Noch riecht es nach frischem Holz, wenn man den Laden am Cordulaplatz 3 in Baden betritt. Wo bis vor kurzem noch ein Schlüsseldienst eingemietet war, kann man seit Anfang Dezember Vinyl kaufen. Hinter der Theke steht Jeaninne Lampreu und packt vor Ladenöffnung noch Bestellungen ein. Vor zwei Jahren kündigte die 42-Jährige ihren Job in der Marketingabteilung eines grossen Detailhandelsunternehmens, um sich neu zu orientieren – und absolvierte zuerst ein Praktikum in einer Schreinerei. «Das war dann aber nicht wirklich das, was ich suchte», sagt Lampreu. 

Derweil stapelten sich zuhause die Vinylplatten, sogar das ehemalige Kinderzimmer ihrer Tochter nutzten Lampreu und ihr Mann kurzzeitig als Lager. Das Paar ist immer wieder zusammen an Plattenbörsen unterwegs, kauft ab und an auch ganze Sammlungen: «Und wenn du von 300 Platten nur eine oder zwei selber behalten wirst, wird der Platz zuhause halt irgendwann knapp.» Daher vertrieb die 42-Jährige diejenigen Schätze, von denen sie sich trennen mochte, bisher per Onlineshop. Dass der Laden am Cordulaplatz nun frei wurde, sieht Lampreu auch als Wink des Schicksals – «das musste so sein, glaube ich». 

«Gopf, das kann doch nicht sein» 

Zu finden sind im Recordroom vor allem Platten aus dem Rockbereich, aber auch Jazz- und Klassikfans sollten hier zum Stöbern vorbeikommen. Das Sortiment umfasst neben Originalausgaben und limitierten Stücken – teilweise mit Wert weit über 1000 Franken – auch vermehrt ausgewählte Platten von Schweizer Nachwuchsbands. «Mir ist es wichtig, junge Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen. Mein Laden soll auch Bühne für sie sein: Ich plane, hier auch kleine Konzerte durchzuführen», sagt Lampreu.

Ihre Entdeckung im Jahr 2018: Veronica Fusaro aus Thun: «Ich habe sie am Song Circle hier in Baden gehört und war total begeistert von ihrer Stimme. So etwas hört man in der Schweiz nicht oft.» Musik liegt Lampreu am Herzen, das spürt man. Vor drei Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann und einem Freund die Badener Plattenbörse gegründet: «Ich dachte, gopf, das kann doch nicht sein, dass es in dieser Stadt zwar so viel Musik, aber keine Börse dafür gibt!» 

Baden sei ausserdem nicht zu klein für zwei Plattenläden, findet Lampreu. Der «Zero Zero», seit Jahren Kult über die Stadtgrenze hinaus, musste vor kurzem umziehen – weil die Miete mittlerweile einen zu grossen Teil des Budgets verschlang. «Die Miete dieses Lokals ist bezahlbar», sagt Lampreu. Die Vermieter kämen ihr entgegen, ihnen liege etwas daran, dass hier etwas Neues entstehen könne. Zwar nicht neu aber zumindest selten ist – in der Schweiz – ein Plattenladen, der von einer Frau geführt wird: Lampreu schmeisst den Laden alleine, erhält von ihrem Mann aber Unterstützung beim Einkauf. Googelt man den Recordroom erscheint als Merkmal «von Frauen geführt», direkt neben «hervorragend bewertet». 

Fest in Frauenhand 

Das sei Absicht, erklärt Lampreu: «Gerade als Frau habe ich mich nicht in jedem Plattenladen, in dem ich war, besonders wohlgefühlt. Ich sehe das schon als erwähnenswertes Detail, dass der Laden in Frauenhand ist. Gerade in einer männerdominierten Branche wie es die Musikwelt eine ist.» In ihrem Laden, sagt sie, sollen sich aber natürlich alle wohlfühlen. Man könne hier auch einfach vorbeikommen, Musik hören und einen Kaffee trinken, ohne etwas kaufen zu müssen. Die italienische Espressomaschine in der Ecke dampft jedenfalls jetzt schon. Das Publikum, das hier seit der Eröffnung am 8. Dezember ein und aus geht, ist bunt gemischt, vom Teenager bis zur 70-Jährigen. 

In Zeiten von Spotify, Youtube und Co. glaubt Jeaninne Lampreu an den Zauber von Vinylplatten: «Ich sehe ja, dass auch immer mehr Junge wieder Platten kaufen. Verständlicherweise, das ist ein Kunstwerk an sich: Es klingt besser als digital und bei der Zusammenstellung eines Albums haben sich die Künstlerinnen und Bands etwas überlegt, das spürt man beim Hören. Ich merke, dass wieder mehr Leute dieses Kunstwerk schätzen.»