«Mein Name soll als Regisseurin bitte nicht erwähnt werden. Ich stehe absolut nicht hinter dem Ergebnis.» Diese deutlichen Zeilen liess die Badener Regisseurin Eva Schneid der Redaktion letzte Woche zukommen.

In ihrer Mail teilte Schneid mit, sie sei als Regisseurin des Stücks «Die dritte Kolonne» (von Franz Hohler) zurückgetreten, welches das Theater in der Remise Rütihof ab kommender Woche aufführt. 

Auf Nachfrage greift Schneid zu einer Metapher: «Wenn ich einem Kunstmaler sage, wie er den Pinsel führen, die Farben zu mischen und die Perspektiven zu berücksichtigen hat, dann wird er mir irgendwann die Leinwand und die Farben samt Pinsel vor die Füsse knallen und mich bitten, das Bild doch selbst zu malen.» Genau das habe sie jetzt halt auch gemacht.

Dauernd hätten ihr die Produktionsleiterin und Schauspielerin Monika Peter und die Schauspielerin Ruth Rohr dreingeredet. «Ich verstehe nicht, weshalb man eine Regisseurin holt, wenn man dann meine Idee doch nicht akzeptiert. Es gelang mir einfach nicht, mein Konzept durchzubringen», so Schneid. Auch hätten die beiden jeglichen Willen vermissen lassen, neue Sachen auszuprobieren.

Monika Peter bestätigt, dass man sich von Regisseurin Schneid getrennt habe. Zu den Vorwürfen, man habe sich die ganze Zeit eingemischt, möchte Peter aber keine Stellung nehmen. Vielmehr wirft Peter der Regisseurin Eva Schneid einen ruppigen Umgangston vor. «So kann man doch einfach nicht mit Menschen umgehen», hält Peter fest.

Schneid kontert: «Kann sein, dass ich ruppig bin, aber Theater ist doch kein Streichelzoo!» Sie mache seit 45 Jahren Theater, doch so was habe sie noch nie erlebt.
Wird sie wohl auch nicht mehr: Denn für beide ist klar, dass es zu keiner weiteren Zusammenarbeit kommen wird. Dass sich Peter und Schneid überhaupt für die jüngste Produktion zusammentaten, grenzt schon an ein kleines Wunder.

Denn bereits 2007 bei der Produktion «Messerscharf» war Schneid frühzeitig ausgestiegen. Und nach der letzten gemeinsamen Produktion von «Villa Tatort» vor zwei Jahren war für Peter eigentlich klar: «Das war es.» Wieso wurde Schneid trotzdem wieder angefragt? Peter: «Weil sie auf uns zugekommen ist und eine erneute Zusammenarbeit anregte und ich hoffte, sie habe, was ihren Umgangston betrifft, dazugelernt.

Peter: «Absage kam nicht infrage»

Trotz des – man könnte sagen bühnenreifen – Zickenkriegs wird das Stück aufgeführt. «Vier Wochen vor der Premiere war für uns klar, dass eine Absage nicht infrage kommt und wir das Stück aufführen wollen», sagt Peter. Man habe schliesslich Marianne Kamm als neue Regisseurin gewinnen können. «Mit ihr haben wir 2009 schon erfolgreich das Stück ‹Der Sturm› produziert», so Peter.

Seit 2001 produziert das Theater in der Remise Rütihof Stücke, «Die dritte Kolonne» ist bereits die sechste Eigenproduktion. Das Stück feiert am Freitag in einer Woche Premiere.