Wo und wie soll sich die Stadt Baden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiterentwickeln und verändern? Das am Donnerstag veröffentlichte 75-seitige Raumentwicklungskonzept gibt Antworten auf diese Fragen. Stadtammann Markus Schneider (CVP) bezeichnet den Prozess, der zum Konzept geführt hat, als einzigartig: «Es sind die Ergebnisse aus Umfragen und Gesprächen miteingeflossen, die wir in der Bevölkerung, mit Vertretern von Quartieren und Gewerbe, aber auch mit Experten und Pendlern geführt haben. Das Raumentwicklungskonzept ist sehr breit abgestützt.»

Mit die wichtigste Botschaft, die das Konzept enthält: Vier Stadtteile sind zu Transformationsgebieten erklärt worden. In diesen bestehe grosses Potenzial zur Innenentwicklung, zudem herrsche Handlungsbedarf, beispielsweise wegen alter Bausubstanz. In diesen Gebieten müsse die Entwicklung aktiv angegangen werden, heisst es im Bericht. Dieser lässt keine Zweifel daran, dass die Veränderungen in gewissen Badener Quartieren teilweise tiefgreifend sein werden. «Transformationsgebiete können eine wesentliche Veränderung in der Nutzungs- und Bebauungsstruktur erfahren. Dies kann mit einem veränderten Charakter oder mit einer neuen Funktion des Gebiets im gesamtstädtischen Kontext einhergehen.» Die wichtigsten Ideen zu den vier Transformationsgebieten im Überblick:

  • Oberstadt: Das Gebiet rund um den Bahnhof Oberstadt soll sich zu einem dichten, urbanen Wohnquartier mausern. 2016 lebten hier rund 700 Menschen. Mittels Innenentwicklung kann Platz für 1500 weitere Menschen und 1000 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Angesichts der zentralen Lage und der begrenzten Verkehrskapazitäten sind möglichst autoreduzierte oder gar autofreie Nutzungen zu realisieren, lautet ein Vorschlag im Raumentwicklungskonzept. Angestrebt wird ein preislich vielfältiges Wohnraumangebot.
  • Dättwil bietet gute Voraussetzungen, um sich zu einem urbanisierten Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Auffällig die folgende Idee: Die beiden Wirtschaftsstandorte Segelhof und Kantonsspital könnten mittels Stadtreparatur – beispielsweise durch eine Art Überdachung der Autobahn, wie der Stadtammann erklärt – miteinander verbunden werden. Die Stadt habe im Zusammenhang mit dem Ausbau der Autobahn auf sechs Spuren die Möglichkeit, hier Einfluss zu nehmen. Das Potenzial einer solchen Massnahme wäre laut Bericht sehr gross: «Die heute von der Verkehrsinfrastruktur beanspruchte Fläche entspricht ungefähr jener des Wirtschaftsstandorts Täfern und Esp. Weiter soll Dättwil künftig stärker belebt werden, durch die Neuansiedlung von Firmen und den Bau von nicht alltäglichen Wohnungen wie Lofts, Attikas oder Grosswohnungen für Wohngemeinschaften. Auch Hochhäuser – die auf gewissen Parzellen bereits heute erlaubt wären – werden wohl in Zukunft in Dättwil entstehen.
  • Im Kappelerhof gibt es zahlreiche Pläne für eine bauliche Weiterentwicklung. Die einzelnen Projekte müssen künftig aber besser aufeinander abgestimmt werden, mit dem Ziel, die «Quartierszentralität» zu erhöhen. Zwischen dem Areal des ehemaligen Restaurants La Cappella, dem Schulhaus, der Kapelle und dem Restaurant Quelle soll ein attraktiver Zentrumsbereich geschaffen werden. Im Kappelerhof-Gebiet, das transformiert werden soll, lebten 2016 rund 450 Menschen; durch Verdichtung könnte die Zahl auf 1800 ansteigen, und 1100 zusätzliche Arbeitsplätze könnten geschaffen werden.
  • In der Innenstadt besteht ein hohes öffentliches Interesse an der räumlichen und funktionalen Entwicklung, die aus Eigentümerperspektive nicht automatisch berücksichtigt wird. Es braucht laut Raumentwicklungskonzept eine Gesamtidee, wie sich die Badstrasse und die Bäderstrasse in Zukunft baulich und funktional entwickeln sollen.