Baden

Reformierte Kirche in Baden wird zu einem Fernsehstudio

«Hier werden bald Scheinwerfer und Kameras installiert.» Pfarrer Markus Graber in der reformierten Kirche. nib

«Hier werden bald Scheinwerfer und Kameras installiert.» Pfarrer Markus Graber in der reformierten Kirche. nib

Die Vorbereitungen für den ersten Fernsehgottesdienst laufen auf Hochtouren. Am Sonntag, 6. März, wird der erste von vier Gottesdiensten in diesem Jahr live aus der reformierten Kirche Baden am Schweizer Fernsehen ausgestrahlt.

Wenn der Gottesdienst nach einem minuziösen Drehbuch abläuft, die Besucher sich vorgängig einsingen und der Pfarrer in die Maske muss, dann steht in der Kirche eine Fernsehübertragung bevor.

In der Feier am Fasnachtssonntag wirkt die Guggenmusik «Dättschwiler 05» mit, fasnächtlich Gekleidete sind willkommen – nicht Fasnachtsbegeisterte genauso. Pfarrer Markus Graber leitet mit einem Team zusammen den ersten Gottesdienst, die weiteren drei Feiern werden von anderen Pfarrern gestaltet.

Baden mit Regionen als erste Wahl

Das Schweizer Fernsehen überträgt jährlich nebst katholischen Gottesdiensten vier bis fünf reformierte. Dass ab 2011 alle Fernsehgottesdienste aus demselben Ort kommen, ist aussergewöhnlich.

Die Idee ist, Feiern aus einer Kirche auszustrahlen, die jedoch von verschiedenen umliegenden Kirchgemeinden gestaltet werden. Während die ersten beiden Gottesdienste von Badener Pfarrteams durchgeführt werden, leitet am 4. September die Kirchgemeinde Wettingen den Gottesdienst, der ebenfalls in der Kirche Baden stattfindet.

Weshalb fiel die Wahl auf die reformierte Kirche Baden? «Nebst technischen Aspekten wie dem Kriterium, dass man mit Kameras auf dem Boden herumfahren kann oder die Lichtverhältnisse optimal sind, spielt auch die Atmosphäre in der Kirche eine Rolle», erklärt Pascale Käser, Pfarrerin und Medienbeauftragte der reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz.

Käser, die für Radio- und Fernsehübertragungen zuständig ist, betont jedoch, dass man sich nicht nur für ein Gebäude entscheide, sondern auch ein Pfarrteam, Kirchenmusiker und nicht zuletzt eine ganze Kirchgemeinde wähle – «das Gesamtpaket eben». Die Übertragung eines Gottesdiensts benötigt eine lange Vorlaufzeit, in der verschiedene Interessen miteinander verbunden werden müssen. «Den Link zwischen Kirche, Kirchgemeinde und dem Fernsehen machen», so beschreibt Pascale Käser ihre Aufgabe.

Auch wenn auf beiden Seiten viel Respekt für das Schaffen der anderen vorhanden sei, handle es sich unbestritten um zwei unterschiedliche Welten. Pfarrer Markus Graber bestätigt dies, fügt jedoch hinzu: «Wir haben das gemeinsame Ziel, einen Gottesdienst zu übertragen», wofür sich beide Seiten sehr engagieren würden. Den Menschen vor dem Fernseher soll das Gefühl vermittelt werden, Teil der Kirchgemeinde zu sein, nicht nur Zuschauer.

Damit dies funktioniert, findet am Vorabend des 6. März für alle an der Organisation dieses Fernsehgottesdiensts Beteiligten eine Hauptprobe statt. Ein Dutzend Techniker für Ton, Bild und Licht hingegen reisen bereits am Samstagmorgen an, um die Kirche vorübergehend in ein Fernsehstudio zu verwandeln.

Fünfmal mehr Aufwand

Die Predigt hat Markus Graber schon geschrieben. Dies musste frühzeitig geschehen, weil seine Worte für die Fernsehzuschauer von Radio Télévision Suisse Romande auf Französisch übersetzt werden. Im dreiviertelstündigen Gottesdienst stehen ihm für die Predigt exakt 10 Minuten zur Verfügung.

Sollte er während der Feier schneller oder langsamer sprechen als vorgesehen, muss diese Abweichung vom Zeitplan ausgeglichen werden. Dies geschieht mit einer zusätzlichen beziehungsweise weggelassenen Strophe eines Kirchenliedes. Die Redaktorin behält die Zeit im Auge und die Aufnahmeleiterin signalisiert dem Pfarrer die Programmänderung per Handzeichen.

Einsingen als Warm-up

Wie sieht es bei Pfarrer Graber bezüglich Lampenfieber aus? «Durch meine Tätigkeit bin ich es gewohnt, vor Leuten zu sprechen. Das Unternehmen ist somit nicht völliges ‹Neuland› für mich», sagt Graber.

Die Projektgruppe für die Fernsehübertragung hätte zudem schon Tests mit Kameras durchgeführt, «um ein Gefühl zu bekommen, wie es ist, gefilmt zu werden und nicht zuletzt sich selbst am Fernsehen zu sehen».

Die Vorbereitungsarbeiten für diesen besonderen Gottesdienst nehmen für den Pfarrer rund fünfmal mehr Zeit in Anspruch als für einen gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst. Um die Kirche mit Gesang zu erfüllen, treffen die Besucher bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Feier ein, also um 9.30 Uhr.

Die Theologin und Medienbeauftragte Pascale Käser wird gemeinsam mit ihnen einsingen, um «etwas warm miteinander zu werden». Und damit die Stimmorgane auch bei einer allfälligen Zusatzstrophe mitmachen.

Reformierter Fernsehgottesdienst zur Fasnacht live auf SF1 am Sonntag, 6. März 2011, ab 10 Uhr.

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