Baden
Razzia und Nazi-Vorwürfe: Polizei stürmte das Haus von Badener Informatiker

30 Beamte aus dem Kanton Zürich und dem Kanton Aargau stürmten und durchsuchten das Haus von Informatiker Ueli S. aus Baden. Elektronische Datenträger wurden sichergestellt. Er wurde verdächtigt, in die Schweizer Nazi-Terrorszene involviert zu sein.

Yvonne Lichtsteiner
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Sebastien N. (Dritter von rechts ) zusammen mit der rechtsextremen Gruppe Werwolf auf einer Versammlung.

Sebastien N. (Dritter von rechts ) zusammen mit der rechtsextremen Gruppe Werwolf auf einer Versammlung.

zvg

«Es ist alles sehr schnell gegangen, und nach ein paar Minuten war alles wieder vorbei», sagt Ueli S. Der Schock sitzt dem 54-jährigen Informatiker und Tanzlehrer aus Baden noch immer tief in den Knochen.

Denn: Letzte Woche wurden er und sein 91-jähriger Vater unsanft aus dem Schlaf geweckt. 30 Beamte aus Zürich und dem Aargau stürmten das Haus des Informatikers, berichtete der «Blick» am Samstag.

Grund für die Hausdurchsuchung: Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe (D) vermutete, Ueli S. sei in die Schweizer Nazi-Terrorszene involviert. «Das Ganze ist ein riesiger Irrtum», sagt Ueli S. Der Verdacht wurde von einem ehemaligen Praktikanten auf Ueli S. gelenkt.

Sebastien N. habe 2012 drei Monate bei ihm als Praktikant gearbeitet und Zugang zu seinen Daten gehabt, so Ueli S. Aufgefallen sei ihm nichts, erst nach der Kündigung habe er gemerkt, dass Sebastien N. in diese Szene involviert ist. «Ich bin wütend», so der Informatiker. Habe er Sebastien N. doch immer als anständig erlebt.

Sebastien N. aus Grenchen sitzt im Gefängnis: Er hat am 5. Mai 2012 im Zürcher Niederdorf einem 26-jährigen Schweizer in die Brust geschossen und ihn schwer verletzt. Offenbar handelte es sich um eine Abrechnung in der rechtsextremen Szene.

Er wurde in Deutschland festgenommen. Letzte Woche wurde bekannt, dass die Gefängniszelle von Sebastien N. durchsucht wurde, weil er im Verdacht steht, in einer internationalen rechtsextremen Organisation eine tragende Rolle zu spielen.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich bestätigt indes die Hausdurchsuchung. «Es wurden verschiedene elektronische Datenträger sichergestellt», sagt Marcel Strassburger von der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich. Das Rechtshilfe-Verfahren sei aber noch nicht abgeschlossen. Ueli S.: «Ich hoffe sehr, dass der ganze Irrtum bald aufgeklärt wird.»

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