Baden
Private Sekundar- und Bezirksschule: Anteil an Privatschülern hat stark zugenommen

Ab kommendem Sommer bietet die Badener Privatschule «Forum 44» eine private Sekundar- und Bezirksschulstufe an. Man sehe sich nicht als Konkurrenz, sondern viel mehr als Alternative. Was der Kanton zu solchen Privatschulen sagt.

Martin Rupf
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Seit Jahren bewegt sich bei den Volksschülern der Anteil der Privatschüler um 1 Prozent.

Seit Jahren bewegt sich bei den Volksschülern der Anteil der Privatschüler um 1 Prozent.

az-archiv

Ab kommendem Jahr wird die Privatschule «Forum 44» in Baden neu eine private Sekundar- und Bezirksstufe für das 8. und 9. Schuljahr anbieten – im Folgejahr soll das Angebot gar auf die 7. Klasse ausgedehnt werden.

Eltern, die ihre Kinder in dieser privaten Oberstufe unterrichten lassen wollen, müssen dafür aber tief ins Portemonnaie greifen. Die jährlichen Schulkosten belaufen sich auf rund 20 000 Franken.

Auf die Frage, ob man mit einem solchen Angebot nicht einer Zweiklassengesellschaft Vorschub leisten würde, antwortet Schulleiterin Chantal Corbat: «Wir unterrichten am Forum 44 ganz bestimmt nicht nur Kinder von reichen Eltern, sondern im Gegenteil viele Kinder mit ausländischen Wurzeln.»

Privatschulen habe es schon immer gegeben. «Wir sehen uns sicher nicht als Konkurrenz zur öffentlichen Schule, sondern vielmehr als Ergänzung.»

Und Schulleiter André Sax ergänzt: «Wir wollen die öffentliche Schule nicht schwächen.»

Aber es gebe Konstellationen, wo Schüler einfach nicht mehr weiterkommen würden oder blockiert seien, sei es weil die Chemie mit dem Lehrer nicht stimmt oder aus anderen Gründen. «In solchen Fällen kann unsere Schule eine gute Alternative zur Volksschule darstellen.»

Nach der Privatschule in die Lehre

Dass die Schule so argumentiert, liegt auf der Hand. Doch wie steht der Kanton, genauer das Bildungsdepartement zu solchen Privatschulen?

«Wir betrachten Privatschulen als Ergänzung zur Volksschule, sie können eine sinnvolle Alternative zur öffentlichen Volksschule sein», sagt Béatrice Hofmann, Leiterin der Regionalstelle Nordost, Inspektorat Volksschule. Dafür würden nicht zuletzt die Zahlen sprechen.

Seit Jahren bewegt sich bei den Volksschülern der Anteil der Privatschüler nämlich um 1 Prozent.

«Zwar liegen die offiziellen Zahlen vom letzten Jahr noch nicht vor, aber der Anteil an Privatschülern dürfte sogar rückläufig sein», sagt Hofmann.

«Ausschlaggebend für die Wahl einer Privatschule sind meistens spezifische pädagogische Konzepte, das Angebot von Tagesstrukturen oder die Zweisprachigkeit im Unterricht.»

Kurz: Es gebe viele Eltern, für die Privatschulen eine sinnvolle Alternative seien, weil sie zum Schluss kommen, dass ihnen die Regelschule nicht ganz das biete, was sie suchen.» Hofmann begrüsst diese Wahlmöglichkeit grundsätzlich.

Ein weiteres Indiz, dass Privatschulen nicht in erster Linie Kinder von vermögenden Eltern unterrichten, die ihre Kinder auf Teufel komm raus zum Akademiker machen wollen, bildet die 2014 durchgeführte Schülerbefragung.

Diese hat ergeben, dass von 87 Privatschulabgängern nur gerade 19 den Weg an eine Mittelschule wählten, während sich knapp 40 Schüler für eine Lehre entschieden (Rest: Brückenangebote).

«Wir wollen die öffentliche Schule keineswegs konkurrenzieren.» André Sax, Schulleiter der Privatschule «Forum 44» in Baden

«Wir wollen die öffentliche Schule keineswegs konkurrenzieren.» André Sax, Schulleiter der Privatschule «Forum 44» in Baden

Sandra Ardizzone

Die Bewilligung für eine Privatschule erfolgt am Anfang immer nur befristet auf drei Jahre. «Während diesen drei Jahren wird die Schule vom Bildungsdepartement begleitet, wodurch eine Aufsicht gewährleistet ist», sagt Hofmann.

Dabei sei es aber nicht so, dass eine Privatschule eins zu eins den gleichen Unterricht und Lehrplan wie die öffentliche Schule anbieten müsse.

«Entscheidend ist, dass Schulabgänger – egal zu welchem Zeitpunkt – mühelos Anschluss an die öffentliche Schule oder die weiterführenden Ausbildungen finden», betont Hofmann.

Bei der Erteilung einer Bewilligung werde vor allem auf eine vertrauenswürdige Trägerschaft geachtet und darauf, dass die Bewilligungskriterien erfüllt werden.

Natürlich müssen alle Lehrer an einer Privatschule die nötigen Qualifikationen mitbringen.

Hofmann: «Auch achten wir darauf, dass es keine Einflüsse – zum Beispiel religiöser Natur – gibt, die den Zielen der öffentlichen Schule zuwiderlaufen.»

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