Baden
Ränkespiele der noblen Gesellschaft in der Villa Boveri

Das Ensemble-Theater führt in der Villa Boveri «Eine belanglose Frau» von Oscar Wilde auf. Die Bühnendarsteller überzeugten mit ihrem eindrücklichen und mitreissenden Schauspiel.

Ursula Burgherr
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Ensemble-Theater spielt «Eine belanglose Frau»
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Ensemble-Theater spielt «Eine belanglose Frau»
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Ensemble-Theater spielt «Eine belanglose Frau»
Ensemble-Theater spielt «Eine belanglose Frau»

Ensemble-Theater spielt «Eine belanglose Frau»

Schon der Gang durch die Parkanlage der Boveri-Villa entführt in eine andere Welt und lässt einen den Alltag vergessen. Die wunderschönen historischen Räumlichkeiten des Gartensaals sind eine Augenweide.

Bereits zum vierten Mal bespielt das Ensemble von Theater in Baden dieses stimmungsvolle Interieur und wieder bringt es ein Bühnenstück von Oscar Wilde zur Aufführung. Nach «Ein idealer Gatte» und «Der Fächer der Lady Windermere» hat Regisseur Röbi Egloff «Eine belanglose Frau» aus dem reichen Schaffen des irischen Schriftstellers gewählt.

Buchhändler und Stadtpoet Franz Doppler, der inzwischen als «Hausautor» von Theater in Baden zählt, sorgte für eine feinsinnige Übersetzung des englischen Originals («A Woman of No Importance») in die deutsche Sprache.

Auch bei den Schauspieler/-innen – Egloff bezeichnet sie als «bunt gemischte aber eingeschworene Truppe von Profi-Laien» – sieht man bekannte Gesichter aus früheren Produktionen. Neu mit dabei ist Barbara Gebhart, langjähriges Mitglied der Badener Maske.

Achterbahn der Gefühle

Gebhard spielt die Rolle der «belanglosen Frau» Rachel Arbuthnot, welche als junges Mädchen von einem vornehmen Adligen verführt, geschwängert und sitzen gelassen wurde. Seither ist sie als ledige Frau mit Kind von der Gesellschaft ausgestossen.

Ihr Sohn Gerald (Yann Schmid) erhält zum Entsetzten der Mama ein verlockendes Karriereangebot von Lord Illingworth (Francesco Fiordeponti), seinem bisher verschollenen Vater, der sich plötzlich als Elternteil aufspielt.

Wie wird er sich entscheiden, so hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen zu seiner Mutter und der verlockenden Aufstiegsmöglichkeit in die «Upper- class»? Wird ihm die Liebe zur jungen, hübschen Amerikanerin Hester Worsley (Isabelle Egloff) einen ganz anderen Weg weisen?

Humorvolle und teilweise bissige Dialoge, aber auch leise Szenen, die zu Herzen gehen, sorgen für Spannung und Kurzweil. Das Ende ist bittersüss, so viel sei hier verraten.

Kostüme sind handgenäht

Der Gartensaal eignet sich ideal als Kulisse für den englischen Landsitz, auf dem sich die High Society trifft. Die grösstenteils handgefertigten Kostümkreationen von Monika Krucker und Paola Katalenic im Fifties-Look sind bezaubernd. Vor allem aber überzeugen die Bühnendarsteller mit ihrem eindrücklichen und mitreissenden Schauspiel.

Der erste Akt von «Eine belanglose Frau» wurde diesen Frühsommer unter der Regie von Christoph Bruggisser als Film abgedreht. Er kann nun auf youtube.com eingesehen werden oder direkt an den Vorführungstagen auf einem der drei speziell installierten Grossbildschirmen im Foyer des Gartensaals. Die Übergänge zum Live-Spiel wurden von Röbi Egloff raffiniert in Szene gesetzt.