Baden
Roger Federers Urahnen wurden noch auf Holz gemalt

Heute hängt beim Tennisfan das Poster von Roger Federer über dem Bett. Seine Ausstrahlung ist es, nicht nur seine Tenniskunst, die ihn in den Ikonen-Status gebracht hat.

Roman Huber
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Ulrich Obrist, pensionierter Theologe und Ikonograf, Sammler von Ikonen, schlägt damit den Bogen zu den Heiligenbildern, wie man sie im Raum des byzantinischen Reiches und in der orthodoxen Kirche seit 2000 Jahren antrifft.

«Die Bilder verbinden die Gegenwart mit der Vergangenheit, sie schaffen zwischen Betrachter und abgebildeter Heiligenfigur eine existenzielle Verbindung», erklärt Obrist. Eine Verständigung, die, wie bei einer heutigen Ikone, ebenso auf einer spirituellen Ebene stattfinde.

Zu einer Leidenschaft geworden

Die Bedeutung von Ikone habe zum modernen Begriff «Icon» geführt. «Es entspricht der antiken Bildverständigung», womit Obrist die Symbolsprache meint. Genauso wie ein Icon wirke die Einfachheit und Emotionalität der Ikone, führt er weiter aus. Im Mittelalter haben Ikonen und Heiligenbilder als Bibel der Armen, der nicht des Lesens Kundigen, gegolten. Darum wird den Bildern eine tiefe Bedeutung beigemessen.

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Die Theologen Ulrich Obrist (li.) und Jürg Hermann in der Ikonen-Ausstellung.

48 Ikonen hat Obrist ins reformierte Kirchgemeindehaus mitgebracht. Und das knapp 500 Jahre nach dem reformatorischen Bildersturm. «Auch die reformierte Kirche, in welcher der Wortgottesdienst im Vordergrund steht, hat heute eine andere Anschauung als damals», sagt Gastgeber Jürg Hermann, Sozial-Diakon, angesprochen auf den Ausstellungsort. Hermann selber ist aufgrund einer theologischen Freundschaft in Rumänien auf die Ikonen aufmerksam geworden. Der Zufall führte ihn zu Obrist, der seine Sammlung zwei bis dreimal jährlich zur Ausstellung freigibt. «Man müsse sich dabei den orthodoxen Gottesdienst vorstellen, die Atmosphäre, der Weihrauch», sagt Hermann und gesteht, dass diese Ausstellung ein Zugang zu einer anderen Welt sei.

Ein begeisterter Idealist

Der in Riniken im Bezirk Brugg aufgewachsene Ikonensammler wurde von der Ausdruckskraft der Ikonen gefesselt. Einfach und sachlich auf den Punkt gebracht, beschreibt Obrist diese Kunstwerke. Bei den griechischen Orthodoxen habe er Ikonen getroffen, die etwas ins Kitschige übergehen würden, erzählt der leidenschaftliche Sammler. So treffe man dort eine Maria mit Wangenrouge an, währenddem die russischen Ikonen sachlich sei.

Er sei aus einer einschneidenden Lebenssituation heraus zum Sammler von Ikonenbildern geworden, erklärt der Theologe aus dem Baselland. Auf seinen Reisen sei er auf wunderbare Stücke dieser Kunstsparte gestossen. Mancherorts allerdings sei der Ausfuhr von Ikonen bereits verboten. Seine 48 Ikonen haben einen sehr hohen Wert - darum sind sie über Nacht auch an einem sicheren Ort gelagert. Einige Exemplare stehen für Liebhaber zum Verkauf.

Ausstellung: Freitag, 13.30 bis 21 Uhr, Samstag, 13.30 bis 16 Uhr, im reformierten Kirchgemeindehaus in Baden.