Baden
Reisende müssen ihr Gepäck am Bahnhof selber schleppen

Die Gepäckrollis im Bahnhof sind verschwunden. «Kein Bedürfnis mehr», sagen die SBB. Doch gerade ältere Reisende wären manchmal froh darum.

Manuel Bühlmann
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Wer am Bahnhof Baden mit viel Gepäck ankommt, muss Taschen und Koffer selber zur Bushaltestelle oder zum Taxistand schleppen. Denn die Gepäckrollis sind vom Bahnhofareal verschwunden. Kathi Hasan hat sich schon mehrmals darüber geärgert.

Die 70-jährige Untersiggenthalerin reist mit ihrem 80-jährigen Mann regelmässig nach Asien oder in die USA. Auf dem Weg zum Flughafen Zürich seien sie mit viel Gepäck unterwegs und deshalb auf einen Rolli angewiesen. «Einmal half uns ein SBB-Mitarbeiter, ein anderes Mal liehen wir uns einen Einkaufswagen», sagt sie. Die aktuelle Situation erschwere das Reisen mit dem öV insbesondere für ältere Personen. «Am Bahnhof sind schliesslich nicht nur junge Leute und Pendler unterwegs.»

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi bestätigt auf Anfrage, dass die Gepäckrollis entfernt worden sind: «Weil heute jeder Koffer Rollen hat, besteht kein Bedürfnis mehr.» Seit der Abschaffung vor über einem Jahr wisse er von keiner negativen Rückmeldung.

«Ein Dienstleistungsabbau»

«Vielleicht machen die Leute einfach die Faust im Sack», glaubt Kathi Hasan. «Mich frustriert, dass sie die Preise erhöhen, die Leistungen aber abbauen.» Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, ist ebenfalls nicht begeistert von der Massnahme. «Ich finde es schlecht, weil es sich dabei um einen Dienstleistungsabbau handelt.» Die Gepäckwägeli gehörten für ihn zum Service der SBB.

Daniele Pallecchi sieht das anders: «Für uns sind Gepäckwagen keine Servicekomponente.» Es entspreche einem Trend, dass die Gepäckrollis kaum mehr gebraucht werden. «Die Nachfrage hat sich verändert.» Den Reisenden mit viel Gepäck empfiehlt Pallecchi, sich an den Schalter zu wenden. Dort würden zwei bis drei Wagen zur Verfügung stehen, die bei Bedarf ausgeliehen werden können.