Fenster-Knacker
Region Wettingen ist eine Goldgrube für Einbrecher

Vergangene Woche wurden im Kanton Aargau 51 Einbrüche registriert – die meisten davon in der Region Wettingen. Vor allem reiche Quartiere und Autobahnanschlüsse locken Einbrecher.

Matthias Steimer
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«Dämmerungseinbrecher»: Die Polizei mahnt zu erhöhter Aufmerksamkeit in Wohnquartieren

«Dämmerungseinbrecher»: Die Polizei mahnt zu erhöhter Aufmerksamkeit in Wohnquartieren

Keystone

Sie kommen abends nach Hause – etwas stimmt nicht. Das Fenster steht offen. Schock. In den Zimmern sind Schubladen herausgerissen, die Schmuckschatulle ist leer. Der finanzielle Schaden ist horrend. Vom emotionalen Schaden ganz zu schweigen; Erinnerungen an die verstorbene Grossmutter, an die Gotte oder die eigenen Kinder – alles innert Minuten verschwunden, für immer. Die Bilder bleiben eingebrannt, im schlimmsten Fall können Sie nie mehr in diesem Haus schlafen.

Gesamte Region ist betroffen

Dabei handelt es sich nicht um Einzelschicksale. Diese Situation erlebt die Wettinger Bevölkerung täglich dreimal. Auch die Gemeinden Neuenhof, Killwangen, Spreitenbach und Würenlos sind schwer betroffen. «Letzte Woche verzeichnen wir im Kanton Aargau 51 Einbrüche», erklärt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei. Die allermeisten davon betreffen die genannte Region, denn insbesondere Wettingen entpuppt sich als Goldgrube und liegt direkt an der Autobahn.

Die Autobahnanschlüsse bieten den Tätern beste Fluchtmöglichkeiten. Aber woher kommen Sie? Das Bundesamt für Statistik (BFS) will die Daten erst noch aufbereiten. Daniel Fink vom BFS schickt voraus: «Es ist schwierig, solide Rückschlüsse auf die Nationalitäten zu ziehen, da nur 12 Prozent der Einbrüche aufgeklärt werden». Aus Gesprächen mit der lokalen Polizei wird indes deutlich, dass die – überführten – Täter überwiegend rumänischer wie bulgarischer Herkunft sind oder dass es Angehörige von Roma-Clans aus dem Elsass sind.

Professionell organisiert ziehen Sie durch den Aargau, durch die Schweiz, ja durch ganz Europa. «Dass die Visumspflicht für diese Länder aufgehoben wurde, zeigt sicher seine Wirkung», sagt Graser. Mit dem Schengener Abkommen sind auch die Personenkontrollen an den Landesgrenzen sehr rar geworden. Patrick Gantenbein von der Grenzwachtregion Basel ortet überdies ein Personalproblem: «Hier fehlt uns Personal, weil es wegen Migrationsdrucks im Tessin eingesetzt werden muss».

Es geschieht zu jeder Tageszeit

Die Einbrüche geschehen zu jeder Tageszeit: Letzte Woche wurden vier tagsüber, deren neun in der Dämmerung und zwölf in der Nacht registriert. Die anderen Fälle sind nicht zuordenbar. Beliebteste Ziele sind Einfamilienhäuser und Parterre-Wohnungen. Am häufigsten werden Terrassentüren aufgebrochen – ein Schraubenzieher genügt. Graser warnt zudem: «Ein gekipptes WC-Fenster oder eine Leiter im Garten sind regelrechte Einladungen.»

Polizei bietet Beratungen an

Graser ruft die Nachbarschaft auf, wachsam zu sein: Bei verdächtigen Personen oder Autokennzeichen soll die Polizei alarmiert werden. Die Polizei selbst fährt zu dieser Jahreszeit vermehrt Patrouille. Sein Eigenheim schützt man mit viel Licht und baulichen Massnahmen. Eine Fachstelle der Kantonspolizei bietet persönliche Beratungen vor Ort für 150 Franken pro Stunde.