Der Badener Informatiker Ueli S. geriet letztes Jahr ins Fadenkreuz der Justiz: Die deutsche Bundesanwaltschaft hielt ihn für einen Rechtsextremisten und vermutete, er stehe mit der Neonazi-Terrorzelle «Werwolf-Kommando» in Verbindung.

Am 17. Juli 2013 stürmten 30 Polizisten sein Haus, rissen ihn aus dem Schlaf und transportierten im Haus und Informatikgeschäft alle Computer ab, weil sie darauf belastendes Material vermuteten. Hunderte Objekte nahm die Spurensicherung mit – Server, Laptops, Festplatten und Handys.

Ueli S. beteuerte letzten Sommer in der az, es handle sich um ein Missverständnis, und schnell stellte sich heraus: Der Verdacht war von seinem Praktikanten auf ihn gelenkt worden – von Neonazi S., der 2011 einige Monate im Betrieb arbeitete.

Der Verdacht, dass Ueli S. etwas mit Rechtsterrorismus zu tun haben könnte, hat sich inzwischen in Luft aufgelöst, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Formell sei das Verfahren aber noch nicht eingestellt, es fehlten noch letzte Datenauswertungen.

Wie die Zeitung weiter schreibt, erwägt Ueli S. nun eine Schadenersatzklage: «Ich habe mit meinem Anwalt bereits darüber gesprochen. Einzelne Kunden würden mich bei einer Klage sogar unterstützen. Ich warte noch, bis das Verfahren gegen mich offiziell eingestellt ist. Dann will ich über das weitere Vorgehen entscheiden», sagt Ueli S.

Weil die ganze Infrastruktur über Nacht weg war, hätten seine Kunden zum Teil nicht mehr arbeiten können: Privatpersonen, Kleinbetriebe, aber auch Schulen seien betroffen gewesen.

Dank Freunden, die ihn extrem unterstützten, habe er den Vorfall gut verarbeiten können, sagt Ueli S. gegenüber der az. Sein Vertrauen in die Justiz habe er trotz allem nicht verloren: «Es gibt überall Leute, die Fehler machen. Nur wünschte ich mir, dass sie auch dazu stehen würden. Bis heute hat sich niemand offiziell bei mir entschuldigt. Das wäre doch das Mindeste, was man erwarten würde.»

Immerhin: Die Computer haben ihm die Polizisten dieses Jahr wieder zurückgebracht, die letzten Geräte erhielt er in der ersten Julihälfte. «Sie mussten mit zwei Wagen kommen, immerhin halfen sie beim Tragen.» Die Haustür, die mit einem Rammbock eingestossen worden war, wurde repariert, die Rechnung bezahlte die Polizei.

Ex-Praktikant sitzt im Gefängnis

Und sein ehemaliger Praktikant? Dieser sitzt derzeit im Gefängnis. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte ihn im Juni wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu zwölf Jahren Haft, weil er im Zürcher Niederdorf einem Mann in die Brust schoss. Er will den Fall ans Obergericht weiterziehen.

Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» hatte Ueli S. letztes Jahr über den Praktikanten gesprochen. Er habe von dessen politischer Gesinnung bruchstückweise erfahren. «Ich hätte mich besser über ihn informieren müssen.» Enttäuscht zeigte sich Ueli S., dass seine Gutmütigkeit ausgenutzt wurde. Er habe in S. einen jungen Mann mit vielen Problemen gesehen und ihm eine Stelle angeboten, als er ihn danach fragte.