«Kein Aprilscherz: Bis 2. April liegt der Bau der Beleuchtung der Treppe im Waldareal am Oelrain in Baden auf, die lediglich ein paar Stunden pro Jahr benötigt wird.» So beginnt ein Communiqué von Pro Natura Aargau, das am Montag verschickt wurde. Die Naturschutzorganisation hat laut der Mitteilung «eine konstruktive Einwendung» gegen das Baugesuch deponiert. Pro Natura weist darauf hin, dass eine Beleuchtung am Oelrain auf viele Insekten und Wirbeltiere einen negativen Einfluss habe.

Das Problem: Die Treppe am Oelrain liegt im Waldareal, in einer «Naturschutzzone im Wald». Die Forderung nach einer Beleuchtung der Treppe kam von Anwohnern aus dem Römer-Quartier und aus der Gemeinde Ennetbaden. Der Grund dafür: Wenn der Promenadenlift nicht fährt, dient die Treppe als nächster Umweg von der Limmatpromenade zum Bahnhof. In der Dunkelheit im Winterhalbjahr wird die Treppe schnell einmal zur Stolperfalle. Bis vor kurzem war die Umleitung sogar mit offiziellen Schildern der Stadt Baden signalisiert. Die Schilder sind mittlerweile verschwunden.

Pro Natura sieht logischerweise ein anderes Anliegen im Vordergrund: Die sogenannte «Vollzugshilfe Lichtemissionen» des Bundesamts für Umwelt liste negative Einflüsse von nächtlichem Kunstlicht auf Vertreter fast aller Wirbeltierklassen und Insekten auf.

Licht vom Lift tötet Insekten

«Das Projekt ist nicht bewilligungsfähig», ist der Badener Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, überzeugt. Tiere würden sich nicht an Zonengrenzen halten. «Um den legalen, nachts grell beleuchteten Promenadenlift in der Bauzone sterben im Sommer jetzt schon Abertausende von Insekten. Und Lichtverschmutzung ist nicht nur für Insekten ein Problem», erklärt Jenny. «Der Oelrain liegt in Baden an einer der wenigen Fliessstrecken an der Limmat. Vermutlich fehlen den Forellen und Äschen im Fluss die vielen Köcherfliegen, welche durch Beleuchtungen entlang der Limmat sterben.» Darüber hinaus widerspreche eine Beleuchtung am Oelrain der Bundesverfassung, nach der staatliches Handeln im öffentlichen Interesse und verhältnismässig zu sein habe.

Pro Natura Aargau bestreitet beides: Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone benötigen eine Ausnahmebewilligung gemäss Raumplanungsgesetz. Und eine Bewilligung dürfe nur erteilt werden, wenn keine überwiegenden Interessen entgegenstehen. «Die Beleuchtung der Treppe ist nur von Nutzen, wenn nachts der Lift ausfällt. Dies betrifft im Jahr wenige Stunden und Benutzer. Zunächst muss daher geprüft werden, wie viele Betroffene «Öffentlichkeit» im Sinne des Gesetzgebers ausmachen», gibt Jenny zu bedenken. «Und wie viele Stunden pro Jahr deren Interesse an der Beleuchtung andauern muss, um öffentlich zu sein.»

Zwar bestünden keine klaren Richtlinien für die Beurteilung der Frage, ob und wann ein Anliegen derart erheblich sei, dass es ein öffentliches Interesse darstelle, erklärt Jenny. Das Anliegen sei jedoch «derart unerheblich», dass es ganz offensichtlich kein öffentliches Interesse darstellen könne.

Taschenlampen als Alternative

Johannes Jenny schlägt mit einem Augenzwinkern eine ganze andere Lösung vor: «Die Stadt löst das Problem, dass es gelegentlich unverhofft regnet, nicht dadurch, dass sie alle Trottoirs und Fussgängerzonen überdacht, sondern indem sie Schirme mit der Aufschrift ‹Baden ist› verkauft. Das ‹Info Baden› liegt wenige Schritte von der Oelrain-Treppe entfernt. Ich schlage vor, dass es sein Sortiment um ‹Baden ist›-Taschenlampen erweitert.»

Natur- und Umweltschutz, der Einnahmen statt Ausgaben generiere, gefalle doch allen, findet der freisinnige Jenny. Und er fügt an: «Die Einnahmen könnten dafür eingesetzt werden, um die Beleuchtung des Promenadenlifts durch geschickte Wahl des Spektrums und mit Bewegungsmeldern insektenfreundlicher zu machen.»