Mägenwil
Psychologin Terri Obrist: «Sie können ihre Kinder nicht kontrollieren»

Onlinesucht ist beängstigend und dennoch interessant. An einem Referat der Suchtprävention Aargau liessen sich Eltern über Medienkonsum und Gefahren informieren.

Melanie Bär
Merken
Drucken
Teilen
Terri Obrist sprach in Mägenwil über Medienkonsum.Melanie Bär

Terri Obrist sprach in Mägenwil über Medienkonsum.Melanie Bär

«Je spannender das reale Leben ist, desto weniger interessant ist die virtuelle Welt», sagt Terri Obrist. Die Psychologin und zwei weitere Mitarbeiter von der Suchtprävention Aargau halten wöchentlich bis zu drei Vorträge zum Thema Medienkonsum.

Obwohl die Onlinesucht nur gerade ein Prozent ausmache, scheint das Thema Eltern zu interessieren. So auch am Dienstag in Mägenwil, wo knapp hundert Mütter, Väter, Lehrpersonen und Interessierte dem vom Elternverein und der Schule organisierten Vortrag beiwohnten.

Referentin Obrist stellte gleich zu Beginn klar: «Sie können ihre Kinder nicht kontrollieren und sie sind die wichtigsten Vermittler in Sachen Medienkompetenz.» Das habe sie auch jener Mutter gesagt, die bei ihr in die Beratung gekommen sei und glaubte zu wissen, was ihre Tochter auf Facebook veröffentliche, weil sie mit ihr befreundet ist.

Doch sie wusste nicht um die technische Möglichkeit ihrer Tochter, gewisse Sachen nur einer ausgewählten Gruppe zu zeigen. Anstelle dieser scheinbaren Kontrolle riet sie den Eltern, mit dem Kind im Gespräch zu sein, sie auf die Gefahren aufmerksam zu machen und sich auch für dessen virtuelle Welt zu interessieren.

Keine Kontrolle heisse aber nicht, keine Regeln aufzustellen, stellte Obrist klar. Sie riet den Eltern, gemeinsam mit dem Kind beispielsweise Zeitlimiten, bildschirmfreie Tage und medienfreie Zeiten zu vereinbaren und die Geräte nicht ins Kinderzimmer zu stellen. Das Einhalten dieser Regeln könne und solle kontrolliert werden.

Das Kind könne auch selber Protokoll führen, wie viel Zeit es welches Medium nutze.

«Wahrscheinlich schummelt es beim Ausfüllen, aber es wird ihm trotzdem bewusst, wie oft es die Medien nutzt.» Die Suchtprävention hat eine Zeitempfehlung herausgegeben, wie viel Medienkonsum für welches Alter geeignet ist.

«Kinder unter zwei Jahren sollten keine Medien konsumieren.» Zwei- bis Dreijährige höchstens eine Viertelstunde, Vier- bis Fünfjährige das Doppelte, Sechs- bis Achtjährige 45 Minuten, Acht- bis Elfjährige eine Stunde, Elf- bis Dreizehnjährige anderthalb Stunden und Vierzehn- bis Sechzehnjährige zwei Stunden. «Das sind Maximalwerte, die eher grosszügig bemessen sind», so Obrist.

Zu Diskussionen führte der Ratschlag, Medienverbot nicht als Strafmittel einzusetzen. Obrist begründete: «Sonst bekommen Medien einen viel zu hohen Stellenwert.» Ein Vater bemerkte, dass dieser hohe Stellenwert sowieso schon da sei und Medienverbot am besten wirke. Obrist riet dennoch, nur dann ein Medienverbot auszusprechen, wenn es im Zusammenhang mit dem Vergehen stehe.

Am Schluss gab die Medienpädagogin dem Publikum ihre vier goldenen Regeln mit auf den Nach-Hause-Weg: Im Gespräch bleiben, Regeln vereinbaren, sich informieren und Vorbild sein – damit das reale Leben spannender bleibt, als die virtuelle Welt.

Weitere Informationen unter: www.suchtpraevention-aargau.ch