Baden

Raubüberfall: Die gesamte Beute ging fürs Taxi drauf

Einer der Täter hielt ein Messer in der Hand, der andere forderte nach dem Geld.

Einer der Täter hielt ein Messer in der Hand, der andere forderte nach dem Geld.

Vor dem Badener Bezirksgericht standen zwei junge Männer, die vor Jahresfrist in der Kronengasse eine Frau überfallen hatten.

Es war ein Donnerstag im Januar letzten Jahres. Gegen 22 Uhr war Frau H. in der Kronengasse in Baden unterwegs, als sie sich plötzlich zwei vermummten Männern gegenübersah. Der eine hielt ein Messer in der Hand, der andere forderte Geld. Nachdem Frau H. den Inhalt ihres Portemonnaies – 50 Franken – ausgehändigt hatte, machten sich die Räuber aus dem Staub. Die Beute investierten sie in eine Taxifahrt nach Hause.

Kurz nach der Tat entdeckten Polizisten bei der Auswertung der Aufnahmen einer auf dem Limmatsteg angebrachten Überwachungskamera zwei Burschen, deren Äusseres den Angaben von Frau H. entsprach.

Das Bild, auf dem das Gesicht des einen sichtbar war, wurde veröffentlicht. Gut zwei Wochen nach dem Überfall meldete sich der 22-jährige Adnan (alle Namen geändert) und gestand, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein. Am folgenden Tag wurde auch der 20-jährige Tom vorübergehend festgenommen.

Unterschiedliche Hintergründe

Nun mussten sich die beiden, beschuldigt des Raubes und des Betäubungsmittel-Konsums, vor Einzelrichter Lukas Cotti verantworten. Adnan wurde von seiner Mutter und seiner Freundin begleitet; Tom von seinem Vater. Die zwei Burschen, die in benachbarten Dörfern leben, waren mal beste Kumpel. Im Gerichtsgebäude würdigten sie sich keines Blickes.

Der eingebürgerte Adnan war als Neunjähriger, traumatisiert vom Krieg in seinem Heimatland, mit Mutter und Schwester dem Vater hierher gefolgt. Die Familie war bald zerrüttet, Adnan kam in eine Pflegefamilie, schaffte die Schulen mehr schlecht als recht, konsumierte querbeet harte und weiche Drogen, brach eine Ausbildung ab und delinquierte.

Drei Vorstrafen gehen auf sein Konto, darunter eine einschlägige. Seit der Sache in der Kronengasse habe er sich komplett geändert: «Ich habe eine Suchttherapie hinter mir – die erfolgreichste, die ich je hatte – und eine Praktikumsstelle in meinem Wunschberuf, Fachmann Gesundheit, zugesichert.»

Die beiden Beschuldigten sind gepflegt mit modischem Kurzhaarschnitt, als ob sie grad vom Coiffeur kommen würden. Adnan ist kräftig gebaut, Tom schmal. Er hat einen Bezirksschulabschluss, eine gute Lehrstelle nach zwei Jahren geschmissen, eine Handelsschule absolviert. Seit kurzem ist er fest angestellt und verdient rund 4500 Franken im Monat. Er treibt viel Sport und raucht «ab und zu Hasch, an Wochenenden oder manchmal zum Entspannen.»

So unterschiedlich Werdegang und Umfeld der beiden Beschuldigten sind, so different waren auch ihre Tatschilderungen. Einig waren sich beide, dass sie an jenem Abend herumspaziert waren, Alkohol und Cannabis konsumiert hatten. «Als Tom sagte, wir könnten doch jemanden ausnehmen, war ich strikt dagegen», behauptete Adnan.

Tom habe zwei Sturmhauben bei sich gehabt und ihm die eine richtig aufgedrängt. Das mit der Haube stimme nicht, sagte Tom. «Wir hatten über dies und das geredet, irgendwie hat sich das Ganze zugespitzt und dann haben wir den Überfall gemeinsam beschlossen.»

So macht man nicht reinen Tisch

Adnan hat sich schriftlich bei Frau H. entschuldigt, Tom hat nichts dergleichen unternommen. Beide Beschuldigten waren mit Anwälten erschienen; der Staatsanwalt forderte Freiheitsstrafen: Zehn Monate bedingt für Tom, zwölf Monate – angesichts der Vorstrafen unbedingt – für Adnan.

Dessen Verteidiger plädierte für acht Monate bedingt. Er wies auf die tätige Reue seines Mandanten hin, und dass man ihm eine gute Prognose stellen könne: Adnan sei weg von den Drogen und könne im März das Praktikum in einer Fachklinik antreten. Tom, so seine Verteidigerin, sei ansonsten unbescholten, verfüge über keine kriminelle Energie, die Tat passe überhaupt nicht zu ihm. Ihr Antrag: Eine bedingte Geldstrafe von 210 Tagessätzen.

«Die Tatdarstellungen gehen zwar diametral auseinander, aber der Raub wurde klar gemeinsam verübt und die Beute ebenso verwendet», hielt Richter Cotti in seiner Urteilsbegründung fest. Mahnend fügte er an: «Indem man Sachen ganz oder teilweise dem Kollegen zuschiebt, macht man nicht reinen Tisch.» Cotti liess eine gewisse Milde walten, indem er Adnan zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilte, Tom zu einer bedingten Geldstrafe von 28 800 Franken – 240 Tagessätze à 120 Franken.

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