Nachruf
René Tschui: Wettingen ist seine Heimat geworden

Rückblick auf das Leben von Fussball-Trainer René Tschui, der mit dem FC Wettingen von der 2. Liga in die NLA aufstieg.

Fredy Staubesand
Merken
Drucken
Teilen
Fussballtrainer René Tschui verstarb im Alter von 95 Jahren.

Fussballtrainer René Tschui verstarb im Alter von 95 Jahren.

René Tschui, Wettingen und der FC Wettingen – das ist eine dauerhafte Liebesgeschichte, weil Wettingen für den in Grenchen aufgewachsenen René zur Heimat geworden ist. Am 15. Mai ist René Tschui, gut vier Monate nach seinem 95. Geburtstag, gestorben.

1935 hatte seine fussballerische Laufbahn als Junior beim FC Grenchen begonnen, 1983 schloss er sie, 60-jährig, als Inter-B-Junioren-Trainer in Wettingen ab, bei jenem Verein, bei dem er die erfolgreichste Zeit hatte: Der FCW wurde in der ganzen Schweiz geachtet, wie er in den 50er- und 60er-Jahren, von René Tschui trainiert, von der 2. Liga in die NLA hochstieg. Das Spiel im Stadion Altenburg mit Tausenden von Zuschauern, als der FC Basel hier 1970 Schweizer Meister wurde, gehört zu den legendärsten in der FCW-Geschichte.

12 Jahre auf der ersten Trainerstation

Wettingen war Tschuis erste Trainerstation, zwölf Jahre lang; das gibt es heute kaum mehr. «Das Gefühl, in einem Verein zu Hause zu sein, Erfolg zu haben, das war befriedigend», erzählte René Tschui. «In meiner Laufbahn bilden die drei Aufstiege, jeder für sich und als Ganzes, die Höhepunkte. Jene Jahre sind unvergesslich.»

Trainer geworden ist Tschui, weil er mit dem runden Leder umgehen konnte. Mit 16 spielte er beim FC Grenchen schon in der Nationalliga A. Er wirbelte als linker Flügel bis 1947 in der Uhrenmetropole. In dieser Zeit war er auch im Nationalkader, kam aber bei Ernstkämpfen, ausser einmal für Schweiz B, nie zum Spielgenuss. «Immer stand mir Jacky Fatton im Weg», erinnerte sich René schmunzelnd. Der Servettien war zu dieser Zeit und bis zur WM 1954 der überragende Mann auf Linksaussen.

Von GC in der Aargau

Tschui spielte noch für die Grasshoppers. Mit Toni Bacher wechselte er 1950 zum FC Baden in die 1. Liga, zwei Jahre später zum FC Aarau; der Aufstieg in die NLB blieb aber verwehrt. Darauf fand er beim FC Wettingen die Bleibe, als Spieler in der 2. Liga, dann als erfolgreicher Trainer.

Wettingen war Tschuis zweite Heimat. Als gelernter Mechaniker konnte er 1961 die Stelle des Schulhausabwartes an der Bezirksschule übernehmen. Dort wirkte er auch im Schulsport und erteilte Metall-Unterricht. 1988 wurde er pensioniert. Seit 2015, als seine Frau Alice starb, wohnte er allein: geistig rege, körperlich mit den Bresten eines 90-Jährigen. Das hinderte ihn nicht, den Haushalt im Kleinen zu bewältigen.