Montagsporträt

Raus aus der Komfortzone: Deshalb rennt ein Würenloser 250 Kilometer durch die Wüste

Der Würenloser Consuelo Senn ist 250 Kilometer durch die Wüste Gobi gerannt. Er erzählt, was ihn dazu antreibt, zu laufen.

Das Laufen ist ein ständiger Wegbegleiter von Consuelo Senn. Seit mehr als 30 Jahren. Was einst mit einer Teilnahme an einem Volkslauf in Baden begann, ist zu einer grossen Leidenschaft geworden. Jede Woche läuft der mittlerweile 56-Jährige drei bis vier Mal. Meist sind es rund 45 Minuten bis eine Stunde. Maximal sind es zwei Stunden.

Vor rund 20 Jahren hat Consuelo Senn seinen ersten Marathon absolviert. Ein paar Jahre später folgte der erste Ultra-Marathon. Sein längstes Rennen war der sogenannte «Ultra-Trail du Mont Blanc» – 170 Kilometer lang und mit 10'000 Höhenmetern gespickt. 40 Stunden brauchte Senn dafür. Ohne längere Pausen, versteht sich.

Sein jüngstes Lauf-Abenteuer nahm er im August in Angriff: ein Rennen in der Wüste Gobi in der Mongolei. Insgesamt 250 Kilometer legte der Würenloser dabei in sechs Tagesetappen zurück.

Der Reiz des Einfachen

28 Stunden, 30 Minuten und 20 Sekunden – so lange war Consuelo Senn in der Wüste Gobi unterwegs. Meist passierte er dabei karge Steppenlandschaften. Hin und wieder durchquerte er auch Passagen mit Sanddünen.

Den grössten Teil der Strecke absolvierte er bei Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad alleine. Denn als Gesamtzweiter und Sieger der Kategorie 50+ lag er fast immer vor seinen Konkurrenten. Ausgerüstet war Consuelo Senn nur mit seinem Rucksack, in dem er sein ganzes Hab und Gut inklusive Essen und Kleidung mittrug. Geschlafen hat er im Schlafsack auf einer dünnen Matte direkt auf dem Boden. Nicht immer bequem und schon gar nicht geeignet für eine optimale Erholung nach der körperlichen Höchstleistung.

Doch genau diese Einfachheit macht für Consuelo Senn den Reiz des Wettkampfs in der Wüste Gobi aus. «Ich schätze das Einfache. Ich lebe eine Woche nur aus dem Rucksack. Wenn ich etwas vergesse, dann fehlt es. Ich muss meine Ressourcen beschränken – und zwar in allen Bereichen. Das ist eine tolle Erfahrung», so der zweifache Familienvater, der seit 25 Jahren in Würenlos lebt und als Bauingenieur arbeitet.

«Auch das Zurückkommen in die Schweiz hat etwas Schönes. Nach einer Woche ausserhalb der Komfortzone wird einem wieder einmal bewusst, wie schön das Leben in der Schweiz ist. Dieser Perspektivenwechsel tut gut.»

Mentale Stärke ist gefragt

Wer seinen Körper zu derart extremen Leistungen pushen kann, der muss leidensfähig sein. Und dafür braucht es vor allem auch mentale Stärke. «Drei Viertel macht der Kopf aus», ist Consuelo Senn überzeugt und nennt ein Beispiel. «Nach dem dritten Tag fällt das Aufstehen am Morgen schwer. Da muss man sich einreden, dass man noch immer fit und motiviert ist. Auch wenn man in der Nacht schlecht geschlafen hat, weil der Boden unter der dünnen Matte uneben war und man daher alle 15 Minuten eine neue Schlafposition suchen musste.»

Diese Fähigkeit kommt Consuelo Senn auch ausserhalb des Sports zu gute. Der passionierte Tennisspieler und Biker ist neben seinem Beruf als Bauingenieur auch in der Politik tätig. Seit sechs Jahren ist er FDP-Ortspräsident in seinem Wohnort Würenlos und Mitglied der Planungskommission der Gemeinde. Und auch bei diesen Tätigkeiten sind Ausdauer und Stehvermögen gefragt.

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf

«Es läuft auch im Beruf und in der Politik nicht immer alles reibungslos. Es braucht viel Durchhaltevermögen, um ans Ziel zukommen. Da muss man Rückschläge wegstecken können und darf nicht aufgeben. Das habe ich im Sport gelernt und davon kann ich auch in der Politik und im Beruf profitieren», so Senn.

Mit seinem politischen Engagement möchte sich Consuelo Senn aber auf die kommunale Ebene konzentrieren. Zwar hat er vor drei Jahren für den Grossen Rat kandidiert, doch er hegt im Moment keinerlei Ambitionen für ein politisches Amt auf kantonalem oder gar nationalem Parkett. «Ich finde unser Milizsystem toll und bin gerne bereit, ein paar freie Stunden dafür zu investieren», sagt Senn.

Doch mehr Zeit bleibt nicht. Ansonsten würden entweder seine Familie oder sein sportliches Engagement darunter leiden. Und das ist für Consuelo Senn beides keine Option. «Für mich gilt nicht, nach der Wahl ist vor der Wahl, sondern vielmehr, nach dem Lauf ist vor dem Lauf», sagt er lachend. Noch hat sich Senn aber nicht entschieden, welches Laufprojekt er als nächstes in Angriff nimmt. Es wird aber mit Sicherheit eines geben.

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