Baden

Premiere von «Krock & Co.»: Aufs Dreigang-Diner folgt ein Zweifach-Mord

In «Krock & Co.» geht es zuweilen sehr emotional zu und her.

In «Krock & Co.» geht es zuweilen sehr emotional zu und her.

Im Hotel Limmathof bereitet sich «Theater in Baden» auf die Premiere von «Krock & Co.» von Friedrich Glauser vor. Das Publikum erwartet dabei nicht nur die spannenden Aufklärung eines Zweifachmordes, sondern auch ein leckeres Dreigangmenü.

Ein Porträt von General Guisan steht auf dem Boden. In die Wand vom Festsaal im Hotel Limmathof muss noch ein Nagel eingeschlagen werden. Das hat Zeit bis kommenden Freitag, wenn «Theater in Baden» hier Premiere mit «Krock & Co.» feiert.

Da wird Guisans Bild eines von vielen liebevoll ausgewählten Details im 40er-Jahre-Ambiente des Bühnenbilds sein. In jener Zeit handelt der Roman von Friedrich Glauser (1896–1938), der erst am Ende seines Lebens den hoch verdienten Erfolg als Schriftsteller hatte. Dies mit seinen Wachtmeister-Studer-Krimis.

«Krock & Co.» war Studers vierter Fall, entstanden 1937. Elf Jahre später hatte Peter Lotar den Roman als Volksstück in fünf Akten für die Bühne adaptiert. Der Autor und Schauspieler Lotar, in Prag aufgewachsen, war 1939 in die Schweiz geflüchtet und hatte von 1965 bis zu seinem Tod 1986 in Ennetbaden gelebt. 1948 war «Krock & Co.» mit Heinrich Gretler als Studer im damaligen Schauspielhaus Basel, dem Küchlin-Theater (inzwischen längst ein Kino), aus der Taufe und anschliessend auf Tournee in 60 weiteren Schweizer Städten aufgeführt worden.

Blutige Velospeiche

Und nun ist er ab Freitag im Hotel Limmathof zu erleben – der Krimi mit zwei Leichen – eine davon erstochen mit einer Velospeiche. Blutig zieht der Arzt sie aus dem Rücken des Toten heraus. Darauf aufmerksam, dass sie da steckt, macht allerdings Studer den Doktor.

Der Wachtmeister, sehr elegant mit gestreifter Hose, schwarzem Kittel, goldener Taschenuhr im Gilet, weilt mit Verwandtschaft in Baden, nachdem Tochter Marie grad den Aargauer Polizeikorporal Wirz geheiratet hat. Als im Hotel die erste Leiche gefunden wird, kann Studer das Ermitteln nicht lassen und hat im Schwiegersohn einen flotten Assistenten.

2003 war als erste Produktion von «Theater in Baden» im Gartensaal der Villa Boveri «Die Finte» von Franz Doppler gespielt worden. Im Zwei-Jahres-Rhythmus waren sechs weitere Produktionen gefolgt. 2013 diente das Feuerwehrmagazin Ennetbaden als Spielort für Frischs «Biedermann und die Brandstifter», vor zwei Jahren wurde Glausers «Matto regiert» im Parkhaus Ennetbaden aufgeführt. Und dieses Jahr also steht die Bühne im Festsaal vom «Limmathof».

Kulinarik vor der Kultur

Zu seinem 15-jährigen Jubiläum bittet das «Theater in Baden» sein Publikum aber nicht nur zur spannenden Aufklärung eines Zweifachmordes, sondern auch zum Dreigangmenü. Zur Aufführung gehört ein vorgängiges Diner aus der Küche vom «Goldener Schlüssel». «Während dem Essen mischen sich bereits einige Figuren aus dem Stück unter das Publikum.

Nachdem das Servicepersonal abgeräumt hat, beginnt die Vorstellung», verrät Produktionsleiterin Ruth Egloff. Von Beginn weg waren sie und ihr Mann Röbi Egloff als Regisseur das Herz und der Motor vom «Theater in Baden», das sich inzwischen um viele leidenschaftliche und treue Seelen erweitert hat – solche, die regelmässig auf der Bühne stehen ebenso wie gute Geister im Hintergrund.

Für «Krock & Co.» wurde seit Anfang vergangenen November täglich geprobt. Gleichzeitig wurden Herrenanzüge, Polizeiuniform, Damenröcke, Schützen, Schuhe, Handtaschen im Stil der 40er-Jahre zusammengetragen. Auch ein grüner Porzellan-Zapfhahn, dem Doktor sein Köfferchen, Stühle, Tische, Gläser, die Suppenschüssel und der Stammtisch-Aschenbecher auf der Bühne versetzen den Zuschauer nahtlos vom Diner im Hier und Heute 75 Jahre zurück in ein Hotel-Speisesäli.

Grosse Spiellust

In diesem hinreissenden Ambiente wecken 17 Darstellerinnen und Darsteller – darunter auch drei Musikanten mit Handorgel, Klarinette und Mandoline – Glausers Geschichte in dessen authentisch kerniger Sprache zum Leben, verbunden mit hingebungsvoller Mimik und Gestik. Das war bei einem Besuch am letzten Proben-Wochenende vor der Premiere unverkennbar.

Da wurde hart gearbeitet, sprühen die Mitwirkenden vor Spiellust und sinken tief ein in die Figuren, egal ob sie eine kleinere oder eine zentrale Rolle spielen. So wie der Wettinger Ernst Wenger als Studer, der Lenzburger Florian Oberle als Wirz, die Ennetbadenerin Isabelle Egloff als Bürolistin oder Andreas Schifferle aus Stilli und Maria Magdalena Kaufmann als Hotelbesitzerehepaar.

Das Diner-Theater «Krock & Co.» wird im «Limmathof» vom 19. Januar bis 4. Februar 13 Mal gespielt. www.theaterinbaden.ch

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