Die reformierte Kirche in Turgi wird vorerst stehen bleiben: Der Gemeinderat hat diese Woche ein Abbruchgesuch der Kirchgemeinde für die kommenden zwei Jahre sistiert. In dieser Zeit soll die Unterschutzstellung des Gotteshauses geprüft werden. Ruedi Dietiker, der vor zwei Jahren eine Petition zum Erhalt der Kirche mitorganisierte und Vorstandsmitglied des Aargauer Heimatschutzes ist, spricht von einem guten Entscheid.

«Die wichtigste Forderung in unserer Petition war, dass die kommunale Schutzwürdigkeit der Kirche geprüft werden muss. Das wird nun erfreulicherweise geschehen.» Im Nachhinein sei es ein grosser Fehler gewesen, dass die beiden Turgemer Kirchen nicht schon bei der letzten Revision der Bau- und Nutzungsordnung unter Schutz gestellt wurden. Dietiker gehörte damals der Kommission an, welche die Baudenkmäler definierte.

«Wir dachten nicht im Traum daran, dass der Erhalt des Objekts gefährdet ist, dass es jemandem in den Sinn kommen könnte, die Kirche abzubrechen.» Es stehe ausser Frage, dass die reformierte Kirche einen hohen Stellenwert in der Gemeinde habe und darum als Baudenkmal definiert werden müsse. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies Gemeinderat und Experten ebenfalls so sehen, sei sehr gross, glaubt Dietiker.

«Haben auf Risiko hingewiesen»

Tragisch findet er, dass mit Steuergeldern bereits ein Architekturwettbewerb durchgeführt wurde, obwohl die Grundlage dafür gar nicht gegeben war. «Wir haben die zuständigen Vertreter der Kirchgemeinde im Vorfeld des Wettbewerbsverfahrens mehrmals ausdrücklich auf dieses Risiko hingewiesen. Die Kirchenpflege wird sich dafür verantworten müssen.»

Die unabhängigen Gutachten, die vom Gemeinderat in Auftrag gegeben wurden, hätten die Auffassung bestätigt, die er und die Abbruchgegner von Beginn an vertraten: «Der Zustand der Kirche ist bei Weitem nicht so schlecht, wie die Kirchenpflege behauptet.» Wichtig wäre nun für Dietiker, dass die Kirchgemeinde neue Lösungen sucht, die den historischen Wert der Kirche ernst nehmen. Dabei sollte auch ein erneuter Kostenvoranschlag für eine Sanierung erstellt werden. Denn er zweifle daran, dass eine Renovation so viel kosten würde, wie bisher geschätzt und behauptet wurde.

«Wir verlangen nicht, dass nichts an der Kirche verändert werden darf. Auch Umbauten, bauliche Ergänzungen und unter Umständen auch Teilabbrüche sind vorstellbar, solange die wesentlichen architektonischen Qualitäten der Kirche erhalten bleiben», sagt Dietiker. In jedem Falle wäre es wünschenswert, wenn die weiteren Planungsarbeiten in Abstimmung mit der Nutzungsplanungsrevision erfolgen würden.

Kämpft die Kirchenpflege weiter?

Wird die Kirchenpflege dennoch weiter für ihr Neubau-Projekt kämpfen? «Das wissen wir noch nicht», sagt Kirchenpflegepräsident Albert Lehmann. «Wir können den Entscheid des Gemeinderates immer noch nicht verstehen.» Zu Beginn habe dieser das Projekt befürwortet und der Kirchgemeinde sogar einen Budgetposten für die Planung zugesagt. «Uns wurde also schriftlich finanzielle Unterstützung zugesagt. Nun hat der Wind leider gedreht. Wir werden genau abklären müssen, wie es weitergehen soll.» Keine Auskunft gab Lehmann zu den Kosten des Architekturwettbewerbes.