Robin Fischer glaubt von sich selbst, er sei sehr langweilig. Dies ist jedoch nur seine eigene Meinung. Der junge Badener hat ein sehr aussergewöhnliches Leben, lebt den Traum vieler: Der 27-Jährige ist Profiskater, einer der besten im Land. Als wenn das nicht genug wäre, ist er auch noch Musiker, hat erst jüngst mit seiner Band TomPaul den Sprung zu einem bekannten Label geschafft. All dies macht er nebenbei, denn hauptberuflich arbeitet er im Büro des Familienbetriebs.

Doch von Anfang an: Der junge Mann mit Dreitagebart skatet seit gut zwanzig Jahren. Als Siebenjähriger begann er, übte jeden Tag, um sein Ziel zu erreichen. Der gebürtige Birmenstorfer, der sich selbst als Badener bezeichnet, war mit 16 Jahren schon einer der Besten in der Schweiz, erzielte sehr gute Resultate an der Schweizer- und Europameisterschaft. Er hatte Sponsorenverträge, stand aber mit 16 vor einer schwierigen Entscheidung: «Ich hatte zwei Optionen. Entweder ich schlage den normalen Weg ein mit einer Berufslehre, oder ich setze alles auf eine Karte und versuche, es als Profi zu schaffen.»

Fischer entschied sich für die dritte: Er absolvierte eine Lehre und skatete nebenbei weiter auf hohem Niveau. Fischer erklärt seine Wahl so: «Ich wollte nie davon leben. Es war, ist und bleibt ein Ausgleich zum Alltag für mich. Aber ich kann mir mit meinem Hobby etwas dazuverdienen, und das ist schön.» Auch seine Gesundheit hatte einen Einfluss auf die Entscheidung, denn Fischers Krankenakte ist dick: diverse Brüche, Kreuzbandriss, kaputter Meniskus, Gehirnerschütterung und so weiter. Er hat sich immer mit hartem Training zurückgekämpft.

Mit dem Skateboard um die Welt

Fischers Sponsoren rüsten ihn nicht nur mit Kleidung und Werbedeals aus, sondern ermöglichen ihm auch viel: «Ich durfte in jungen Jahren viel reisen, konnte die Welt sehen. Dafür bin ich dankbar.» Bereits als Teenager flog er für Videodrehs nach Barcelona oder gar nach China. Ob er denn berühmt sei? Er lacht herzhaft und antwortet: «Nein, nein, bin ich nicht. Aber man kennt mich schon. Ich habe sogar mal ein Autogramm gegeben.» Der Druck sei dennoch enorm. Man müsse immer an seine Grenzen gehen, um zu bestehen. Er sei darum am liebsten im Ausland mit dem Team unterwegs gewesen. Die Fahrer kamen von überall her, hatten ein hohes Niveau. Sie spornten sich gegenseitig an, man findet mehr Motivation, einen neuen Trick zu versuchen.

Und ebendieses «gemeinsame Skaten» schätzt Robin Fischer. Darum wechselte er auch seine Sponsoren, fährt jetzt vor allem für Schweizer Brands. «Ich sehe diese Leute öfters. Sie sind gute Freunde von mir.» Er habe es sattgehabt, die Teamfahrer nur ab und zu zu sehen. «Wenn du für eine internationale Marke fährst, hast du nicht diesen Zusammenhalt.» Heute nimmt er sich mehr Zeit für anderes, macht noch einige Drehs und Fotoshoots, Contests fährt er nur noch selten.

Seit seinen Anfängen hat sich vieles verändert. Heute sei alles schnelllebiger, sagt Robin Fischer. Skaten ist heute ein Spitzensport. Alles ist professioneller, und auch das Internet trägt seinen Teil dazu bei: «Früher musste ich mir Videos im Skateshop kaufen. Heute machst du drei Klicks auf Youtube. Die Szene vernetzt sich und Leute werden viel rascher auf dich aufmerksam.» Und Fischer fügt mit einem Lachen an: «Ich bin ja jetzt auch schon älter. Die Jungen, die nachrücken, sind auf einem ganz anderen Niveau.»

Der gelernte Kaufmann ist ein Familienmensch. Das dringt öfters durch. Er betont mehrmals, wie dankbar er seinen Eltern sei. «Meine Eltern unterstützten mich immer, liessen mich früh ins Ausland gehen und drängten mich nie zu einer Entscheidung.» Darum überrascht es nicht, dass er im Familienbetrieb mitarbeitet. Auch sein jüngerer Bruder Tom hilft ab und zu mit. Und mit seinem Bruder teilt er eine Leidenschaft: die Musik.

Mit dem Bruder auf der Bühne

Robin Fischer erzählt: «Tom war schon immer von Musik begeistert, ist ein genialer Gitarrist.» Tom ist Mitglied der Band «Who’s Panda», hat aber immer nebenbei als Singer/Songwriter Musik gemacht. Eines Tages fiel ihm für einen Gig ein Soundengineer aus – und Robin sprang ein. Der Skater hat immer mal wieder als DJ aufgelegt, kennt sich deshalb ein bisschen mit Musikequipment aus. «Danach habe ich meinem Bruder ein paar Drumbeats zusammengemischt. Er mochte sie, und mir hats Spass gemacht.»

Das Lied Ocean von Robin Fischer und seiner Band Tompaul

 

Das war vor rund einem Jahr. Seitdem sind sie zusammen mit Florian Brändli als «TomPaul» unterwegs. «Es ist eigentlich noch lustig. Ich bin eher der ‹Electronica-Typ›, mein Bruder steht mehr auf Gitarrensound – ich hätte nie gedacht, dass wir mal zusammen musizieren.» Und offenbar harmoniert es. Die Band hat mit ihrem sphärischen Elektrosound gemischt mit Brasselementen schon einige Erfolge gefeiert. Es wurden Platten gepresst, Booking-Agenturen kamen auf sie zu und es wurden etliche Konzerte gespielt. Auch hier hilft Fischer die Familie: «Ich spiele eigentlich nicht gerne Konzerte. Ich bin immer sehr nervös. Doch mein Bruder hilft mir dabei, mein Lampenfieber zu kontrollieren.»

Der Skater und Neomusiker hat also viel um die Ohren. Auf was würde er denn verzichten? Fischer überlegt kurz und sagt: «Auf nichts. Ich mag es so, wie es ist.»

TOMPAUL und Pablo Nouvelle: Freitag, 19. Mai, 21 Uhr, Royal Baden.