Es ist ein Wunsch, der seit mehreren Jahren besteht: ein Fussgängersteg zwischen dem Künter Ortsteil Sulz und Fischbach-Göslikon. Die beiden Gemeinderäte erhoffen sich durch den Bau eines Reussstegs unter anderem, dass das Naherholungsgebiet aufgewertet wird und dass es einen Gewinn an Lebensqualität für alle Beteiligten gibt.

Doch nun meldet sich Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, zu Wort: «Der Standort tangiert derart viele Schutzinteressen von kantonaler und nationaler Bedeutung, dass wir es für unwahrscheinlich halten, dass ein Bauwerk von lokaler oder höchstens regionaler Bedeutung an diesem Standort rechtlich bewilligungsfähig ist», sagte er kürzlich dem «Reussboten».

Zur Erinnerung: Letzten Sommer hatten die Gemeindeversammlungen von Künten und Fischbach-Göslikon je einen Kredit über 10 000 Franken für eine Machbarkeitsstudie genehmigt. Diese wurde daraufhin im Dezember beim kantonalen Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) eingereicht. In seiner Stellungnahme diesen Frühling verlangte das BVU, dass der ganze Perimeter, ab der Kantonsgrenze von Ottenbach bis nach Mellingen, in das zu prüfende Gebiet für einen Fussgängersteg einzubeziehen sei. Die beiden Gemeinden sehen als idealen Ort für einen öffentlichen Fussgängersteg den Abschnitt der Reuss zwischen dem Campingplatz im Künter Ortsteil Sulz und dem Fischbach-Gösliker Schützenhaus.

In geschützter Zone gelegen

Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny betont auf Anfrage der AZ: «Pro Natura ist eine Naturschutzorganisation und darum für die ungeschmälerte Erhaltung von Natur und Landschaft, also gegen die zusätzliche Belastung dieser Werte durch einen Fussgängersteg über die Reuss, die nun mal nicht wegdiskutiert werden kann.» Der vorgesehene Standort liege in der Sperrzone des Dekretes über den Schutz der Reuss und ihrer Ufer sowie im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler. Damit habe der Reusssteg aus rechtlicher Sicht hier keine Chance auf eine Bewilligung. «Wird ein konkretes Projekt vorgelegt, kann Pro Natura Aargau dieses gerne auf seine Rechtmässigkeit prüfen. Der neue Vorstand unter dem neuen Präsidenten wird dann seine offizielle Haltung kommunizieren», sagt Jenny.

Werner Fischer, Ammann der Gemeinde Künten, welche die Projektführung innehat, zeigt sich über die Äusserungen von Johannes Jenny irritiert. «Wir standen stets mit einem Vertreter von Pro Natura in intensivem Kontakt und haben den Wunsch betreffend den Stegbau von Anfang an konkret geäussert», sagt Fischer. «Ich bin mir bewusst, dass sich der vorgesehene Standort in einem geschützten Gebiet befindet», fügt er an. Jedoch wäre es nicht der erste Steg, der gebaut und gleichzeitig dem Reussuferschutzdekret unterliegen würde. «Bei der Ausarbeitung des Projekts legen wir Wert darauf, alle einspracheberechtigten Parteien einzubinden, auch Pro Natura.»

Derzeit sei man daran, die vom BVU geforderten Abklärungen zu tätigen. «Auch Gespräche mit Baudirektor Stephan Attiger haben wir geführt.» Letzterer stehe dem Vorhaben wohlwollend gegenüber, mache aber auch klar, dass eine eingehende Interessenabwägung erforderlich sein werde, sagt Fischer. «Es steht uns jede Menge Arbeit bevor und es wird viel Effort brauchen.» Der Aufwand würde sich aber lohnen, das Projekt sei zukunftsgerichtet und schaffe neue Möglichkeiten des Austausches und der Zusammenarbeit. Wie Fischer sagt, sei das Ziel der Gemeinderäte Künten und Fischbach-Göslikon klar: Ein Projekt auszuarbeiten, das auf rechtlicher Ebene bewilligungsfähig ist. «Es wäre wünschenswert, wenn das bis 2020 der Fall ist», so Fischer.