Notschlafstelle
Projekt gestorben: Pfarrer Siebers «Pfuusbus» rollt doch nicht nach Baden

Eigentlich hätte in Baden eine Notschlafstelle entstehen sollen – doch der Platz und das Geld fehlen. Der Bus wäre die einzige Schlafgelegenheit für Obdachlose im Aargau gewesen.

Erna Jonsdottir
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Pfarrer Ernst Sieber vor seinem «Pfuusbus» für Obdachlose in Zürich. Im Aargau wird es jetzt doch keinen geben.

Pfarrer Ernst Sieber vor seinem «Pfuusbus» für Obdachlose in Zürich. Im Aargau wird es jetzt doch keinen geben.

KEYSTONE

Der «Pfuusbus» fährt nicht wie geplant Mitte November auf den Schadenmühleplatz ein. In Zusammenarbeit mit dem Verein für Notschlafstellen und der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber hatte die Stadt Baden einen «Pfuusbus» organisiert.

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...Aargauer Gemeinden fragte die Interessengruppe an. Einen Beitrag an das kantonale Projekt «Pfuusbus» leisten wollte lediglich ein Drittel der Gemeinden.

Brisant: «Der ‹Pfuusbus› war die einzige Hoffnung für Obdachlose im Aargau. Jetzt sind sie weiterhin auf sich selbst gestellt», bedauert Daniela Fleischmann vom Christlichen Sozialwerk Hope und Mitglied der Interessengruppe.

Zahlreiche Stolpersteine

Einer der Gründe für das Scheitern des Projekts war die Mitteilung der Stadtpolizei Baden im Frühling, der Schadenmühleplatz werde während der Schulhausplatzsanierung als Installationsplatz verwendet. «Das war letztes Jahr kein Thema», betont Daniela Oehrli.

Der Stadtrat habe sich damals für den Schadenmühleplatz entschieden, die Stadtpolizei habe grünes Licht gegeben. «Das grösste Problem waren damals die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers», fügt Oehrli hinzu.

Das sieht der Polizeichef der Stadt Baden anders: «Die Abklärungen für die Stationierung des Busses waren noch nicht ausgereift», sagt Martin Brönimann. Nichtsdestotrotz: Mit der Absage des Standplatzes stand die Interessengruppe vor ihrem grössten Problem.

«Wir prüften weitere Standorte in Baden – beim Bahnhof, in der Aue und im Graben», sagt Dell’Anno. Bei der Standortsuche half die Klinik Königsfelden mit, die in der Zwischenzeit eine Partnerschaft mit der Interessengruppe eingegangen war.

«Oft werden Personen aus der Klinik entlassen, bei denen man nicht weiss, wo sie landen», sagt Dell’Anno. Sie war davon überzeugt, mit dem Know-how der Klinik und des Sozialwerks Pfarrer Sieber eine Lösung zu finden. Leider habe sich herausgestellt, dass die Standorte Bahnhof, Aue und im Graben nicht infrage kommen.

Baden sei ein schwieriges Pflaster, sagt Christoph Zingg vom Sozialwerk Pfarrer Sieber und Begleiter der Interessengruppe: «Denn um einen ‹Pfuusbus› zu installieren, braucht es einen guten Platz und eine tolerante Nachbarschaft», erklärt er. «Der Platz darf nicht versteckt, muss gut erschlossen sein und eine Infrastruktur für Strom und Wasser haben».

Doch nicht nur der Standplatz machte der Interessengruppe einen Strich durch die Rechnung: Von den rund 100 Gemeinden des Kantons wollte sich laut Dell’Anno lediglich ein Drittel an dem kantonalen Projekt beteiligen.

«Uns wurden Gemeindebeiträge von 20 000 Franken zugesprochen, gerechnet hatten wir mit 60 000 Franken.» Ein Lichtblick war die Zusage des Swisslosfonds Ende Juni. «Wir hätten drei Jahre lang 100 000 Franken erhalten», sagt Dell’Anno.

Dennoch wäre der «Pfuusbus» nicht finanzierbar gewesen. Die mobile Notschlafstelle kostet 240 000 Franken pro Jahr. Eigentlich hätten Organisationen, Stiftungen, Sponsoren und Kirchgemeinden das finanzielle Loch mit Beiträgen stopfen sollen. «Ohne Standplatz konnten wir aber niemanden angehen, das wäre unseriös gewesen», so Dell’Anno. Aus all diesen Gründen bringe es auch nichts, das Projekt um ein Jahr zu verschieben.

Interessengruppe bleibt bestehen

Aufgeben will die Interessengruppe nicht. «Wir haben viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt», sagt Daniela Fleischmann vom «Hope». Der Kanton Aargau habe eine Verantwortung: «Unsere Erhebungen zeigen, dass eine Notschlafstelle nötig ist.»

Das spüren auch die Zürcher: «Viele Aargauer suchen bei uns einen Schlafplatz in unserem ‹Pfuusbus›», sagt Zingg. Der Bus im Zürcher Albisgüetli hat Platz für 35 Personen.

Für Dell’Anno steht fest: «Die Interessengruppe bleibt bestehen. Wir wollen aktiv bleiben und werden mit der Klinik Königsfelden, dem Sozialwerk Pfarrer Sieber und verschiedenen Institutionen wie der Kirche zusammensitzen und eine Lösung für die Obdachlosen suchen.»

Angestrebt werde eine nachhaltige Lösung, bei der Qualität garantiert sei. Vorbild ist das Sophie-Blocher-Haus in Frenkendorf BL. Das Blocher-Haus ist eine niederschwellige Institution, das 68 Frauen und Männern Unterkunft und Verpflegung sowie Betreuung und Beratung bietet. Somit besteht noch Hoffnung.