Ob die Sportnacht, die «Träffpunkte», Pausenplatzaktionen oder das Jugendbüro: Über 5000 Jugendliche haben im letzten Jahr die Angebote der Offenen Jugendarbeit Region Rohrdorferberg besucht (siehe Grafik unten). Damit hat die «Mojuro», welche die Vertragsgemeinden Niederrohrdorf, Oberrohrdorf, Remetschwil, Bellikon und Stetten umfasst, so viele Kontakte wie nie geknüpft. Leiterin Anastassiya Korf spricht im Interview mit dem BT, weshalb die Institution rekordhohen Zuspruch erfährt, was die Jungen umtreibt und was in diesem Jahr ansteht.

Die «Mojuro» hat 2018 mit ihren Angeboten Rekordzahlen erreicht. In Zeiten von Social Media ist das doch eher überraschend. Was sagt das über die Jugendlichen aus?

Anastassiya Korf: Grundsätzlich ist es so, dass Social Media bei den Jugendlichen eine grosse Rolle spielt. Jedoch beobachten wir in letzter Zeit eine Trendwende: Die Jugendlichen haben vermehrt das Bedürfnis, ihre Freunde und Kollegen in der realen Welt zu treffen als noch vor rund acht Jahren, als die sozialen Medien aufkamen. Das zeigt sich etwa bei uns im Jugendbüro, wenn sie sich am Töggeli-Kasten oder am Billard-Tisch gemeinsam vergnügen.

Die Jugendlichen suchen also vermehrt reale Kontakte. Welche Bedeutung nehmen dabei die Angebote der Jugendarbeit ein?

Wir schaffen Räume, in denen sich die Jugendlichen kostenlos treffen und untereinander sein können; in denen es keinen Leistungsdruck gibt und sie auch mal laut sein können. Bei uns können die Jungen sie selbst sein, ohne Angst haben zu müssen, weggeschickt zu werden. Nicht zuletzt haben sie die Möglichkeit, sich mit erwachsenen Menschen auszutauschen. Ansprechpersonen, die sie so im Rahmen der Schule oder in der Familie nicht haben.

Sie sprechen die Beratungen an: Dafür leistete die «Mojuro» 2018 über 110 Stunden. Es zeigt sich, dass das Thema Familie die Jugendlichen besonders beschäftigt. Weshalb?

Die Familie stellt für die Jugendlichen eine wichtige Struktur dar. In der Pubertät jedoch lösen verschiedene Faktoren Konflikte aus, etwa aufgrund von Schulleistungen, Sackgeld oder Lehrstellenabbruch. Zu Reibungen können auch simple Aufforderungen führen, beispielsweise «Räum dein Zimmer auf» oder «um 21 Uhr musst du wieder vom Ausgang zurück sein». Die Jugendlichen fühlen sich von den Eltern missverstanden, die Eltern ihrerseits erkennen ihre Kinder kaum wieder. In unseren Beratungen setzen wir genau hier an und versuchen, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Sehen wir, dass es sich um tiefgründige Probleme handelt, weisen wir die Jugendlichen an entsprechende Fachstellen.

Wo finden die Beratungen statt?

Wir hören uns ihre Anliegen grösstenteils bei uns im Jugendbüro in Niederrohrdorf an. Doch es kommt auch vor, dass wir die Jugendlichen zwischen Tür und Angel antreffen und so Beratungen auch an den mobilen «Träffpunkten» stattfinden.

Weshalb glauben Sie, dass die Angebote der «Mojuro» bei den Jugendlichen hohen Zuspruch geniessen?

Das hat zum einen damit zu tun, dass wir ein sehr engagiertes Team haben, das professionell arbeitet und ein offenes Ohr für die Anliegen der Jugendlichen hat. Zum anderen sind wir sehr breit aufgestellt und sprechen Junge von der Primar- bis zur Oberstufe an. Nicht zuletzt liegt es daran, dass wir als Organisation sehr agil sind. So passen wir unsere Angebote stets an die Bedürfnisse der Jugendlichen an und entwickeln mit ihnen neue Projekte.

Letztes Jahr hat die «Mojuro» beispielsweise eine eigene News-App lanciert.

Ja genau. Die App gibt uns die Möglichkeit, unsere News und anstehenden Events viel mehr Jugendlichen bekannt zu machen und sie in Echtzeit zu erreichen. Bisher kommunizierten wir mehrheitlich mit Flugblättern. Das war eher eine starre Angelegenheit.

Was steht für die Jugendarbeit im laufenden Jahr an?

Für uns geht es darum, einen neuen Standort in Niederrohrdorf zu finden. Denn das Jugendbüro, das sich an der Oberdorfstrasse befindet, ist bis Sommer 2020 befristet. Wichtig ist, dass wir im Dorf bleiben können, gerade wegen des Oberstufenzentrums, das von über 300 Schülern besucht wird.