Baden
«Private Matter»: Handyfilme werden zu Kunst

Der Kunstlehrstuhl der Berufsfachschule Baden (BBB) präsentiert sein aktuelles Projekt. Die Videoinstallation mit dem Titel «Private Matter» geschaffen hat das Künstlerinnenduo Eva Paulitsch und Uta Weyrich. Die Schüler waren zuerst skeptisch.

Katia Röthlin
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Videoinstallationen in der Berufsfachschule BBB Baden
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Private Matter, Stefan Schibli und Nadja Baldini vom Kunstlehrstuhl BBB Baden
Handyfilme werden zur Kunst
Stefan Schibli und Nadja Baldini vom Kunstlehrstuhl BBB Baden stehen in einer Videoinstalltion
«Private Matter»: Handyfilme werden zu Kunst

Videoinstallationen in der Berufsfachschule BBB Baden

Alex Spichale

Draussen herrscht gleissendes Sonnenlicht. Dann betritt man die schwarze Box am Fusse der grossen Treppen im Gebäude der Berufsfachschule Baden (BBB) am Martinsberg. Drinnen ist es dunkel, Tüll hängt in Bahnen von der Decke.

Darauf spielen sich bunte Szenen ab: Menschen, die auf Rolltreppen stehen, eine beleuchtete Strasse in der Nacht, das rauschende Meer. Immer wieder erscheinen einzelne Jugendliche grossformatig. Sie posen, singen ins Mikrofon, trainieren im Fitnesscenter.

Die Videoinstallation mit dem Titel «Private Matter» geschaffen hat das Künstlerinnenduo Eva Paulitsch und Uta Weyrich. Die beiden haben in den Klassen des BBB Handyfilme gesammelt, sie gesichtet, neu zusammengesetzt, verfremdet und daraus die Installation gemacht.

«Die Schülerinnen und Schüler waren am Anfang zurecht skeptisch, als sie nach Filmen aus ihrem persönlichen Handyarchiv gefragt wurden», sagt Nadja Baldini, Inhaberin des Kunstlehrstuhls, in dessen Rahmen das Projekt entstanden ist.

Die Idee, mit dem eigenen Film Teil einer Kunstinstallation zu werden und gleichzeitig Mitautor zu sein, überzeugte dann aber viele mitzumachen.

Jetzt wird die Installation auch im Unterricht genutzt. «Wir arbeiten in drei Phasen mit den Jugendlichen», sagt Stefan Schibli, Projektleiter Kunst am BBB. In einer ersten Lektion reflektieren sie ihren eigenen Umgang mit Handyfilmen, dann setzten sie sich mit der Installation auseinander und in einer dritten Lektion filmen sie selber.

Lehrstuhl ist ein schweizweites Pionierprojekt

Im Herbst 2011 wurde an der Berufsfachschule Baden (BBB) der Kunstlehrstuhl lanciert. Kuratorin ist Nadja Baldini. Dieser Lehrstuhl ist ein schweizweites Pionierprojekt und soll mindestens während acht Jahren bestehen. Er hat zum Ziel, das Kunst-am-Bau-Prozent in lebendige und innovative Kunstvermittlungsprojekte zu verlagern. Nach dem «Belastungstest» 2012 ist «Private Matter» das zweite öffentliche Projekt des Kunstlehrstuhls. «Private Matter» steht der Öffentlichkeit an folgenden Daten offen: Donnerstag, 20. Juni, 18 Uhr und Samstag, 29. Juni, 11 Uhr öffentliche Führung mit Nadja Baldini und Stefan Schibli; Freitag, 5. Juli, 16 Uhr: Finissage und Open Day für alle. Infos unter www.kunstlehrstuhl-bbb.ch. (kru)

«Das Thema ist für uns auch deswegen interessant, weil unsere Schülerinnen und Schüler zur ersten Generation gehören, die quasi immer eine Kamera in der Hosentasche hat», sagt Schibli.

Dabei zeige sich: Gefilmt wird in der Freizeit und die meisten gehen mit ihren Daten durchaus sorgfältig um. «Handyfilme werden nur selten ins Internet gestellt», sagt Schibli.

Das Kunstprojekt «Private Matter» ist auch Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts. Das Künstlerinnenduo gehört zu einem Team, das – gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds – am Projekt «Handyfilme – künstlerische und ethnografische Zugänge zu Repräsentationen jugendlicher Alltagswelten» forscht.

So kamen nicht nur die Künstlerinnen in die Klassen, sondern auch die Forscher. Die Zusammenarbeit mit der Uni Zürich, der Zürcher Hochschule der Künste und den Künstlerinnen führe innerhalb der Schule zu einer interessanten Auseinandersetzung mit dem Phänomen Handyfilme, sagt Nadja Baldini.