Baden
Projekt Co-Pilot bereit zum Abflug: Neues Programm zur Unterstützung von Flüchtlingen lanciert

Die Hilfsorganisation Caritas Aargau wartet mit einem neuen Betreuungsangebot für Flüchtlinge auf. Co-Pilot nennt sich das Projekt, das im Januar 2018 in Baden gestartet werden soll.

Frederic Härri
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Schon als Cockpit-Team in Muhen unterwegs: Sarah Dürr (l.) und Familie Monjid.

Schon als Cockpit-Team in Muhen unterwegs: Sarah Dürr (l.) und Familie Monjid.

Flüchtlinge werden dabei als «Piloten» von den «Co-Piloten», den freiwilligen Helferinnen und Helfern, bei alltäglichen Aktivitäten wie Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr oder bei der Wohnungs- und Arbeitssuche unterstützt.

Während eines Jahres sind die Helfer für die Flüchtlinge verantwortlich. Das Pensum soll dabei auf sechs bis acht Stunden pro Monat eingegrenzt werden. «Die Idee darin ist, dass die Helfer ihre Betreuungsaufgabe neben dem Erwerbsleben wahrnehmen können und sich nicht übernehmen», sagt die Projektverantwortliche Isabelle Odermatt.

Dazu gehöre auch, dass Helfer nur für eine Einzelperson oder maximal eine Familie verantwortlich sein dürfen. Schliesslich sei das Projekt in erster Linie als ergänzende Betreuung gedacht. Weil die Beteiligten die Art der Unterstützung selbstständig untereinander abmachen, könne sich diese individuell sehr unterscheiden. Odermatt betont aber, dass die Betreuung regelmässig stattfinden solle.

Potenzielle «Piloten» haben für eine Aufnahme in das Projekt gewisse Auflagen zu erfüllen, wie Odermatt erklärt. «Die Einzelpersonen oder Familien müssen anerkannte Flüchtlinge mit Ausweis B oder vorläufig aufgenommene Flüchtlinge mit Ausweis F sein und ein Mindestmass an Deutsch sprechen können.» Daneben sei auch ein fester Wohnort im Bezirk Baden Voraussetzung. Angemeldet werden die Flüchtlinge von den zuständigen Sozialämtern, der Flüchtlingsberatung oder dem Kirchlich-Sozialen Regionaldienst.

Damit Flüchtlinge und Betreuungspersonen gut zueinanderpassen, füllen beide vor Projektstart einen Fragebogen aus. Aufgrund von Kriterien wie Wohnort, Alter, Interessen und Präferenzen teilt die Caritas anschliessend die Helfer zu den Flüchtlingen zu. «Ein hundertprozentiges ‹Matching› wird wohl kaum möglich sein», sagt Odermatt. «Dennoch ist uns wichtig, dass möglichst viele Punkte übereinstimmen.»

Nach der Zuteilung werden die Freiwilligen an drei Einführungsabenden gemeinsam auf ihre Aufgabe vorbereitet. Am sogenannten «Matching-Day» treffen «Piloten» und «Co-Piloten» dann das erste Mal aufeinander. Um das Kennenlernen zu erleichtern und die Stimmung aufzulockern, wird in Baden ein Postenlauf mit Aufgaben für die Teams durchgeführt. Odermatt hofft so, der anfänglichen Nervosität entgegenzutreten, denn aus Erfahrung weiss sie: «Das erste Treffen kann manchmal eine etwas steife Angelegenheit sein.»

Schritt zur Dezentralisierung

Wieso wurde gerade Baden als Projektstandort ausgewählt? «Wir wollen die Flüchtlingsbetreuung im Aargau dezentralisieren», sagt Odermatt. Bis anhin finde im Aargau ein Grossteil der Flüchtlingshilfe in Aarau statt, weswegen die Flüchtlinge für Termine immer wieder weite Wege auf sich nehmen müssten. Daneben sei man überzeugt, dass sich speziell in Baden viele Freiwillige für das Projekt begeistern liessen.

Die Hilfsorganisation wird im nächsten Jahr auch von Erfahrungen der Caritas Solothurn profitieren können, die dasselbe Programm im Herbst 2016 gestartet hat. «Die Rückmeldungen der 55 Cockpit-Teams haben dort gezeigt, dass Freundschaften entstanden sind, die auch nach Projektende nicht abreissen werden. Ein solches Ergebnis erhoffen wir uns auch für Baden», so Odermatt.

Für alle, die sich für eine Aufgabe als Helfer beim Projekt Co-Pilot interessieren, findet am Dienstag, 28. November, um 19.30 Uhr ein Informationsanlass im Chorherrehus in Baden statt.