Zehn öffentliche Toiletten in Wettingen sind zu wenig, wie SP-Einwohnerrätin Kirsten Ernst findet. «Ich wurde immer wieder von älteren Einwohnern, aber auch von Familien mit kleinen Kindern angesprochen, dass es beim Einkaufen an der Landstrasse weit und breit keine Toilette habe.» Viele der öffentlichen WC-Anlagen befänden sich ausserhalb des Zentrums, seien kaum behindertengerecht und nicht «anmächelig». «Eine Grossgemeinde wie Wettingen hat die Pflicht, eine genügende Anzahl an öffentlichen Toiletten in ansprechender Qualität und in bestmöglicher Verteilung zur Verfügung zu stellen», sagt Ernst. Vor allem ältere, nicht mehr so mobile Menschen, aber auch Kinder seien darauf angewiesen, schnell eine leicht zugängliche Toilette zu finden, falls sich das natürliche Bedürfnis einstelle.

Neue WC-Anlagen zu bauen, sei aber nicht einfach. Deshalb schlägt die Einwohnerrätin in einer Motion an den Gemeinderat das Konzept der «Netten Toilette» vor, auf das sie während eines Ausflugs nach Deutschland gestossen ist. Das funktioniert so: Passanten dürfen die WCs in bestimmten Restaurants und Geschäften benutzen, ohne dass sie etwas bestellen oder kaufen müssen. Die entsprechenden Lokale sind mit einem speziellen Aufkleber markiert. «Das führt zu einer Win-win-Situation», ist Kirsten Ernst überzeugt. Denn: Die Passanten können flächendeckend ohne schlechtes Gewissen saubere Toiletten zum Teil bis in die Nacht hinein benutzen, während die Geschäfte von der Gemeinde für die Unterhaltskosten entschädigt werden und möglicherweise weitere Kunden gewinnen können. Ein solches Konzept kennt seit diesem Jahr bereits die Stadt Thun.

In einem Gesamtkonzept soll der Gemeinderat festhalten, welche WC-Anlagen wo und in welchem Zustand vorhanden und ob sie behindertengerecht sind. «Dabei sollen auch die Standorte der ‹Netten Toiletten› einbezogen werden.» Zudem sollen im Gesamtkonzept die notwendigen Investitionen der nächsten fünf bis zehn Jahren für Sanierungen und einen behindertengerechten Ausbau sowie die Kosten für den erforderlichen Unterhaltsbeitrag an die «Nette Toilette» aufgezeigt werden. «Nach Abschluss des Gesamtkonzeptes könnte auf der Website der Gemeinde ein Übersichtsplan mit den öffentlichen WCs in Wettingen aufgeschaltet werden.»

Bereits im Februar wurde das Wettinger Seniorenforum aktiv. Die Kommission für Altersfragen war auch der Ansicht, dass es in Wettingen zu wenig öffentliche Toiletten habe, sie schlecht auffindbar und zum Teil sanierungsbedürftig seien. Deshalb stellte das Seniorenforum mehrere Anträge an den Gemeinderat. Hinweisschilder sollen auf die nächste Toilette aufmerksam machen und der Ausbaustandard müsse teilweise verbessert werden. Zudem seien neue WC-Anlagen nötig. «Der Gemeinderat hat die Anliegen positiv aufgenommen», wie es vonseiten des Forums heisst. Die Toilette an der Margelstrasse wurde in diesem Jahr saniert, jene an der Bergstrasse ist 2015 an der Reihe. Auch die Beschilderung ist für 2015 vorgesehen.