zerknittert war. Mein Mann ging dann nach Hause, holte ein Bügeleisen und glättete sein Rüschenhemd – Eddie Martin und Susan Tedeschi brachten ihm währenddessen ein Ständchen. Ich bin gespannt, ob er sich noch daran erinnert.

Wo holen Sie Ihre Motivation her, immer wieder alles für das Bluesfestival zu geben?

Gehen Sie einmal ans Festival und schauen Sie sich all die Leute an, wie zufrieden sie sind. Das gibt mir wieder genug Energie und Lust für ein weiteres Jahr. Das ist der Moment, in dem wir unseren Lohn abholen. Diese Augenblicke rühren mich sehr.