Niederrohrdorf
Premiere im Aargau: Oberstufe rüstet alle ihre Schüler mit iPad aus

Im Oberstufenzentrum Rohrdorferberg gehören iPads neu zum Alltag: Denn als erste Volksschule im Kanton Aargau schafft sie für alle ihre Schülerinnen und Schüler einen personifizierten iPad an.

Erna Jonsdottir
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Alle Schülerinnen und Schüler erhalten in Niederrohrdorf ein iPad. (Symbolbild)

Alle Schülerinnen und Schüler erhalten in Niederrohrdorf ein iPad. (Symbolbild)

Patricia Schoch

Der Hellraumprojektor ist Geschichte – genauso das Schulheft und das Aufgabenbüechli: Ende August beginnt am Oberstufenzentrum Rohrdorferberg das digitale Zeitalter. Zum ersten Mal im Kanton Aargau rüstet eine Schule die Schülerinnen und Schüler mit personifizierten iPads aus.

Claudia Fischer, «My-Pad»-Projektleiterin der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz, erachtet diesen Schritt als wegweisend. Die 37 Lehrpersonen werden ihren Unterrichtsstoff mittels iPad an die Wandtafel beamen – Dokumente, Hausaufgaben und andere Infos erhalten die Schülerinnen und Schüler per Mail.

Die Zeiten des Papierkrieges und der Ausreden, es gebe keine Hausaufgaben, sind also vorbei. Denn die 303 Schüler dürfen ihr iPad mit nach Hause nehmen. Der Kostenpunkt für die technische Ausstattung der Schule liegt laut Marco Erni, IT-Verantwortlicher, bei rund 300'000 Franken – die angeschafften 350 iPads machen davon rund 170'000 Franken aus.

Planung startete 2012

Das «My-Pad»-Projekt

2011 startete das «My-Pad»-Projekt – mobiles, kooperatives Lernen im Unterricht der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz mit 6 Klassen. Derzeit arbeiten 27 Klassen vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe I am Projekt mit. Laut Projektleiter Jürg Graf sind der Kindergarten Remetschwil, die Oberstufe Neuenhof und das Primarschule Würenlos mit von Partie. Die Projektlehrpersonen besuchen Weiterbildungsnachmittage. Jede Klasse hat während des Schuljahres vier- bis fünfmal für einen Monat ein Set Tablets im Unterricht zur Verfügung, um die Unterrichtseinheiten in der Praxis zu erproben, zu optimieren und Apps zu testen. Schülerinnen und Schüler erwerben Kompetenzen für einen kritischen und adäquaten Umgang mit digitalen Technologien, insbesondere im Internet und im Social Web. Im Projekt wird die Nutzung mobiler Geräte im Unterricht erprobt und evaluiert. Die Ergebnisse sollen den Schulen bei der Entscheidung der Gerätebeschaffung helfen. (ejo)

Wer denkt, die Anschaffung der Geräte sei in einer einzigen Sitzung oder auf Druck des Kantons entschieden worden, liegt falsch. «Der Einsatz von iPads im Unterricht am Oberstufenzentrum ist schon seit 2012 in Planung», sagt Erni. Dabei seien diverse Geräte getestet und im Unterricht an der Kreisschule Rohrdorferberg mit den beiden Standorten Nieder- und Oberrohrdorf eingesetzt worden. Ob Mac oder Windows sei ein Entscheid der Lehrpersonen gewesen. «Das 37-köpfige Team hat bereits diverse Kurse hinter sich und ist gerüstet, wenn Ende August auf den Unterricht mit iPad umgestellt wird», erklärt Erni. «Das heisst jedoch nicht, dass alles sofort klappen muss, das erste Jahr ist ein Probejahr mit Entwicklungspotenzial», betont er.

Kugelschreiber entfällt

Erni und Brändli sehen in der digitalen Umstellung nur Vorteile für Lehrpersonen und Schüler: Mit dem Zugriff aufs Internet im Schulzimmer entstehen viele neue Unterrichts-Möglichkeiten, zum Beispiel mittels Lern-Apps. Das mühsame Kopieren von Unterlagen fällt weg. Die Lehrperson kann mit ihren Schülern digital kommunizieren und Aufgaben sowie Unterrichtsmaterial per Mail schicken.

Ob die Aufgaben digital gelöst werden, ist laut Brändli eine Frage des Fachs und des Lehrers. Längere Arbeiten könnten mühsam werden – eine Tastatur zum iPad erhalten die Schüler nicht. Ein Nachteil? «Nein», sagen Brändli und Erni: «Aufsätze und Bewerbungen können die Schüler in der Mediothek schreiben. Dort gibt es 24 iMacs.» Weiter stünden MacBooks als Klassensatz zur Verfügung.

Praktisch ist, dass der Schüler Praxisbeispiele an der Wandtafel fotografieren darf. Diese Methode geht nicht nur schneller als aufschreiben, sie ist auch fehlerfrei. Wie aber soll verhindert werden, dass während des Unterrichts gesurft wird? Brändli betont: «Die Geräte werden nicht für den Medienkonsum eingesetzt, sondern für die Medienproduktion.» Konkret: Die Schüler sollen ihre eigene Musik produzieren, ihre Texte aufnehmen und Videos erstellen. Firewalls sollen die Kinder vor Gewalt und Pornografie im Internet schützen.

Zudem können die Lehrpersonen im Unterricht steuern, welche Funktionen benützt werden dürfen und welche nicht. Bei einer Mathe-Prüfung kann der Lehrer zum Beispiel nur den Taschenrechner frei geben und den Internetzugang sperren. Damit nicht rund um die Uhr gesurft wird, soll das W-Lan auf den Geräten sowieso von 22 bis 6 Uhr blockiert sein. «Wir wollen jedoch nicht alles restriktiv mit einem Rotstift behandeln. Die Schüler müssen lernen, mit den Medien umzugehen und Verantwortung für das Gerät zu tragen.» Apropos Verantwortung: Die Schule verfügt über eine Haftpflichtversicherung. Beschädigt ein Schüler das Gerät mutwillig, werden die Eltern für den Selbstbehalt aufkommen müssen.

Einen Nachteil gibt es: Während es für die Primarschule diverse digitale Lehrmittel gibt, hinken die Verlage bei der Oberstufe hinter her. «Unser Ziel ist es, mit digitalen Lehrmitteln und Büchern zu arbeiten. In diesem Sinne sind wir mit der Einführung der iPads vielleicht etwas zu früh dran.»