Baden
Projekt Schulhausplatz: Das sind die Gründe für ein Nein

«Eine verkehrspolitische Sackgasse» für die Stadt Baden, so lautet das Urteil der Grünen und des VCS Aargau über das Schulhausplatz-Projekt. «Es überzeugt in seiner Gesamtheit nicht», lautet das Verdikt des Komitees «Nein zum Schulhausplatz».

Roman Huber
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Ein Verkehrsprojekt müsse her und nicht ein Bauprojekt. Das vorliegende Projekt bringe mehr Autos ins Zentrum, nütze dem öffentlichen Verkehr nur beschränkt und lasse viele Fragen beim Fuss- und Veloverkehr offen. Aus Sicht des Komitees sollten die finanziellen Mittel besser ins Mobilitätsmanagement sowie in Informations- und Umsteigekampagnen auf den öffentlichen Verkehr eingesetzt werden.

Neue Kapazitäten für Autos

«Es ist ein Riesenprojekt, dessen Nutzen für die verschiedenen Verkehrsteilnehmer in keinem Verhältnis zu den Kosten von 100 Millionen Franken steht», fasst Roland Guntern, Einwohnerrat der Grünen, zusammen. Die Bevölkerung und die Parteien hätten zwar beim Planungsprozess mitwirken können. Der Variantenentscheid sei aber aus einseitiger Perspektive gefällt worden.

Guntern vermisst die Zweckmässigkeitsprüfung des Projekts. Köbi Knüsel vom VCS weist auf die enorm hohe Luft- und Lärmbelastung an der Mellingerstrasse hin. «Weil die Grenzwerte schon heute überschritten werden, müssten Massnahmen gegen den Verkehr getroffen werden. Mit dem vorliegenden Projekt würden aber zusätzliche Kapazitäten für den motorisierten Individualverkehr geschaffen», kritisiert Knüsel.

Bustunnel bringt zu wenig

Knüsel nimmt dabei die Zweispurigkeit der Zubringer der Bruggerstrasse ins Visier: «Würde man die rechte Spur - auch von der Hochbrücke her - als Busspur ausscheiden, so könnte der Bus auch stadteinwärts profitieren.» Laut Knüsel müsste der Bus ab Bahnhofstrasse und von der Haselstrasse her bevorzugt werden.

Das Verkehrsmanagement müsste den Verkehrsfluss so steuern, dass der Bus ohne Stau ins Zentrum gelangen könne. Das ist laut Knüsel auf der Mellingerstrasse erst ab der «Täfern» möglich. Die Busspur müsste aus seiner Sicht beim Esp beginnen.

Zu teuer und verbunden mit einem Baurisiko sei der geplante Bustunnel, sagt Beatrice Schilling, Präsidentin der Grünen Baden. «Es profitieren davon primär die Postautos und nur wenige Busse», so Schilling. Ihrer Meinung nach würden die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Mit einem guten Verkehrsmanagement würden sich andere Lösungen für einen reibungslosen Busverkehr anbieten. Aus Sicht des Komitees soll ja die Weite Gasse nicht um jeden Preis vom Bus befreit werden. Schilling ist überzeugt, dass die Busrampe genügen würde. Massnahmen, die den Bus bevorzugen, müssten auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs gehen.

Zweifel an Haltestellen

Städtebauliche Bedenken äussert Stefan Häusermann, Einwohnerrat der Grünen. Die neue Haltestelle «Cachet» sei «ein Murks», Friktionen zwischen Auto-, Bus- und Veloverkehr seien programmiert. Bei der Haltestelle Ländli, wo der Bus aus dem Tunnel komme, betrage die Neigung 6 Prozent, sodass der Einstieg für Behinderte stark erschwert würde.

Beim Falkengebäude verschwindet laut Häusermann ein Teil des Vorplatzes, sodass es mit der Velozufahrt im Fussgängerbereich eng werde. Die Erweiterung des Cordulaplatzes sei ebenso wenig eine städtebauliche Verbesserung, so Häusermann: «Die Computerbilder beschönigen die Situation. Der Platz wird mit der Verkehrsebene vor Augen nicht aufgewertet.» Dass mit diesem Projekt die Fussgänger und Velos in den Untergrund verbannt würden, ist von den Grünen mehrfach kritisiert worden. Rund 50 Mitglieder haben sich schon dem Nein-Komitee angeschlossen, sagt Roland Guntern. Bis 27. November werden man mit Standaktionen weiter mobilisieren.

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