Stetten/Niederwil

Reusstaler Golden Gate Bridge für Wanderer und Gülle

So soll die Hängebrücke zwischen Stetten und Nesselnbach aussehen. Am Ende des Bauwerks ist einer der beiden Schweinemastställe von Werner Humbel zu sehen.

So soll die Hängebrücke zwischen Stetten und Nesselnbach aussehen. Am Ende des Bauwerks ist einer der beiden Schweinemastställe von Werner Humbel zu sehen.

165 Meter lang und 1,20 Meter breit soll sie werden, die Hängebrücke über die Reuss. Werner Humbel will damit über die Reuss seine beiden Betriebe, ein Masthof und eine Biogas-Anlage, verbinden.

165 Meter lang und 1,20 Meter breit soll sie werden, die Hängebrücke über die Reuss. Seit Montag liegt das Baugesuch bei der Gemeinde Niederwil und beim Kanton auf. Eingereicht hat das Projekt Werner Humbel, Schweinemäster und Geschäftsführer der Recycling Energie AG.

Der 51-Jährige beabsichtigt, eine Verbindung zwischen seinem Betrieb in Stetten und seiner Biogas-Anlage in Nesselnbach zu schlagen: Auf der Hängebrücke sollen nicht nur Wanderer vom einen zum anderen Ufer gelangen, sondern auch eine Leitung für Schweinegülle installiert werden.

Bis anhin transportierte Werner Humbel die Jauche mit Traktoren und Güllewagen rund acht Kilometer vom Stetter Betrieb via Mellingen und Tägerig nach Nesselnbach in die Biogas-Anlage – der schweizweit grössten.

«Mit der Hängebrücke könnten wir rund 200 Fahrten pro Jahr einsparen», sagt Humbel. Statt den Umweg über die Strassen zu nehmen, würden die rund vier Millionen Liter Schweinegülle, die jährlich produziert werden, der Anlage direkt zugeführt werden.

Strom für 5000 Haushalte

Die Recycling Energie AG ist auf die Fäkalien angewiesen, damit die Firma Öko-Strom produzieren kann. Neben Speiseresten von Restaurants, Grossverteilern wie Coop und der Lebensmittelindustrie ist für die Erzeugung auch Gülle nötig.

Rund 15 Millionen Kilowattstunden pro Jahr gelangen so ins Stromnetz. Davon wird ein kleiner Teil für den Eigenbedarf gebraucht, der Rest geht an 5000 Haushalte der Elektrizitätswerke Zürich (EWZ). «Dank der Abwärme der Generatoren können wir auch das Pflegezentrum Reusspark mit Heizenergie versorgen», fügt Werner Humbel an.

Die Idee, eine Hängebrücke zu schlagen, war ursprünglich ein Hirngespinst. «Wir hatten vor, eine 600 Meter lange Gülleleitung unter die Reuss zu legen», erklärt der Unternehmer. Doch das war nicht möglich: Unter der Reuss liegt Grundwasser, weshalb das Rohr in keine stabile Lage gebracht werden kann.

«Auch Experten aus Holland konnten uns nicht weiterhelfen», berichtet Humbel. Für die Abklärungen, die in den Jahren 2011 und 2012 getätigt wurden, hat seine Firma rund «eine Viertelmillion verlocht».

Der Stetter suchte mit seinem Team nach einer neuen Lösung. «Als das Wort ‹Hängebrücke› fiel, haben wir zuerst nur gelacht», sagt Humbel. Doch dann habe man begonnen, die Idee weiterzuverfolgen und ein Projekt auszuarbeiten – mit Erfolg: Das kantonale Energieversorgungsunternehmen AEW möchte Stromkabel unter die Brücke verlegen, die regionale Kläranlage ARA Stetten eine Gasleitung. Auch von den umliegenden Gemeinden erhält der Geschäftsführer Unterstützung.

Kontakt mit Pro Natura gesucht

Noch offen ist, ob Werner Humbel mit Widerstand der Naturschützer rechnen muss. Dies, weil die Verbindung in eine Schutzzone zu stehen kommen soll. «Ich habe Kontakt mit Pro Natura aufgenommen», sagt er. Auf Ablehnung sei er nicht gestossen.

Meistgesehen

Artboard 1