Rheintalstrecke: Ständerat erteilt eine Absage

Ständerat Hansjörg Knecht forderte Wiederöffnung der Bahnlinie.

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Der Bundesrat soll prüfen, wie ein Ausbau der Strecke Winterthur–Koblenz–Basel realisiert werden könne: So lautet die Forderung des Postulats, das SVP- Ständerat Hansjörg Knecht im Frühling einreichte. Der Ständerat hat den Vorstoss jedoch kürzlich abgelehnt und somit nicht an den Bundesrat überwiesen. Immerhin habe Bundesrätin Simonetta Sommaruga Verständnis gezeigt für die oft schwierige Situation von Regionen wie dem Zurzibiet, sagt Knecht.

«Einer der wichtigen Gründe für die Ablehnung war die Haltung der Aargauer Regierung, die das Projekt vor allem auch aus finanziellen Gründen zurzeit nicht unterstützt», sagt der Leibstädter. «Hier gilt es nun noch Überzeugungsarbeit zu leisten und sich den nötigen Rückhalt des Regierungsrates zu sichern.» Im Januar 2020 hatte der Regierungsrat eine Interpellation des CVP-Grossrats Andreas Meier und vier weiterer Grossräte zur Wiedereinführung der Rheintalstrecke zur Ablehnung empfohlen, unter anderem aufgrund der hohen Investitionskosten und der geringen Nachfrage. Bevor der Grosse Rat aber über dieses Postulat befinden konnte, zog Meier den Vorstoss zurück, um ihn kürzlich wieder überarbeitet einzureichen. Diesmal ohne einen weiteren Kritikpunkt: der Verknüpfung mit dem Staatsvertrag mit Deutschland, der die finanzielle Beteiligung zur Elektrifizierung der Hochrheinstrecke der Deutschen Bahn enthält. Mit dem überarbeiteten Postulat rechnet Meier sich nun gute Chancen im Grossen Rat aus.

Vor 25 Jahren wurde der Streckenabschnitt Laufenburg–Koblenz stillgelegt; auf der einspurigen Strecke verkehren seither streckenweise nur noch Güter-, aber keine Interregio-Züge. Das soll sich nach Ansicht mehrerer Kantons- und Bundesparlamentarier, den Planungsverbänden Fricktal Regio sowie Zurzibiet Regio und der in Bad Zurzach beheimateten «Arbeitsgemeinschaft Pro WiBa» ändern. Neben einer Stärkung der Regionen erwarten sie von der Wiedereröffnung auch einen Zeitgewinn für Reisen von Winterthur nach Basel und eine Entlastung der heute stark ausgelasteten Linien durch Böz- und Heitersberg.

«Bahnlinie viel günstiger als von Gegnern befürchtet»

«Die Linie wäre auch eine gelungene Ergänzung zur geplanten deutschen Hochrheinstrecke, die Orte wie Stein-Säckingen, Koblenz oder Bad Zurzach wieder direkt mit Winterthur und Basel verbinden würde», sagt Knecht. Sie würde überdies die dringend benötigte Vernetzung von Arbeitsplatz-Schwerpunkten wie dem Sisslerfeld mit den Wirtschaftsräumen Ost- und Nordwestschweiz gewährleisten. «Wir sprechen von einem Potenzial von 4000 bis 6000 Arbeitsplätzen», so der Ständerat. «Die Rheintallinie wäre gemäss einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften relativ leicht umsetzbar, dazu mit geschätzten Kosten von etwa 20 Mio. Franken sehr viel günstiger, als von den Gegnern allgemein befürchtet», sagt Knecht.

Es sei wichtig, die Anliegen des Zurzibiets und des Fricktals immer wieder in Bundesbern einzubringen, so der Ständerat weiter. «Selbst wenn solche Vorstösse nicht immer von sofortigem Erfolg gekrönt sind. Aber sie sensibilisieren das Parlament und den Bundesrat für die Belange von Randregionen.» Einen Zwischenerfolg konnte Knecht verbuchen: «Bundespräsidentin Sommaruga hat Verständnis für die oft schwierige Situation von Regionen im Spannungsfeld zwischen verschiedenen Agglomerationen und Bahnknoten aufgebracht.» Und sie habe auch zugesichert, dass der Bundesrat bei der zukünftigen Entwicklung des Bahnsystems gerade diesen Regionen mehr Bedeutung zumessen werde. «Ich werde Bundespräsidentin Sommaruga beim Wort nehmen und mich weiterhin für eine Rheintalstrecke für das Zurzibiet und das Fricktal einsetzen», sagt Knecht. (sga)

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