Region Baden
Stillgelegtes Wasserkraftwerk soll wieder Strom produzieren

Das «Oederlin» an der Limmat hat die Konzession per Ende 2020 verloren. Das Kraftwerk könnte aber 100 Haushalte mit sauberer Energie versorgen, sagt die Badener FDP: Deshalb soll sich der Stadtrat für die Wiederinbetriebnahme einsetzen. Die wohl entscheidende Frage aber: Lässt sich mit einen Kraftwerk dieser Grösse überhaupt Geld verdienen?

Pirmin Kramer
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Das Kraftwerk liegt an der Limmat zwischen Ennetbaden und Obersiggenthal.

Das Kraftwerk liegt an der Limmat zwischen Ennetbaden und Obersiggenthal.



Walter Schwager (AZ-Archiv)

Nach 162 Jahren war Schluss: Das Wasserkraftwerk Oederlin an der Limmat zwischen Ennetbaden und Obersiggenthal musste seinen Betrieb Ende letzten Jahres einstellen. Die Konzession der Aargauer Regierung lief aus, und eine Neukonzessionierung wäre für die Oederlin AG wegen der vielen Auflagen nicht zu stemmen gewesen. Das Kraftwerk hatte sich seit dem 19. Jahrhundert auf ein ewiges, sogenanntes ehehaftes Wassernutzungsrecht berufen können. «Sehr bedauerlich, dass die Hürden für den Betrieb eines Kraftwerks, das sauberen Strom liefert, so hoch sind», sagte Thomas Schmid, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer von Oederlin.

Nun setzt sich die Badener FDP mit einem politischen Vorstoss für die Wiederaufnahme des Kraftwerkbetriebs sein. «Wir beauftragen den Stadtrat zu überprüfen, wie und unter welchen Bedingungen das Limmatkraftwerk Oederlin weiterbetrieben werden kann», heisst es im Postulat, das die vier Einwohnerräte Esther Frischknecht, Tobias Auer, Adrian Humbel und Stefan Jaecklin unterzeichnet haben.

Stilllegung mit Kosten verbunden

Blick auf einen Teil des Oederlin-Areals.

Blick auf einen Teil des Oederlin-Areals.

Britta Gut

Das Wasserkraftwerk Oederlin generierte durchschnittlich rund 0,4 Gigawattstunden Strom pro Jahr. «Damit könnten etwa 100 normale Haushalte mit Strom versorgt werden, mit modernen Turbinen wären es deutlich mehr», rechnet die FDP vor. Die CO2-arme Produktion von Energie und gleichzeitige Sicherstellung der Energie-Versorgungssicherheit gehörten zu den grossen Herausforderungen der Gesellschaft. «In diesem Kontext scheint die Abschaltung des Kleinwasserkraftwerks Oederlin wenig sinnvoll», argumentiert die FDP.

Der Stadtrat wird sich auch zur Frage äussern, ob es eine Möglichkeit gibt, den Weiterbetrieb über die Regionalwerke Baden sicherzustellen. Und eine Kosten-Nutzen-Rechnung soll erstellt werden, bei der die Szenarien einer Neukonzessionierung beziehungsweise einer Stilllegung verglichen werden.

Derzeit sei eine umfassende Stilllegung in Planung, sagt Thomas Schmid von der Oederlin AG. Dass diese Kosten verursacht, liegt auf der Hand. Der nun eingegangene Vorstoss freut ihn:

«Wir bei Oederlin sind gespannt auf die Haltung der Stadt Baden und würden uns freuen, wenn ein kompetenter Betreiber weiterhin ökologische Energie gewinnen würde.»

Das Kraftwerk könnte technisch mit geringem Aufwand wieder angefahren und mit den historischen Maschinen weiterbetrieben werden, sagt Schmid. «Mit den Regionalwerken und/oder der Limmatkraftwerke AG hätte die Stadt Baden absolut die Möglichkeiten und die Ressourcen, mit dem Kraftwerk Oederlin langfristig und ökologisch Energie zu produzieren; der erzeugte Strom könnte direkt in das Oederlin-Areal eingespeist und zu Endverbraucherpreisen verkauft werden», sagt Schmid.

Bereits der Ennetbadener Grossrat Michael Wetzel (Die Mitte) hatte letztes Jahr vergeblich interveniert: Er forderte den Regierungsrat dazu auf, sich für das Kraftwerk einzusetzen. «Für viel Geld werden Solaranlagen gebaut. Hier haben wir ein funktionierendes, bestehendes Kraftwerk, das grünen Strom produziert. Es kann doch nicht sein, dass es mit grossem finanziellem Aufwand stillgelegt wird», sagte Wetzel.

Regierungsrat zweifelt an Wirtschaftlichkeit

In seiner Antwort auf die Interpellation schrieb der Regierungsrat, grundsätzlich sei die Produktion regenerativer Energien wünschenswert und werde auch entsprechend unterstützt. Der Kanton Aargau betreibe aber keine eigenen Wasserkraftanlagen, er vergebe das Nutzungsrecht an Dritte in Form einer Konzession. «Kleinwasserkraftwerke bis 1000 Kilowatt Bruttoleistung sind von den Wasserzinsabgaben befreit, wodurch beim Kraftwerk Oederlin keine jährlichen Wasserzinsabgaben anfallen. Die Tatsache, dass der aktuelle Konzessionsinhaber einen Weiterbetrieb der Anlage nicht vorsieht, legt jedoch nahe, dass trotz der vorgenannten Bedingungen ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht umsetzbar ist», argumentierte der Regierungsrat.

Zudem müssten im Einzelfall die ökologischen Auswirkungen der Nutzung der Wasserkraft und die daraus erzeugte Energie ins Verhältnis gesetzt werden. «Bei Kleinwasserkraftwerken wie im vorliegenden Fall und mit dem aktuellen Zustand der Anlage ist der Eingriff mit grösseren Auswirkungen verbunden, als dies bei grösseren Wasserkraftanlagen der Fall ist.»

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