Schuldig in 30 Anklagepunkten lautete das Urteil des Badener Gerichts über Ursula Zehnder von Ennetbaden. Unter Folter gestand sie, einen Pakt mit «Baschi Teüffel» geschlossen, Menschen, Tiere und sogar ihren eigenen Mann getötet zu haben. Auf welche Art sie hingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Wie aus den Quellen hervorgeht, ist sie die Erste von vier Ennetbadener «Hexen», die im Juli 1640 «examiniert» wurde.

Muttermale waren Teufelszeichen
Wo die Ennetbadener Frauen den Tod fanden, darüber besteht keine Gewissheit. Insgesamt drei Richtstätten gab es in Baden und Umgebung: Unten in Ennetbaden auf der Nordseite des Lägernkopfes und oberhalb auf dem Sattel des Höhtals sowie auf dem Galgenbuck in Dättwil. «Die städtische Blutgerichtsbarkeit wurde auf dem Areal des Galgens von Dättwil ausgeübt», erklärt Badens Stadtarchivar Andreas Steigmeier. Der Galgen im Höhtal sei hingegen der Richtplatz der Grafschaft Baden gewesen. Er gehe davon aus, dass die von der städtischen Blutgerichtsbarkeit verurteilten «Hexen» auf dem umzäunten Areal des Galgens von Dättwil hingerichtet worden seien, «meist wohl auf dem Scheiterhaufen».

Frauen rufen Geschwulste hervor
Tatsache ist, dass jede Person der Hexerei verdächtig sein konnte. Niedertracht, gebrochene Freundschaften oder aussereheliche Beziehungen konnten zu einem Hexenprozess führen. Sogar die sogenannten Teufelszeichen wie Muttermale, Leberflecken und Warzen riefen damals einen Verdacht auf Hexerei hervor. Ein Beispiel übelwollender Mitmenschen ist das Vorgehen der Kirchspieler Bauern gegen die «argwöhnischen Weiber» aus Leuggern: Der Zollerin, der Seilerin und der Verena wurde zur Last gelegt, durch Berührungen Geschwulste hervorzurufen, Kinder zu lähmen und Vieh zu verderben.

Streckfolter und Holzbock
Um möglichst viele «Hexen» zu ermitteln, bedienten sich die Richter der Folter. Gewöhnlich begann sie damit, dass der Henker der Angeklagten die Folterwerkzeuge zeigte. Danach wurden die Frauen entkleidet und die Körperhaare weggebrannt oder wegrasiert. Die Streckfolter war die am häufigsten angewandte Methode, die Frauen zu Geständnissen zu zwingen. Dazu wurde die Angeklagte auf eine Leiter gelegt, damit der Oberkörper festgebunden werden konnte. Danach wurden Gewichte zwischen 5 bis 20 Kilogramm an den Füssen befestigt. Schrecklich und nicht weniger schmerzhaft die Anwendung des Holzbocks, auf den sich die Frauen rittlings setzen mussten, wobei eine scharfe Schneide in Damm- und Schamteile einschnitt.

Ursula gesteht Pakt mit Teufel
Die in den Verhören immer wieder gleich geschilderten Begegnungen mit dem Teufel lassen die Historiker darauf schliessen, dass den Frauen lediglich Suggestivfragen gestellt wurden: Viele «Hexen» schilderten, wie sie vom Teufel verführt wurden, dass er ihnen Geld gab und sie zu nächtlichem Tanz und Ausschweifung an einen geheimen Ort einlud und sie zum Krankmachen verwies. So lautet eines der 30 Geständnisse der Ursula von Ennetbaden: «Zum Dritten bekennt sie, dass der böse Fründt ihre nach dem Beischlaf zugemutet, sie solle Gott, Sohn, würdige Mutter und alle die Heiligen verleugnen, welches nach dem sie getan, habe er ihro etwas Geltes geben.»

Geständnisse unter brutaler Folter
Nur wenige Frauen blieben der stundenlangen Marterung standhaft. Unter Höllenqualen machten die meisten «Hexen» Aussagen, die sich später als unwahr erwiesen. So flogen sie auf Besen, verkehrten wollüstig mit dem Teufel, der ihnen auch in der Gestalt eines Geissbocks erschien, und drangen durch geschlossene Türen. So soll eine Barbara Wild von Wettingen auf einem Stab ins Moos geritten sein; Mechtild Forstmeister fuhr auf einem Besen von Klingnau nach Wettingen und Anna Zimmermann von Rohrdorf war mit Verena von Mellingen mit ihren Teufeln auf einer Weide bei der Täfern. Damit nicht genug: Angeblich konnten die bösen Weiber durch Anhauchen und Blasen Schäden anrichten. Anna Humbel aus Stetten blies einem Kind ins Auge, bis es auslief. Adele Winggerlin von Eien lähmte durch das Anhauchen einen Mann an Händen und Füssen - dafür wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Einen Freispruch gab es selten. Nach der Urteilsverkündung durch das Landgericht kam es sofort zur Vollstreckung der Strafe. Dabei wurde das erpresste Geständnis der «Hexe» dem gaffenden Pöbel vorgelesen.

Ursula lebt am 6. Mai auf
Der Verlauf einer möglichen Urteilsverkündigung wird dieses Wochenende im Rahmen von KulTour im Landvogteischloss theatralisch umgesetzt. «Mit der Aufführung verfolgen wir das Ziel, eine scheinbare Randfigur der Badener Geschichte zu porträtieren», erklärt Barbara Welter, Leiterin des Historischen Museums. Die Transkription des Protokolls über die Verurteilung von Ursula Zehnder sei im Stadtarchiv Baden hinterlegt. «Sogenannte Hexen waren mit Vorwürfen konfrontiert, die Ängste und Normen einer ganzen Gesellschaft widerspiegeln.» Im Übrigen handelt die Dauerausstellung im Landvogteischloss von den Aufgaben des Landvogtes, der das Amt des Richters innehatte. «Auch in diesem Zusammenhang kam uns die Idee, uns dem Thema Hexenverfolgung zu widmen.»
Mit der Vorstellung werde keine Forschung betrieben. «Die Verurteilung wird basierend auf der historischen Überlieferung, jedoch mit künstlerischer Freiheit, inszeniert.» Die Schauspielerin Valérie Cuénod habe die Transkription dazu umgeschrieben (siehe Interview). «Weiter wollen wir die Menschen sensibilisieren. Viele sind sich nicht bewusst, welches Ausmass die Hexenverfolgung in unserer Region hatte.» Die Aufführung im Landvogteischloss «Die Verurteilung - wer richtet hier wen» mit Valérie Cuénod und Gilles Tschudi ist am 6. Mai um 0.30 Uhr und 1 Uhr nachts zu sehen.

Quellen: Karl Zimmermann: Hexenwesen und Hexenverfolgung in der Grafschaft Baden von 1574-1600, Badener Neujahrsblätter 1950, S. 40-55; Hexenprotokoll Ursula von Ennetbaden, Stadtarchiv Baden, A.38.23; Ennetbadener Post, März, Nr. 1/2009: S. 10-13.