Jahr für Jahr ist die Schlagzeile praktisch dieselbe: Die Raiffeisenbanken der Region Baden/Brugg sind solide, die Jahresergebnisse stellen neue Rekorde dar. Schon vor einem Jahr sprach man vom «besten je erreichten Ergebnis»: 36,2 Millionen Franken Bruttogewinn konnten die Verantwortlichen damals stolz präsentieren. Nun wurde die Marke erneut übertroffen: 38,3 Mio. Franken erwirtschafteten die Raiffeisenbanken der Region im Jahr 2014.

Auch wenn Federico Hürsch, Leiter der Raiffeisenbank (RB) Lägern-Baregg, von der erneuten Bestmarke schwärmt, ist es sich bewusst: «Rekorde kann man nicht ständig brechen.» Für das nächste Jahr rechnen die Banken denn auch «mit etwas weniger Gewinn». Schuld daran sei unter anderem die Aufhebung der Euro-Untergrenze. «Wir müssen zugeben, diesen Jahresrückblick samt Ausblick auf 2015 haben wir vor dem Entscheid der Nationalbank verfasst», sagte Hürsch gestern an der Pressekonferenz in Baden, als die Zahlen präsentiert wurden. «Die Vorzeichen sind jetzt anders», fügte Daniel With, Leiter der RB Rohrdorferberg-Fislisbach, hinzu.

Die Raiffeisenbanken erwarten weniger Wachstum, ihre Chefs betonen aber, dass die Banken gesund dastehen und «eine hohe und intakte Ertragskraft» haben. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht», bringt es Hürsch auf den Punkt. Das in der Wirtschaftswelt so wertvolle Gut – die Sicherheit – sei gewährleistet.

Hypotheken so günstig wie kaum zuvor

Kerngeschäft der Raiffeisenbanken sind neben den Kundengeldern die sogenannten Kundenausleihungen – grösstenteils Hypotheken. Ende 2014 lehnten die sechs Raiffeisenbanken der Region gemeinsam 4,8 Milliarden Franken aus. Ein Wert, der über die letzten Jahre stetig angewachsen ist (siehe Grafik). Mit 17 Prozent Marktanteil finanziert Raiffeisen fast jede fünfte Immobilie in der Schweiz.

Geprägt vom starken Franken und tiefen Zinsen konnten Hypotheken in den letzten Jahren so günstig abgeschlossen werden wie kaum zuvor. Gemäss Heinz Jäggi, Leiter der RB Wasserschloss, wurden die Erwartungen von letztem Jahr bestätigt, wonach der neue Campus in Brugg-Windisch den Immobilienmarkt vor Ort anheizen würde. «In Windisch sind rund 100 neue Wohnungen entstanden», sagt er. Mit der Richtplanänderung des Kantons werde der Wohnraum in den Gemeinden Turgi, Gebenstorf und Windisch zudem weiter wachsen.

Federico Hürsch, Bankleiter der Raiffeisenbank Lägern-Baregg, über die Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses für die Bankkunden.

Federico Hürsch, Bankleiter der Raiffeisenbank Lägern-Baregg, über die Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses für die Bankkunden.

Dennoch: Für die Region insgesamt rechnen die Raiffeisenbanken mit einer «anhaltenden moderaten Abkühlung des Immobilienmarkts». Dies, auch wenn Immobilien weiterhin eine attraktive Investition bleiben werden, da das Sparen kaum noch rentiert. Mit Negativzinsen auf Sparguthaben müssten die Kunden zwar nicht rechnen. «Noch tiefere Zinsen hingegen sind realistisch», heisst es im Jahresabschluss-Bericht der Raiffeisenbanken – vor allem jetzt nach dem SNB-Entscheid.

55 184 Personen waren Ende 2014 Genossenschaftsmitglied der sechs regionalen Raiffeisenbanken, 370 mehr als im Vorjahr. Für die RB Lägern-Baregg wird an der Generalversammlung im März ein Antrag auf höhere Beteiligung der Mitglieder von 200 auf 500 Franken gestellt, sagt Hürsch. Positive News gibt es dafür von der RB Wasserschloss: Die Filialen in Windisch und Turgi werden zu offenen Beraterbanken umgebaut.