Das Gerücht machte bereits die Runde in der Stadt, nun ist es amtlich: Das Restaurant Rose in der Badener Weiten Gasse hat einen neuen Besitzer. Die Brauerei Müller hat im Auftrag der Eigentümerin – einer Nachfahrin der Bierbrauerfamilie – einen neuen Besitzer gefunden. Es handelt sich um keinen Unbekannten: Die Rede ist vom Unternehmer Markus Schön aus Turgi, der das ehemalige Reformhaus am Löwenplatz umgebaut hat. Letzten Sommer eröffnete er das von seiner Frau geführte kleine Bistro «Delicia» und eine neue Bar namens «Walter».

«Ja, ich habe die ‹Rose› erworben», bestätigt Schön. Er wolle die Liegenschaft im kommenden Frühjahr sanieren. Das Haus verfügt ausser dem Restaurant und der Bar im Erdgeschoss über einen Bierkeller, diverse Lagerräume, den Rosensaal im ersten Stock, ein Wirtezimmer und in den obersten beiden Etagen über zwei Wohnungen. «Neu soll es vier Wohnungen geben. Auch das Restaurant soll einen neuen Anstrich erhalten; geplant ist auch, die Bar weiterzubetreiben», so Schön. Im Rosensaal könne er sich zudem künftig kulturelle Anlässe wie kleinere Konzerte und dergleichen vorstellen.

Neueröffnung im Sommer 2019

Mit dem Besitzerwechsel stellt sich sofort die Frage, ob es zu einem Wirtewechsel kommt. Zur Erinnerung: Im Juni 2017 verstarb der langjährige «Rose»-Wirt Urs Eggenschwiler im Alter von nur 58 Jahren völlig überraschend. Eggenschwiler hat das Restaurant in der Weiten Gasse während rund elf Jahren geführt. Sein Erbe trat im gleichen Sommer das Wirtepaar Bergan und Erdal Dogan aus Untersiggenthal an. Während sie in Untersiggenthal aufgewachsen ist, ist ihr Mann erst vor zehn Jahren aus der Türkei in die Schweiz gekommen, um hier zu studieren. «Ich habe mich entschieden, dass ich die ‹Rose› selber übernehmen will», sagt Markus Schön.

Konkret sei geplant, dass das «Delicia» an die Weite Gasse umzieht. «Es wird nicht nur brasilianische Spezialitäten wie heute schon im ‹Delicia› geben, sondern eine internationale Küche.» Der Entscheid sei ihm nicht einfach gefallen, weil das Ehepaar Dogan in der «Rose» sehr gut wirten würde. Der Vertrag mit dem Wirtepaar läuft noch bis Ende März 2019. «Danach will ich gleich mit den Um- und Erneuerungsbauten beginnen», so Schön. Geplant sei, das neue Restaurant im nächsten Sommer zu eröffnen.

Dass sie nach nicht einmal zwei Jahren die «Rose» schon wieder verlassen müssen, bedauert Bergan Dogan sehr. «Es ist schade, dass der neue Besitzer die Zukunft ohne uns plant.» Denn es sei ihnen in den letzten eineinhalb Jahren gelungen, eine treue Stammkundschaft aufzubauen. «Wir sind sehr zufrieden, wie es läuft. Die Badener haben uns ins Herz geschlossen. Umso bedauerlicher ist es, dass wir hier nicht länger wirten können.» Seit klar ist, dass sie hier nicht mehr länger wirten können, hätten sie bereits zahlreiche Angebote erhalten. «Derzeit sind wir an konkreten Verhandlungen für die Pacht in einem Badener Restaurant. Konkretes können wir aber noch nicht verraten», so Dogan.

Bauherr im Clinch mit der Stadt

Wird das Restaurant auch künftig auf den Namen «Rose» hören? «Auf jeden Fall; oder vielleicht eine Namenskombination», sagt Markus Schön. Denn einen solch geschichtsträchtigen Namen gelte es auf jeden Fall zu erhalten, ist der neue Eigentümer überzeugt.

In der Tat. Das Restaurant Rose ist eines der ältesten Wirtshäuser der Stadt Baden. Das spätgotische Haus an der Weiten Gasse stammt aus dem Jahr 1433. Bierbrauer Hans Müller-Hauser kaufte das Haus 1906 und liess es 1947 renovieren. Aus diesem Jahr stammt der Engel an der Fassade, der eine Rose in der Hand trägt. Im selben Jahr wurde das Haus auch von der kantonalen Denkmalpflege unter Schutz gestellt. Beim nächsten Umbau 1962 entdeckte man den gotischen Rosensaal wieder und renovierte ihn stilgerecht. Damals wurden die Schaufenster aus dem 19. Jahrhundert durch die breiten Bogenfenster ersetzt. Zuletzt wurde das Gasthaus 1999 vollständig renoviert und die ehemaligen Hotelzimmer wurden zu Wohnungen umgebaut. Der Rosensaal und die Fassade dürfen wegen der Schutzwürdigkeit nicht mehr verändert werden.

Mit solchen Herausforderungen ist Markus Schön vertraut, hat er doch beim Umbau der Liegenschaft am Löwenplatz reichlich Erfahrung gesammelt. Denn zwischen ihm als Bauherr und der städtischen Abteilung Planung und Bau gab es lange Unstimmigkeiten, weil er einen Personen- und einen Warenlift einbauen liess respektive einbauen wollte. Während die Bewilligung für den Personenlift nachträglich erteilt wurde, kann Schön jetzt auch beim Warenlift einen Erfolg vermelden. «Das Verwaltungsgericht hat meine Beschwerde gegen die Stadt gutgeheissen; ich kann den Warenlift jetzt endlich bauen.»

Die Aargauer Gastro-Szene im Wandel: