Bellikon

Reha: Fünf Provisorien braucht es, um die Klinik zu betreiben

Der Umbau der Rehaklinik ist in vollem Gange. Damit der Betrieb in der intensiven Bauphase aufrechterhalten werden kann, weicht die Klinik derzeit auf insgesamt fünf Provisorien aus. Auch in Dättwil wird heuer therapiert.

Das Hauptgebäude ist umgeben von vier Provisorien, ein Teil der Reha wurde abgerissen – das Baufeld der Klinik in Bellikon gleicht einem Ameisenhaufen: Seit August 2013 wird sie für 300 Millionen Franken um- und ausgebaut. Nichts ist, wie es einmal war: Die ehemaligen Diagnostik- und Therapiegebäude sowie das Therapiebad sind der Erde gleichgemacht, Lastwagen tragen noch Teile der alten Mauern weg.

Überblick über das Baugelände.

Überblick über das Baugelände.

Bald werden Bagger dort 20 Meter in die Tiefe graben, damit der 5-stöckige Neubau – laut Direktor Toni Scartazzini «das Herzstück der Klinik» – realisiert werden kann. Zwei Stöcke werden unterirdisch sein. Nebst Diagnostik-, Therapie- und Behandlungsräumen entstehen dort eine Mehrzweck- und Sporthalle sowie eine Bäderwelt mit Therapiebad, Schwimmbad, Sauna und Dampfbad.

«Die Bäderwelt ist nach den Therapiezeiten und am Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich», sagt Scartazzini. Damit der Betrieb in der intensiven Bauphase aufrechterhalten werden kann, weicht die Klinik derzeit auf insgesamt fünf Provisorien aus.

Köche arbeiten in 10 Containern

«Eastside» heisst der dreistöckige Bau, der über 100 Räume verfügt. Erbaut wurde dieser nach dem Baubeginn 2013. Seit Anfang März betreten Patienten, Mitarbeitende und Besucher die Klinik durch einen provisorischen Haupteingang. Eine Etage tiefer verbindet ein Hauptkorridor beide Kliniktrakte. Wer dort vorbei geht, taucht in eine Unterwasserwelt ein, denn er wird auf seinem Weg von lustigen Meereswesen angeschaut und von Fischen begleitet. Dafür sorgt eine interaktive, mediale Wand – «die Idee unseres Direktors», sagt Burga Martinelli, Leiterin Marketing und Kommunikation. Die Wand funktioniere nach dem Umbau als Infoboard.

Ebenso seit März ist das Provisorium «Food’n’Lounge» in Betrieb. Das Gastrozelt steht auf dem Vorplatz und hat eine Fläche von 700 Quadratmetern. Integriert sind ein Restaurant, eine Lounge, eine Cafeteria sowie ein Kiosk. Die Küche, die mit dem Zelt verbunden ist, ist in zehn Containern untergebracht. «Es ist zwar etwas eng, aber wir haben uns sehr gut arrangiert», sagt Küchenchef René Frei und lacht. 900 Mahlzeiten bereiten die Köche dort täglich zu – von vegetarisch, über vegan bis hin zu gluten- und laktosefrei. Beliefert wird auch das Provisorium in Dättwil und der Mittagstisch Bellikon.

Ab Anfang 2016 sind Küche und Gastronomiebereich wieder im Quertrakt, neben der ehemaligen Eingangshalle, untergebracht. Das älteste Provisorium, das medizinische Trainingszentrum, stammt aus dem Jahr 2007. Damit die Erneuerung der Klinik nach Terminplan läuft, musste sich die Direktion kurzfristig etwas einfallen lassen. Denn das Trainingszentrum platzte aus allen Nähten und auf dem Klinikareal hatte es keinen Platz für ein weiteres Provisorium.

So entstand das fünfte Provisorium, für den Fachbereich Arbeitsorientierte Rehabilitation in Baden-Dättwil. Die Liegenschaft befindet sich im Langacker 20 zwischen «Jumbo» und «Beldona». Rund 90 Patienten täglich gelangen mithilfe eines Shuttlebusses zur Therapie. Gemietet werden das Erdgeschoss und das 3. Obergeschoss des Gewerbehauses, das von der Klinik umgebaut wurde. Das Budget für die Miete, den Unterhalt, den Umbau sowie die laufenden Betriebskosten und den Shuttlebus beträgt bis Ende 2017 rund 4,2 Millionen Franken. Die Auslagerung der Patienten hat sich laut Martinelli gut eingespielt.

Auch die Angestellten, die anfangs skeptisch gewesen seien, seien inzwischen sehr zufrieden. «Die Räume sind toll. Anfangs waren wir skeptisch, weil das Provisorium logistisch herausfordert. Wir haben uns jedoch gut eingelebt», bestätigt Grit Hoffmann, Gruppenleiterin Physiotherapie. Vom Angebot hat auch die Nachbarschaft Wind bekommen: «Wir hatten bereits Anfragen von der Bevölkerung, ob sie von der ambulanten Physiotherapie profitieren können», sagt Scartazzini.

Das Angebot stehe jedoch derzeit nur den von der Klinik zugewiesenen Patienten zur Verfügung. Sobald der Neubau Ende 2017 bezogen wird, werden alle Provisorien zurückgebaut. Der Mietvertrag in Dättwil wird voraussichtlich aufgelöst. Doch bis dann wird noch fleissig gebaut.

Alterswohnungen geplant

Und wo gebaut wird, ist es laut: «Es gibt selten Reklamationen. Wir behandeln rund 1700 stationäre und 2400 ambulante Patienten pro Jahr», sagt Martinelli. Seit Baubeginn habe es erst wenige Austritte aufgrund von Störungen durch die Bauarbeiten gegeben. «Wir führen monatliche Patientenbefragungen durch», sagt Scartazzini. Die Patienten seien sehr tolerant.

Eigentlich hätte gleichzeitig mit dem Neubau ein Patientenhotel mit einem Tagungs- und Seminarzentrum vis-à-vis der Klinik erstellt werden sollen. Der Bau verzögert sich laut Scartazzini, die Baueingabe werde erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Geplant ist, das Hotel und zwei Gebäude mit 38 Alterswohnungen Anfang 2019 einzuweihen.

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