Geri-Müller-Verbleib

Reaktionen: Eine «Schande» – oder «endlich wieder Ruhe»?

Geri Müller bleibt nach dem Ende der Mediation des Badener Stadtrats im Amt als Stadtammann - das löst unterschiedliche Reaktionen aus.

Geri Müller bleibt nach dem Ende der Mediation des Badener Stadtrats im Amt als Stadtammann - das löst unterschiedliche Reaktionen aus.

Nach dem Ende der Mediation des Badener Stadtrats hoffen die Linksparteien, dass sich die Politik in Baden wieder normalisiert. Doch für die Bürgerlichen ist der Fall Geri Müller noch nicht erledigt.

CVP-Fraktionspräsident Reto Huber war einer der treibenden Kräfte bei den Bürgerlichen, die nach dem Aufliegen der Nacktselfie-Affäre den Rücktritt Geri Müllers als Stadtammann forderten. Den jüngsten Entscheid des Stadtrats kommentiert er mit deutlichen Worten: «Die Sturheit von Geri Müller hat dazu geführt, dass der Stadtrat aufgegeben, man kann sogar sagen resigniert hat.» Aus Sicht von Huber sei die Mediation gescheitert.

Anstatt einer «Win-win-Situation» habe man jetzt eine «Lose-lose-Situation». Denn aus der Mitteilung gehe ganz klar hervor, dass sich das Gremium nicht näher gekommen sei, sondern dass einzig und allein rechtlich keine andere Lösung möglich gewesen sei. «Ich habe diese Lösung deshalb auch erwartet», sagt Huber. Für ihn stehe fest, «dass auf Baden politisch ungemütliche Zeiten zukommen werden».

SVP-Präsident Serge Demuth hält fest: «Ich bedauere den Entscheid natürlich und ich stelle auch fest, dass Geri Müller – abgesehen davon, dass er die Vertrauensfrage vom Volk nicht beantworten lassen will – ganz offensichtlich das Vertrauen seiner Kollegen nicht zurückgewonnen hat.» Demuth vergleicht die Situation in Baden mit den jüngsten Wahlen in den USA. «Der links-grüne Stadtrat hat sich schon vor der Affäre einem bürgerlichen Parlament gegenübergesehen.» Doch nun seien die Fronten sehr verhärtet.

Einwilligung, um Blockade zu verhindern

Auch FDP-Präsident Matthias Bernhard betont: «Für mich ist ganz klar, dass der Stadtrat nur deshalb in diese Lösung eingewilligt hat, weil er die Stadt nicht länger blockieren wollte.» In einer Mittelung der FDP heisst es: «Baden wurde durch Geri Müller vielerorts der Lächerlichkeit preisgegeben – jetzt wird man uns nur noch bedauern.»

Stadtrat-Mediation zu Ende - Geri Müller bleibt Stadtammann

Stadtrat-Mediation zu Ende - Geri Müller bleibt Stadtammann

Doch nicht nur politische Parteien äussern ihren Unmut. Auch der Gewerbeverein Citycom, der sich in Vergangenheit prominent für Geri Müllers Rücktritt aussprach, findet klare Worte: «Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind weg; Geri Müller ist keine Führungsperson mehr», sagt Michael Wicki, Geschäftsführer der Citycom. Man werde deshalb auf die sonst üblichen Treffen mit der Aargauischen Industrie- und Handelskammer, der IG Dättwil und der Stadt Baden verzichten, wenn Geri Müller dabei sei.

Reaktionen auf Geri Müllers Verbleib im Amt als Badener Stadtammann

Reaktionen auf Geri Müllers Verbleib im Amt als Badener Stadtammann

Auch ehemalige Stadträte hatten Geri Müller vor rund zwei Monaten das Vertrauen abgesprochen. Noch immer ist eine Anfrage beim Stadtrat hängig, mit der man sich Klärung erhofft. Peter Conrad: «Wenn Geri Müller meint, das Vertrauen in ihn sei wieder da, dann liegt er falsch.» Er staune, wie Müller den ganzen Druck aushalten könne. Deutliche Worte auch von Alt-Stadtrat Martin Langenbach: «Für mich ist das Verbleiben von Geri Müller eine Schande, weil die Gefühle ganz vieler Badenerinnen und Badener von ihm missachtet werden.»

Funk: «Begrüsse den Entscheid»

Ganz anders tönt es auf linker Seite: «Ich begrüsse den Entscheid, wieder zur Normalität zurückzukehren», sagt Olivier Funk, Co-Präsident des Team Baden – Geri Müllers Partei. Natürlich sei jetzt nicht alles von heute auf morgen in Ordnung. Aber jetzt gebe es wieder eine Basis, auf der aufgebaut werden könne. Funk: «Ich hoffe, dass die Bürgerlichen den Entscheid des Stadtrates unterstützen und dazu beitragen, dass in Baden wieder konstruktive Politik betrieben werden kann.»

Die Grünen liessen derweil per Communiqué verlauten: «Wir fordern jetzt alle politischen Kräfte auf, persönliche Differenzen zurückzustellen und sich auf die wichtigen Aufgaben zu konzentrieren, die sich Baden stellen.» Erleichterung auch bei der SP: «Es ist gut, dass sich der Stadtrat geeinigt hat und jetzt endlich wieder Ruhe einkehren kann, zumal viele Herausforderungen anstehen», sagt Andrea Arezina.

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