Mit dem heutigen Spatenstich starten die neunmonatigen Bauarbeiten für das neue Regenrückhaltebecken bei der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Mellingen. Sehen wird man das 800-Kubikmeter-Becken am Schluss aber nicht: Es bleibt verborgen unter der Erde. 3,2 Millionen Franken lässt sich der Abwasserverband Region Mellingen das Projekt kosten. «Der Verband finanziert das Becken aus den jährlichen Gemeindebeiträgen», sagt Bruno Gretener, Präsident des Abwasserverbandes und Mellinger Gemeindeammann.

Bisher musste der Zufluss zur ARA bei starkem oder länger andauerndem Regen rund 130-mal pro Jahr mit einer sogenannten Regenentlastung in die Reuss kontrolliert und gedrosselt werden. Der Grund: Bei langem Niederschlag überlaufen die kleineren Regenrückhaltebecken der Verbandsgemeinden, zu denen neben Mellingen auch Mägenwil, Wohlenschwil, Tägerig, Birrhard, Nieder- und Oberrohrdorf gehören. Das Wasser fliesst durch die Kanalisation und vermischt sich mit dem Abwasser. Am Schluss landet es bei der ARA in Mellingen. Doch so viel Wasser auf einmal kann die ARA nicht aufnehmen, weshalb man einen Teil dieses Wassers in die Reuss abfliessen lassen muss.

Durch das häufige Ablassen des Regenwassers wird die Reuss zu stark belastet, kam die Abteilung Umwelt des Departements Bau, Verkehr und Umwelt zum Schluss. Deshalb hatte sie den Verband angewiesen, sein Entwässerungskonzept aus dem Jahr 1992 zu ergänzen. Daraufhin erarbeitete der Verband ein Regenüberlauf-Konzept für das gesamte Verbandsgebiet.

Zusätzliche Sicherung eingebaut

Der Bau ist unterteilt in ein Durchlauf- sowie ein Havariebecken von je 400 Kubikmeter. Beide funktionieren bei Regen zuerst als Puffer, um den Zufluss zur ARA ausgeglichen zu halten. Allerdings wird ein Teil des Wassers bei starkem oder länger andauerndem Regen wie bisher in die Reuss abgelassen, wenn die beiden Becken voll sind. «Wir rechnen aber damit, dass wir dank des Beckens die Entlastungen in den Fluss auf unter 80 pro Jahr senken können», sagt Gretener. Zusätzlich hat man mit dem Havariebecken eine weitere Sicherung: Sollte sich im Verbandsgebiet beispielsweise ein Chemieunfall ereignen mit der Gefahr einer erheblichen Gewässerverschmutzung, wird man das verunreinigte Wasser ins Havariebecken leiten. Dort kann es kontrolliert abgepumpt und der entsprechenden, gesetzlichen Entsorgung zugeführt werden.

Man hätte zwar ein noch grösseres Becken bauen können, um die Zahl der Entlastungen weiter zu senken. «Doch das wäre nicht mehr wirtschaftlich gewesen», sagt Gretener. Selbst mit einem doppelt so grossen Becken käme es immer noch zu zahlreichen Entlastungen im Jahr, schätzt er. «Zudem haben die jährlich rund 80 Entlastungen in ein grosses Fliessgewässer wie die Reuss keine grösseren negativen Auswirkungen auf das Gewässer», versichert Gretener.